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Ein Kuchen für den Präsidenten (2025)

Mamlaket al-qasab

Iraks Oscarbeitrag über ein Mädchen, das die Irrungen und Wirrungen des Lebens kennenlernt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 5 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4.0 / 5

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Der Irak am Anfang der 1990er-Jahre: Obwohl das Land wirtschaftlich am Boden liegt, lässt sich dessen Machthaber Saddam Hussein bejubeln. Der Geburtstag des Diktators, der im ganzen Land begangen werden soll, steht vor der Tür und stellt die neunjährige Lamina (Baneen Ahmed Nayyef) vor ein Problem. Ihr Lehrer hat sie auserkoren, zur Feier des Tages einen Kuchen für die Schulklasse zu backen. Doch überall sind das Geld und die Lebensmittel knapp.

Um die Zutaten für den Kuchen zu ergattern, fährt Lamina an der Seite ihrer Großmutter Bibi (Waheeda Thabet Khreibat) und mit ihrem Hahn Hindi in die große Stadt. Die alte Dame hat allerdings ganz anderes im Sinn. Um dem Auftrag ihres Lehrers trotzdem nachzukommen, sucht Lamina die Hilfe ihres besten Freundes Saeed (Sajad Mohamad Qasem), der mit seinem Vater in der Stadt unterwegs ist. Ihr Vorhaben führt die zwei Kinder jedoch vom Regen in die Traufe.

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"Ein Kuchen für den Präsidenten": Irrfahrt mit Huhn

Das Frühjahr ist eine gute Zeit für Filmliebhaber, denn mitten in der heißen Phase der "Preissaison", also zwischen der Verleihung der Golden Globes und der Oscars, laufen in Deutschland eine Menge der nominierten Werke an. Ergänzt wird diese illustre Runde von Filmen, die es nicht zu einer Nominierung gebracht haben, aber dennoch einen Kinobesuch wert sind. Viele davon haben sich um einen Oscar in der Kategorie des Besten internationalen Films beworben. Neben dem südkoreanischen Beitrag "No Other Choice" und dem slowenischen "Little Trouble Girls" zählt auch "Ein Kuchen für den Präsidenten" dazu, der für den Irak ins Rennen ging. Allein die Brillanz des letztgenannten Films veranschaulicht, wie stark der jüngste Jahrgang gewesen ist.

Dessen Regisseur und Drehbuchautor beweist, dass sich aus einer kleinen Ausgangsidee ganz großes Kino erschaffen lässt – und dass es dafür nicht einmal professioneller Schauspieler bedarf. Vollständig mit Laien besetzt, gelingen Hasan Hadi wundervolle Momente voller Tragik und Humor, Zärtlich- und Menschlichkeit, die bei aller Stille und Poesie ausgesprochen cineastisch sind. Eine Qualität, die heutzutage zu vielen Filmen abgeht, weil deren Macher lieber auf einen unkompliziert fabrizierten, pseudo-dokumentarischen Realismus setzen, anstatt sich Gedanken darüber zu machen, wie sich eine Szene am schönsten komponieren lässt.

"Ein Kuchen für den Präsidenten" steckt hingegen voller wohldurchdachter Einstellungen mit Liebe zum Detail. Oft spielen sich im Bildhintergrund zusätzliche kleine Geschichten ab, was zur Folge hat, dass man bei jedem erneuten Ansehen dieses Films noch etwas Neues entdecken kann. Dass es sich um ein Debüt handelt, ist kaum zu glauben. So souverän beherrscht Hadi sein Handwerk und überrascht mit Bildern, mit denen das Publikum nicht rechnet. Etwa in der Szene, in der die kleine Protagonistin heimlich auf der Heckstoßstange eines Linienbusses mitfährt, weil sie sich keine Fahrkarte leisten kann. Bilder wie dieses – verblüffend, kraftvoll, kinetisch, lyrisch – sind einfach für die große Leinwand gemacht.

Schweres Los, düsterer Hintergrund

Im Zentrum dieses Erstlings steht das Mädchen Lamia, das in der Obhut seiner Großmutter im südirakischen Marschland aufwächst, wo auch der Regisseur groß geworden ist. Die dort vom Kameramann Tudor Vladimir Panduru gemachten Aufnahmen sind so atemberaubend, dass unweigerlich die Frage aufkommt, warum die sagenhaften Sümpfe Mesopotamiens nicht schon öfter im Kino zu sehen waren. Einen Film über die Unwägbarkeiten des Lebens dort beginnen und enden zu lassen, wo einst die Wiege der Zivilisation stand, ist nur eine von vielen gelungenen Entscheidungen dieses überragenden Debüts.

