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Therapie für Wikinger (2025)
Den sidste viking
Schwierige Familienverhältnisse: dänische Tragikomödie mit dem von Anders Thomas Jensen gewohnten rabenschwarzen Humor.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 3 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Der Bankräuber Anker (Nikolaj Lie Kaas) wandert für 15 Jahre in den Knast. Nach seiner Entlassung mietet er sich mit seinem Bruder Manfred (Mads Mikkelsen) in einem altbekannten Haus an einem Waldsee ein. Auf dem pittoresken Grundstück sind die zwei Brüder an der Seite ihrer älteren Schwester Freja (Bodil Jørgensen) aufgewachsen. Inzwischen gehört es dem ehemaligen Model Margrethe (Sofie Gråbøl) und ihrem Mann Werner (Søren Malling), einem gescheiterten Modedesigner, der sich als Kinderbuchautor versucht. Doch Anker und Manfred sind nicht zur Erholung hergekommen.
Bevor Anker hinter Gittern landete, hat er Manfred darum gebeten, sein Diebesgut im Wald zu verstecken. Doch Manfred leidet an einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung, hält sich für John Lennon und weiß nicht mehr, wo er das Geld vergraben hat. Vielleicht kann der Psychiater Lothar (Lars Brygmann) helfen? Um Manfreds Erinnerung wachzurufen, karrt Lothar die Patienten Anton (Peter Düring) und Hamdan (Kardo Razzazi) an, die sich für Ringo Starr respektive Paul McCartney und George Harrison halten. Gemeinsam sollen sie eine Beatles-Coverband gründen, spielen aber lieber Stücke von ABBA. Und dann taucht auch noch Flemming (Nicolas Bro) auf. Der Ex-Kumpane von Anker will sein Stück von der Beute abhaben.
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Filmkritik
"Therapie für Wikinger": Ängste, Äxte und ein bisschen ABBA
Weil Manfred (Mads Mikkelsen) nicht länger Manfred, sondern John genannt werden will, reagiert er ausgesprochen allergisch, wenn ihn jemand versehentlich mit seinem alten Namen anspricht. Und weil sein Bruder, der soeben aus dem Knast entlassene Anker (Nikolaj Lie Kaas), Manfreds jüngsten Spleen nicht mitmachen möchte und ihn weiterhin trotzig Manfred nennt, löst er in kürzester Zeit zwei lebensbedrohliche Reaktionen aus. Erst springt Manfred aus einem fahrenden Auto, dann aus dem Fenster. Womit das Kinopublikum nicht rechnet und der Ton dieser schrägen, ein ums andere Mal verblüffenden Tragikomödie gesetzt ist.
Der weitere Handlungsverlauf kreist um im Wald vergrabenes Geld und tief in der Erinnerungen vergrabene Traumata. Es geht um Kinderbücher und Wikinger, um IKEA, ABBA und die Beatles und um einen vermeintlichen Psychiater, der aus einer Gruppe Geisteskranker eine begeisternde Musikgruppe formt. Denn Manfred hält sich nicht für irgendeinen John, sondern ausgerechnet für John Lennon. Das klingt nicht nur irre, sondern ist es auch – und fügt sich am Ende nur deshalb schlüssig zusammen, weil Anders Thomas Jensen es geschrieben und anschließend Regie geführt hat.
Tragikomödie mit Kultpotenzial
Jensen ist einer der umtriebigsten und vielfältigsten Filmemacher Europas. Der 1972 geborene Däne ist seit Mitte der 1990er-Jahre im Geschäft und hat seither mehr als 50 Drehbücher verfasst. Ernste Dramen wie Susanne Biers "Brothers" (2004), "Nach der Hochzeit" (2006) und ihren oscarprämierten "In einer besseren Welt" (2010) sind ebenso darunter wie der düstere Western "The Salvation" (2014), der Fantasyfilm "Die Hüterin der Wahrheit" (2015) oder das wuchtige Historiendrama "King's Land" (2023). In den Filmen, bei denen Jensen selbst Regie führt, hat er sich einen rabenschwarzen Humor bewahrt, den er schon früh in seiner Karriere an den Tag legte, etwa in Lone Scherfigs "Wilbur Wants to Kill Himself" (2002) und Lasse Spang Olsens "In China essen sie Hunde" (1999).
