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Die progressiven Nostalgiker (2025)

C'était mieux demain

Französische Zeitreise-Komödie, in der ein Ehepaar die Rollen tauscht.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 3.0 / 5

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Michel (Didier Bourdon) und Hélène Dupuis (Elsa Zylberstein) leben ein beschauliches Vorstadtleben im Frankreich der 1950er-Jahre. Während er in der nahegelegenen Stadt in einer Bank arbeitet, kümmert sie sich um den Haushalt und die Kinder Jeanne (Mathilde Le Borgne) und Lucien (Maxim Foster). Als Jeanne ungewollt vom Nachbarjungen schwanger wird, hängt der Haussegen schief. Zeit, sich lange darüber aufzuregen, bleibt dem Ehepaar jedoch nicht. Denn ein Kurzschluss an der neu installierten Waschmaschine katapultiert sie ins Jahr 2025. Und hier ist alles anders.

Michel ist auf die Rolle des Hausmanns beschränkt, während Hélène nicht nur in Michels Bank arbeitet, sondern diese auch gleich leitet. Lucien hat lange Haare und Jeanne studiert Medizin. Schlimmer noch: Die Hochzeit mit ihrer Lebensgefährtin Safia (Barbara Chanut) steht bevor. Nachdem Hélène mit ihrer neuen Rolle anfangs fremdelt, freundet sie sich mit der hinzugewonnenen Autorität immer mehr an. Michel stürzt indessen in eine Sinnkrise.

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"Die progressiven Nostalgiker": Willkommen in der Gegenwart!?

Über die Absurdität deutscher Verleihtitel französischer Filme ließen sich gleich mehrere Bücher schreiben. Auch der deutsche Titel des Debütfilms von Vinciane Millereau ergibt wenig Sinn und hat mit dem französischen Originaltitel einmal mehr nichts zu tun. Er klingt zwar eingängig, aber was sollen "progressive Nostalgiker" überhaupt sein, Menschen, die in der Vergangenheit schwelgen, gleichzeitig aber fortschrittlich denken? Im Original heißt der Film "C'était mieux demain", also "Morgen war alles besser", was dessen Inhalt schon besser beschreibt. Denn die Kombination der bekannten Phrasen "Früher war alles besser" und "Morgen wird alles besser" trifft die Situation der zwei Hauptfiguren mit Wortwitz auf den Kopf.

Vertauschte Rollen

Die 1972 geborene Vinciane Millereau ist schon seit mehr als 30 Jahren im Filmgeschäft tätig, trat dort bislang aber lediglich als Schauspielerin in Nebenrollen und als Synchronsprecherin in Erscheinung. Mit dem Kurzfilm "Barbie Girls" gab sie 2009 ihr Regiedebüt. Jetzt folgt ihr erster abendfüllender Spielfilm als Regisseurin. Darin schickt Millereau ihre zwei Protagonisten auf Zeitreise. Das von Elsa Zylberstein und Didier Bourdon mit Mut zur Übertreibung gespielte Ehepaar Dupuis wird aus den 1950er-Jahren in unsere Gegenwart katapultiert. Was die Komödie nicht nur für genretypische Situationen, in denen sich die Hauptfiguren wie ein Fisch auf dem Trockenen fühlen, sondern auch für einen Tausch der tradierten Geschlechterrollen nutzt. Denn im Frankreich des Jahres 2025 hat die Frau im Hause Dupuis die Hosen an, während der Mann den Haushalt schmeißt.

