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Ungeduld des Herzens (2025)
Ein Soldat gaukelt einer jungen Frau im Rollstuhl falsche Gefühle vor. Das ist die Geschichte des Romanklassikers "Ungeduld des Herzens“ von Stefan Zweig aus den 30ern. Und es ist, leicht abgewandelt, die Story der aktuellen filmischen Neuinterpretation.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
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Zufällig lernt der junge Bundeswehrsoldat Isaac (Giulio Brizzi) beim Bowling die gelähmte Edith Kekesfalva (Ladina von Frisching) kennen. Aus Höflichkeit und Mitleid sucht er weiter ihre Nähe, ohne sich seiner eigenen Gefühle sicher zu sein. Edith glaubt allmählich, Isaac hege echte Gefühle für sie und schöpft neuen Lebensmut. Isaac jedoch gerät zunehmend in einen inneren Konflikt. Sein Unvermögen, ehrlich mit sich (und vor allem mit Edith) zu sein, führt in der Folge zu etlichen Missverständnissen und emotionalem Chaos. Doch je mehr Zweifel in Edith ob Isaacs wahrer Gefühle aufkeimen, desto stärker steigert dieser sich in den Wunsch hinein, sie von ihrer Krankheit zu "heilen“.
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Filmkritik
Widersprüchlicher Charakter
Nach einigen Kurzfilmen feiert der Münchner Lauro Cress mit "Ungeduld des Herzens“, bei dem er auch am Drehbuch mitschrieb, sein Langfilm-Debüt. Der Film ist eine in die Jetzt-Zeit verlagerte Neuinterpretation von Stefan Zweigs aus den 30er-Jahren stammendem Roman. Das Buch spielt zur Zeit der Donaumonarchie in Ungarn, die Hauptfigur ist ein junger Leutnant, der kurz vor seinem Dienstantritt im Ersten Weltkrieg steht. Cress macht aus diesem Leutnant einen mit sich und der Welt hadernden Soldaten des Bundeswehr-Wachbataillons.
Es gehört zu den großen Stärken des Films, das er nicht über eine simpel gestrickte, allzu sympathische Hauptfigur ohne Ecken und Kanten verfügt, die womöglich gar noch zum Helden stilisiert wird. Im Gegenteil: Isaac ist ein ambivalenter Charakter, der mit sich und seinen Gefühlen ringt und versucht, einen adäquaten Umgang mit Edith (toll: Ladina von Frisching) zu finden. Giulio Brizzi spielt diesen durch die Abwesenheit des Vaters früh traumatisierten Isaac mit großer Intensität und einer beachtlichen Furchtlosigkeit. An vielen Stellen kehrt er die Schwächen und inneren Widerstreitigkeiten seines Charakters rückhaltlos nach außen.
Toxisches Umfeld
Und so manövriert sich Isaac durch ein fragiles Leben, das sich im Graubereich zwischen übertriebener Fürsorge (Edith gegenüber), vorgetäuschten Emotionen und einer auf die Spitze getriebenen Selbstinszenierung abspielt. Zu letztgenanntem Punkt: Für Isaac ist es das Wichtigste, vor seinen Freunden und Bundeswehrkollegen das Gesicht zu wahren. Und dies scheint nicht möglich, wenn man Gefühle für schwächere, bedürftige oder auf Hilfe angewiesene Menschen zeigt. Im toxischen Umfeld von Isaac und seinen (oberflächlichen) Freunden geht es um Standing, Image, Stärke, eiserne Disziplin, Karrierechancen und temporären Spaß, der vor allem durch Saufen und das abendliche Abhängen im Bowlingcenter generiert wird.
Gut ist, dass sich Cress Zeit für die Entfaltung seiner Story nimmt – so kommt es erst weit nach der Hälfte der Laufzeit zur ersten körperlichen Annäherung zwischen den Hauptfiguren. Und: Er verweigert einfache Lösungen sowie klare Antworten. Ihnen gehen Fragen zur Komplexität zwischenmenschlicher Beziehungen und zum schwierigen Weg zu uns selbst voraus. Das Ende bleibt offen, auch hier verweigert "Ungeduld des Herzens“ ein einfaches Statement und überlässt den Fortgang der Geschichte lieber der Phantasie des Zuschauers.