Was dänische Kultfilme anbelangt, kommt man an Jensen kaum vorbei. Neben den zwei letztgenannten Streifen haben alle von Jensens eigenen Regiearbeiten Kultstatus erlangt: die Gangsterkomödie "Flickering Lights" (2000), die Kannibalen-Metzger-Komödie "Dänische Delikatessen" (2003), die Nazi-Resozialisierungskomödie "Adams Äpfel" (2005), die unbeschreiblich verschrobene Komödie "Men & Chicken" (2015) und jüngst die rachelüsterne Trauerkomödie "Helden der Wahrscheinlichkeit" (2020). Kultpotenzial besitzt auch "Therapie für Wikinger", in dem es ein weiteres Mal derb und blutig, absurd bis grotesk, trotz allem aber liebenswert und am Ende versöhnlich zugeht. Wer eine sensible und subtile Komödie über eine zerrüttete Familie erwartet, sitzt im falschen Film. Wer hingegen selbst dann noch lacht, wenn einem das Lachen im Hals steckenbleibt, kann bedenkenlos ein Kinoticket lösen.
Drehbuchschwächen und ein starkes Ensemble
Was das Drehbuch anbelangt, macht es Jensen anfangs zu umständlich und es sich später zu einfach. Damit am Ende alles aufgeht, nimmt die Handlung im ersten Akt gezwungenermaßen einige Umwege in Kauf. Und jedes Mal, wenn sie in den folgenden Akten droht, ins Stocken zu geraten, zieht Jensen einfach die nächste Wendung aus dem Hut. Die Charaktere sind ein weiteres Mal nur grob geschnitzt, und die eingestreuten Rückblenden, die sukzessive Manfreds und Ankers traumatische Kindheit offenlegen, wirken bisweilen deplatziert.
Wie es der Däne jedoch abermals schafft, völlig gegensätzliche Genres wie den Gangsterfilm und den Musikfilm in ein Familiendrama zu integrieren, ist sehenswert. Das Schöne an Anders Thomas Jensens Filmen ist ja, dass man sich am Ende mit diesen verschrobenen Charakteren diebisch freut, egal wie viel Absurdes bis Abstruses Jensen zuvor aufgetischt hat. Dank eines eingespielten und prächtig aufgelegten Ensembles, zu dem neben Mads Mikkelsen und Nikolaj Lie Kaas viele aus Jensens Filmen bekannte Gesichter wie Nicolas Bro, Lars Brygmann, Søren Malling und Bodil Jørgensen zählen, glückt das auch dieses Mal.
Fazit: Wo "Anders Thomas Jensen" draufsteht, ist Anders Thomas Jensen drin. Auch die sechste abendfüllende Regiearbeit des Dänen ist ein absurder bis abstruser Genremix, der abrupt die emotionalen Register wechselt. Die grob gezeichneten Charaktere bewegen sich durch eine Welt, in der sich makaberer Humor und groteske Gewalt mit liebevollen Momenten, leisen Zwischentönen und der Musik von ABBA und den Beatles abwechseln. "Therapie für Wikinger" ist eine toll besetzte und umgesetzte Tragikomödie über eine Familie voller (positiv) Verrückter, über Ängste, Äxte, Wikinger und im Wald vergrabene Traumata. Garantiert kultverdächtig!
Weil Manfred (Mads Mikkelsen) nicht länger Manfred, sondern John genannt werden will, reagiert er ausgesprochen allergisch, wenn ihn jemand versehentlich mit seinem alten Namen anspricht. Und weil sein Bruder, der soeben aus dem Knast entlassene Anker (Nikolaj Lie Kaas), Manfreds jüngsten Spleen nicht mitmachen möchte und ihn weiterhin trotzig Manfred nennt, löst er in kürzester Zeit zwei lebensbedrohliche Reaktionen aus. Erst springt Manfred aus einem fahrenden Auto, dann aus dem Fenster. Womit das Kinopublikum nicht rechnet und der Ton dieser schrägen, ein ums andere Mal verblüffenden Tragikomödie gesetzt ist.
Der weitere Handlungsverlauf kreist um im Wald vergrabenes Geld und tief in der Erinnerungen vergrabene Traumata. Es geht um Kinderbücher und Wikinger, um IKEA, ABBA und die Beatles und um einen vermeintlichen Psychiater, der aus einer Gruppe Geisteskranker eine begeisternde Musikgruppe formt. Denn Manfred hält sich nicht für irgendeinen John, sondern ausgerechnet für John Lennon. Das klingt nicht nur irre, sondern ist es auch – und fügt sich am Ende nur deshalb schlüssig zusammen, weil Anders Thomas Jensen es geschrieben und anschließend Regie geführt hat.