Während der Zweite Golfkrieg düster am Horizont heraufzieht, steht der Geburtstag des Diktators Saddam Hussein ins Haus. Allen Warnungen ihrer Großmutter zum Trotz fällt das Los in Lamias Schulklasse auf sie, und die Neunjährige muss anlässlich der Feier einen Kuchen für die Klasse backen. An der Seite der rüstigen wie rührigen alten Dame, mit ihrem geliebten Hahn Hindi im Gepäck und einer Einkaufsliste in der Hand geht es in die nächstgelegene Stadt – und ab ins Abenteuer. Denn Alt und Jung werden alsbald voneinander getrennt, und Lamina muss sich erst allein, dann mit ihrem wiedergetroffenen Freund Saeed durch den unbekannten Großstadtdschungel schlagen.

Die Geschichte durch Kinderaugen zu erzählen, ist genial. Denn die gewählte Perspektive ermöglicht es Hasan Hadi, allen am Wegesrand getroffenen Figuren mit derselben naiven Unvoreingenommenheit zu begegnen. Was sich wiederum wunderbar für dramaturgische Wendepunkte nutzen lässt. In diesem von Armut, Korruption und Organisationstalent geprägten Land sind auch die guten Seelen Mangelware. Die meisten Menschen sind auf ihren eigenen Vorteil bedacht, was Lamina und Saeed bald am eigenen Leib erfahren. Als Kinder sind sie stets das schwächste Glied ganz am Ende einer ungerechten Nahrungskette.

Erzählt mit liebevoller Lakonie

Das Gelingen oder Misslingen eines Films von Kindern abhängig zu machen, ist ein hohes Risiko. Glückt es, springen großartige Filme heraus. "Ein Kuchen für den Präsidenten" reiht sich nahtlos bei Klassikern wie "Fahrraddiebe" (1948), "Wo ist das Haus meines Freundes?" (1987) und "Cinema Paradiso" (1988) ein, weil Hasan Hadi mehr als nur eine individuelle Geschichte erzählt. Am Beispiel des schweren Loses, das seine kleine Protagonistin zieht, erzählt er das Los eines ganzen Landes mit allen Sonnen- und Schattenseiten, ohne dabei gehässig oder gar ätzend zu werden, sondern stets mit liebevoller Lakonie.

In der Rolle der neunjährigen Lamina trägt Baneen Ahmed Nayyef den gesamten Film auf ihren Schultern und meistert die Odyssee, auf die ihre Figur geschickt wird, mit Bravour. Die Mischung aus Neugierde, Aufgewecktheit und Entschlossenheit, mit der Lamina ihre unlösbar erscheinende Aufgabe anpackt, nimmt das Kinopublikum der Debütantin Nayyef nicht nur jederzeit ab, es kann sich auch an Laminas unerschütterlichem Glauben an das Gute aufrichten.

Baneen Ahmed Nayyef und Hasan Hadi hätten alle Preise der Welt für diesen Film verdient; Letztgenannter nicht zuletzt für das tolle Drehbuch, das die Handlung in einer klugen Kreisbewegung zurück an ihren Ausgangspunkt führt. Aus einem prächtig geschmückten Hochzeitswagen, mit dem Lamina und ihre Großmutter in die Stadt fuhren, ist am Ende des Films ein Leichenwagen geworden. Auch das gehört zum Leben dazu. Und immerhin, einige namhafte Preise, darunter die Goldene Kamera für das beste Debüt bei den Filmfestspielen in Cannes, hat "Ein Kuchen für den Präsidenten" gewonnen. Dass es nicht für eine Oscarnominierung gereicht hat, ist trotzdem ärgerlich. Vielleicht wäre es endlich an der Zeit, die Anzahl der nominierten Filme auch in der Kategorie des Besten internationalen Films von fünf auf zehn Stück zu erhöhen. In der Zwischenzeit bleibt zu hoffen, dass "Ein Kuchen für den Präsidenten" auch ohne eine Nominierung für den begehrtesten Filmpreis der Welt sein Publikum finden wird. Er hat es mehr als verdient.

Fazit: Gute Filmdebüts sind selten, dieses ist sagenhaft. Das irakische Drama "Ein Kuchen für den Präsidenten" von Regisseur und Drehbuchautor Hasan Hadi reiht sich nahtlos ein in den Kanon großer Filme, die durch Kinderaugen von sozialen Verwerfungen erzählen. Souverän geschrieben, mitreißend gespielt und cineastisch in Szene gesetzt, muss die Geschichte der tragikomischen Irrfahrt eines neunjährigen Mädchens in einem Atemzug mit Filmen wie "Fahrraddiebe" und "Wo ist das Haus meines Freundes?" genannt werden.




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Besetzung & Crew von "Ein Kuchen für den Präsidenten"

Land: Irak, USA
Weitere Titel: The President's Cake
Jahr: 2025
Genre: Drama
Originaltitel: Mamlaket al-qasab
Länge: 102 Minuten
Kinostart: 05.02.2026
Regie: Hasan Hadi
Darsteller: Baneen Ahmad Nayyef als Lamia, Waheed Thabet Khreibat als Bibi, Sajad Mohamad Qasem als Saeed, Muthanna Malaghi als Muthanna, Ahmad Qasem Saywan als Musa
Kamera: Tudor Vladimir Panduru
Verleih: Vuelta Germany

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