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Der geheimnisvolle Blick des Flamingos (2025)

La misteriosa mirada del flamenco

Coming-of-Age-Drama eines Mädchens in einer Gemeinschaft von Transpersonen in Nordchile, welche 1982 im Verdacht stehen, eine tödliche Seuche mit ihren Blicken zu übertragen.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 2.8 / 5

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Die zwölfjährige Lidia (Tamara Cortés) lebt 1982 bei ihrer Ziehmutter Flamingo (Matías Catalán) am Rande einer ehemaligen Bergbauernstadt in der nordchilenischen Wüste. Die 32-jährige Transfrau gehört zu einer kleinen queeren Gemeinschaft, die unter der Leitung von Mama Boa (Paula Dinamarca) eine Bar betreibt. Lidia wird von halbstarken Jungs schikaniert und Flamingo schlägt sie in die Flucht. Dazu genügt es, einem Jungen tief in die Augen zu schauen. Denn es kursiert das Gerücht, ein Blick von Flamingo, Boa und ihren Mitstreitenden stecke Männer mit einer tödlichen Seuche an.

Auch Flamingo ist schwer erkrankt. Ihr ehemaliger Lover Yovani (Pedro Muñoz) bezichtigt sie, ihn mit Blicken angesteckt zu haben und ermordet sie. Lidia will sie rächen, sucht nach Erklärungen. Sie freundet sich mit dem Jugendlichen Julio (Vicente Caballero) an, der sie in die Gerüchte einweiht. Ein paar alte Bergleute dringen unter der Führung von Clemente (Luis Tato Dubó) ins Haus der queeren Gruppe ein und zwingen die Bewohner*innen, die sie fortan bewachen wollen, Augenbinden zu tragen.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse4 / 5

"Der geheimnisvolle Blick des Flamingos“: Queer und verrufen

Mit seinem Spielfilmdebüt erinnert der junge chilenische Regisseur und Drehbuchautor Diego Céspedes an die HIV-Pandemie, die in den 1980er Jahren besonders viele schwule und queere Menschen dahinraffte. Die Hauptfigur seines poetisch-melancholischen Films ist die pubertierende Lidia, die ähnlich wie er selbst als Kind zu verstehen versucht, was es mit der tödlichen Seuche auf sich hat. Céspedes hatte von seinen Eltern viele schrecklichen Geschichten über Aids gehört und erst später nach seinem Coming-out verstanden, welche Vorurteile die Krankheit begleiten. Trotz der sozialen Ächtung, welche der queeren Gemeinschaft um Lidia und ihre Ziehmutter Flamingo entgegenschlägt, herrschen dort bunte Lebenslust und ein liebevoller Umgang. "Der geheimnisvolle Blick des Flamingos“ gewann den Hauptpreis in der Reihe "Un Certain Regard“ in Cannes und ist die chilenische Einreichung für den Oscar 2026.

Attraktive Drag Queens

Alljährlich veranstalten die Transmenschen um Mama Boa einen Schönheitswettbewerb in der Bar. Früher warfen, wie eine Rückblende zeigt, zahlreiche Männer den Drag Queens auf der Bühne begehrliche Blicke zu. Nun sitzen in der Bar nur noch ein paar müde Rentner. Die meisten ehemaligen Bergarbeiter, die noch in der Gegend leben, scheuen sich davor, die Transfrauen anzuschauen, aus Angst vor der Seuche. Der erkrankte Yovani, der in die Show hineinplatzt, ist hin- und hergerissen zwischen sexueller Sehnsucht und tödlichem Hass auf Flamingo.

Auch abgesehen von der Tragödie, die Lidia die Ziehmutter raubt, sind Aggressionen gegen die queere Gruppe verbreitet. Blicke können die Liebe entfachen und diese vermag - nicht nur in Zeiten der Seuche - gefährlich zu sein. Boa und die anderen, die Namen wie Löwin, Adler, Stern tragen, reden darüber, dass die Männer aus der Umgebung kaum zu Liebe fähig sind – die Homophobie lässt etwas anderes nicht zu.

Verspielt und kreativ

Doch die Geschichte strahlt verspielten Optimismus aus. Die Besatzer, die ins Haus eindringen, lassen sich gerne zärtlich die Gesichter betasten. Menschen finden zueinander, die das bislang nicht konnten. Den Eindruck kreativer Leichtigkeit verstärken bebilderte Fantasien Lidias und verschiedene Anleihen an das Westerngenre. Der Schauplatz in der wüstenähnlichen Weite signalisiert, dass die Menschen hier ihre eigenen Gesetze machen. Das kann mit Gewalt verbunden sein oder auch mit Experimentierfreude und Selbstentfaltung.

Fazit: In einer Bergarbeitersiedlung in der chilenischen Wüste glauben die Männer im Jahr 1982, dass die Blicke ihrer queeren Nachbar*innen eine tödliche Seuche übertragen. Ein Mädchen, das in der kleinen Gemeinschaft von Transmenschen aufwächst, betrauert die Ermordung ihrer Ziehmutter und geht den kursierenden Gerüchten nach. Das Spielfilmdebüt des chilenischen Filmemachers Diego Céspedes erinnert an die vielen Opfer von Aids, huldigt der Lebensfreude einer queeren Gemeinschaft und schlägt der grassierenden Homophobie ein Schnippchen. Es entsteht eine spannende Mischung aus verspielter Leichtigkeit und Melancholie.




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Besetzung & Crew von "Der geheimnisvolle Blick des Flamingos"

Weitere Titel: The Mysterious Gaze of the Flamingo
Jahr: 2025
Originaltitel: La misteriosa mirada del flamenco
Kinostart: 04.12.2025
Regie: Diego Céspedes
Darsteller: Luis Dubó, Matías Catalán, Claudia Cabezas
Verleih: filmreederei

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