Tragikomödie mit Kultpotenzial
Jensen ist einer der umtriebigsten und vielfältigsten Filmemacher Europas. Der 1972 geborene Däne ist seit Mitte der 1990er-Jahre im Geschäft und hat seither mehr als 50 Drehbücher verfasst. Ernste Dramen wie Susanne Biers "Brothers" (2004), "Nach der Hochzeit" (2006) und ihren oscarprämierten "In einer besseren Welt" (2010) sind ebenso darunter wie der düstere Western "The Salvation" (2014), der Fantasyfilm "Die Hüterin der Wahrheit" (2015) oder das wuchtige Historiendrama "King's Land" (2023). In den Filmen, bei denen Jensen selbst Regie führt, hat er sich einen rabenschwarzen Humor bewahrt, den er schon früh in seiner Karriere an den Tag legte, etwa in Lone Scherfigs "Wilbur Wants to Kill Himself" (2002) und Lasse Spang Olsens "In China essen sie Hunde" (1999).
Was dänische Kultfilme anbelangt, kommt man an Jensen kaum vorbei. Neben den zwei letztgenannten Streifen haben alle von Jensens eigenen Regiearbeiten Kultstatus erlangt: die Gangsterkomödie "Flickering Lights" (2000), die Kannibalen-Metzger-Komödie "Dänische Delikatessen" (2003), die Nazi-Resozialisierungskomödie "Adams Äpfel" (2005), die unbeschreiblich verschrobene Komödie "Men & Chicken" (2015) und jüngst die rachelüsterne Trauerkomödie "Helden der Wahrscheinlichkeit" (2020). Kultpotenzial besitzt auch "Therapie für Wikinger", in dem es ein weiteres Mal derb und blutig, absurd bis grotesk, trotz allem aber liebenswert und am Ende versöhnlich zugeht. Wer eine sensible und subtile Komödie über eine zerrüttete Familie erwartet, sitzt im falschen Film. Wer hingegen selbst dann noch lacht, wenn einem das Lachen im Hals steckenbleibt, kann bedenkenlos ein Kinoticket lösen.
Drehbuchschwächen und ein starkes Ensemble
Was das Drehbuch anbelangt, macht es Jensen anfangs zu umständlich und es sich später zu einfach. Damit am Ende alles aufgeht, nimmt die Handlung im ersten Akt gezwungenermaßen einige Umwege in Kauf. Und jedes Mal, wenn sie in den folgenden Akten droht, ins Stocken zu geraten, zieht Jensen einfach die nächste Wendung aus dem Hut. Die Charaktere sind ein weiteres Mal nur grob geschnitzt, und die eingestreuten Rückblenden, die sukzessive Manfreds und Ankers traumatische Kindheit offenlegen, wirken bisweilen deplatziert.
Wie es der Däne jedoch abermals schafft, völlig gegensätzliche Genres wie den Gangsterfilm und den Musikfilm in ein Familiendrama zu integrieren, ist sehenswert. Das Schöne an Anders Thomas Jensens Filmen ist ja, dass man sich am Ende mit diesen verschrobenen Charakteren diebisch freut, egal wie viel Absurdes bis Abstruses Jensen zuvor aufgetischt hat. Dank eines eingespielten und prächtig aufgelegten Ensembles, zu dem neben Mads Mikkelsen und Nikolaj Lie Kaas viele aus Jensens Filmen bekannte Gesichter wie Nicolas Bro, Lars Brygmann, Søren Malling und Bodil Jørgensen zählen, glückt das auch dieses Mal.
Fazit: Wo "Anders Thomas Jensen" draufsteht, ist Anders Thomas Jensen drin. Auch die sechste abendfüllende Regiearbeit des Dänen ist ein absurder bis abstruser Genremix, der abrupt die emotionalen Register wechselt. Die grob gezeichneten Charaktere bewegen sich durch eine Welt, in der sich makaberer Humor und groteske Gewalt mit liebevollen Momenten, leisen Zwischentönen und der Musik von ABBA und den Beatles abwechseln. "Therapie für Wikinger" ist eine toll besetzte und umgesetzte Tragikomödie über eine Familie voller (positiv) Verrückter, über Ängste, Äxte, Wikinger und im Wald vergrabene Traumata. Garantiert kultverdächtig!
Falk Straub
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Besetzung & Crew von "Therapie für Wikinger"
Land: Dänemark, SchwedenWeitere Titel: The Last Viking
Jahr: 2025
Genre: Drama, Komödie, Krimi
Originaltitel: Den sidste viking
Länge: 116 Minuten
Kinostart: 25.12.2025
Regie: Anders Thomas Jensen
Darsteller: Mads Mikkelsen als Manfred, Nikolaj Lie Kaas als Anker, Nicolas Bro als Flemming, Sofie Gråbøl als Margrethe, Lars Ranthe als Father
Kamera: Sebastian Blenkov
Verleih: Neue Visionen, Splendid Film