All das ist freilich nicht neu. Das Theater als Inspirationsquelle einmal völlig außer Acht gelassen, hat der Rollentausch auch im Kino und dort vor allem in Hollywood eine lange Tradition. Eines der frühesten Beispiele, das Drama "The Home Maker" (1925), in dem ein Mann gezwungenermaßen Gefallen an der Hausarbeit findet, während seine Frau an seiner Stelle Karriere macht, hat bereits 100 Jahre auf dem Buckel. Anfang der 1960er-Jahre sah sich der von James Garner gespielte Ehemann in "Was diese Frau so alles treibt" ins zweite Glied gedrängt, als seine von Doris Day verkörperte Gattin schlagartig mehr Geld als er verdiente. Und in den 1980ern legte Michael Keaton in "Mr. Mom" die Schürze an. Im französischen Kino erfreut sich das Thema in jüngster Zeit ebenfalls zunehmender Beliebtheit. Komödien wie "Auf der anderen Seite des Bettes" (2008), "Kein Mann für leichte Stunden" (2018) oder "Zehn Tage ohne Mama" (2020; das Remake eines argentinischen Films) kommen einem in den Sinn. Was "Die progressiven Nostalgiker" anders macht, ist, den Rollentausch mit einer Zeitreise zu verknüpfen.

Boulevardeske Gesellschaftskritik

Vinciane Millereau hat das Drehbuch gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Julien Lambroschini verfasst. Das anspielungsreiche Skript steckt voller Verweise auf bekannte Zeitreise-Filme, von "Zurück in die Zukunft" (1985) bis "Die Besucher" (1993). Der Zeitsprung selbst bot dem Duo zudem eine vielversprechende Gelegenheit. "Die Beziehung zwischen Männern und Frauen über zwei unterschiedliche Epochen hinweg zu beobachten, ermöglichte uns auch, sehr zeitgemäße Themen auf komödiantische Weise anzusprechen", sagt Millereau. Neben der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau werfen Millereau und Lambroschini auch einen amüsierten bis kritischen Blick auf Themen wie die gleichgeschlechtliche Ehe, Scheidung und Patchwork-Familien, Migration und Integration, Gesundheit und Jugendwahn sowie Modernisierung und Digitalisierung.

Unter Millereaus Regie wird all das zwar nicht sonderlich subtil dargeboten, steht aber in schönster Humortradition. Die Mischung aus Boulevardstück und Screwball-Komödie macht zudem auf amüsante Weise auf die Defizite unserer Gegenwart aufmerksam. Denn zum einen ist in der Handlung selbstredend auch 2025 nicht alles Gold, was glänzt, und zum anderen ist die im Film vorgeführte Gleichberechtigung der Geschlechter weiterhin ein gutes Stück von der Realität entfernt. (Dafür bedarf es lediglich eines Blicks in die Beziehungen befreundeter Paare und der Frage, wer darin die Brötchen verdient und wer sich um Haushalt und Kinder kümmert.) Dass "Die progressiven Nostalgiker" so prächtig unterhält, liegt in erster Linie an den zwei Hauptdarstellern, die sichtlich Freude daran haben, ein altes Ehepaar zu spielen, "das sich gerade kennenlernt", wie es Vinciane Millereau treffend formuliert.

Fazit: Angesichts konservativer Kräfte, die am liebsten zu einem Leben wie in den 1950er-Jahren zurückkehren möchten, kommt dieser Film gerade richtig. Die französische Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Vinciane Millereau liefert mit ihrem Langfilmdebüt "Die progressiven Nostalgiker" eine boulevardeske Gesellschaftskomödie ab, die vermittels einer Zeitreise die Rollen der Geschlechter hinterfragt, ohne dabei zu ernst und schwerfällig zu geraten. Auch wenn der Film nur an der Oberfläche kratzt, ist er vor allem dank der blendend aufgelegten Hauptdarstellern unterhaltsam.




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Besetzung & Crew von "Die progressiven Nostalgiker"

Land: Frankreich
Jahr: 2025
Genre: Komödie
Originaltitel: C'était mieux demain
Länge: 103 Minuten
Kinostart: 22.01.2026
Regie: Vinciane Millereau
Darsteller: Elsa Zylberstein, Didier Bourdon, Mathilde Le Borgne, Maxim Foster, Romain Cottard
Kamera: Philippe Guilbert
Verleih: Neue Visionen

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