Fazit: Klug erzähltes, emotional mitreißendes Drama, das mit sensibler Inszenierung und starken Darstellern überzeugt. "Ungeduld des Herzens“ führt glaubhaft vor Augen, wie gut gemeintes Mitgefühl zu Missverständnissen führt und was die Folgen fehlender (Selbst-)Verantwortung sind.
Nach einigen Kurzfilmen feiert der Münchner Lauro Cress mit "Ungeduld des Herzens“, bei dem er auch am Drehbuch mitschrieb, sein Langfilm-Debüt. Der Film ist eine in die Jetzt-Zeit verlagerte Neuinterpretation von Stefan Zweigs aus den 30er-Jahren stammendem Roman. Das Buch spielt zur Zeit der Donaumonarchie in Ungarn, die Hauptfigur ist ein junger Leutnant, der kurz vor seinem Dienstantritt im Ersten Weltkrieg steht. Cress macht aus diesem Leutnant einen mit sich und der Welt hadernden Soldaten des Bundeswehr-Wachbataillons.
Es gehört zu den großen Stärken des Films, das er nicht über eine simpel gestrickte, allzu sympathische Hauptfigur ohne Ecken und Kanten verfügt, die womöglich gar noch zum Helden stilisiert wird. Im Gegenteil: Isaac ist ein ambivalenter Charakter, der mit sich und seinen Gefühlen ringt und versucht, einen adäquaten Umgang mit Edith (toll: Ladina von Frisching) zu finden. Giulio Brizzi spielt diesen durch die Abwesenheit des Vaters früh traumatisierten Isaac mit großer Intensität und einer beachtlichen Furchtlosigkeit. An vielen Stellen kehrt er die Schwächen und inneren Widerstreitigkeiten seines Charakters rückhaltlos nach außen.
Toxisches Umfeld
Und so manövriert sich Isaac durch ein fragiles Leben, das sich im Graubereich zwischen übertriebener Fürsorge (Edith gegenüber), vorgetäuschten Emotionen und einer auf die Spitze getriebenen Selbstinszenierung abspielt. Zu letztgenanntem Punkt: Für Isaac ist es das Wichtigste, vor seinen Freunden und Bundeswehrkollegen das Gesicht zu wahren. Und dies scheint nicht möglich, wenn man Gefühle für schwächere, bedürftige oder auf Hilfe angewiesene Menschen zeigt. Im toxischen Umfeld von Isaac und seinen (oberflächlichen) Freunden geht es um Standing, Image, Stärke, eiserne Disziplin, Karrierechancen und temporären Spaß, der vor allem durch Saufen und das abendliche Abhängen im Bowlingcenter generiert wird.
Gut ist, dass sich Cress Zeit für die Entfaltung seiner Story nimmt – so kommt es erst weit nach der Hälfte der Laufzeit zur ersten körperlichen Annäherung zwischen den Hauptfiguren. Und: Er verweigert einfache Lösungen sowie klare Antworten. Ihnen gehen Fragen zur Komplexität zwischenmenschlicher Beziehungen und zum schwierigen Weg zu uns selbst voraus. Das Ende bleibt offen, auch hier verweigert "Ungeduld des Herzens“ ein einfaches Statement und überlässt den Fortgang der Geschichte lieber der Phantasie des Zuschauers.
Fazit: Klug erzähltes, emotional mitreißendes Drama, das mit sensibler Inszenierung und starken Darstellern überzeugt. "Ungeduld des Herzens“ führt glaubhaft vor Augen, wie gut gemeintes Mitgefühl zu Missverständnissen führt und was die Folgen fehlender (Selbst-)Verantwortung sind.
Björn Schneider
TrailerAlle "Ungeduld des Herzens"-Trailer anzeigen

Besetzung & Crew von "Ungeduld des Herzens"
Land: DeutschlandJahr: 2025
Genre: Drama
Länge: 104 Minuten
Kinostart: 05.02.2026
Regie: Lauro Cress
Darsteller: Livia Matthes als Ilona, Veronika de Vries als Schulfreundin Charly, Wesley Dean Adler als Tommy Holzer, Giamo Alfredi als Grinsi, Ludwig Blochberger als Feldwebel
Kamera: Jan David Günther
Verleih: W-Film






