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A Poet (2025)
Un Poeta
Tragikomödie aus Kolumbien über einen gescheiterten Dichter, die 2025 in Cannes den Jurypreis in der Sektion “Un certain regard” gewann.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 2 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Dichter Óscar (Ubeimar Ríos) galt einst als vielversprechendes literarisches Talent galt. In jungen Jahren veröffentlichte er zwei Gedichtbände und gewann sogar einen Preis. Jahrzehnte später ist von diesem Ruhm wenig übrig. Óscar ist über fünfzig, lebt wieder bei seiner Mutter in Medellín und hält sich mit gelegentlichen Lesungen inm hiesigen Kulturverein über Wasser. Tatsächlich ist er arbeitslos, kämpft mit Alkoholproblemen und hat den Kontakt zu seiner Tochter Daniela (Alisson Correa) nahezu verloren, die sich für ihn schämt und möglichst wenig mit ihm zu tun haben möchte.
Als seine Schwester Yolanda ihm eine Stelle als Lehrer vermittelt, empfindet Óscar das zunächst als Demütigung. Dennoch nimmt er die Arbeit an. Im Unterricht begegnet er der Schülerin Yurlady (Rebeca Andrade), deren literarisches Talent ihn überrascht und an seine eigene Vergangenheit erinnert. In dem Versuch, das Mädchen aus einfachen Verhältnissen zu fördern, glaubt Óscar plötzlich wieder eine Aufgabe gefunden zu haben. Die Förderung Yurladys wird für ihn zu einer Möglichkeit, seinem eigenen Leben erneut Sinn zu verleihen. Doch was als Hoffnung auf eine späte Rechtfertigung seines dichterischen Egos beginnt, führt Óscar schließlich an einen Punkt, an dem Selbsttäuschung und Wirklichkeit unweigerlich kollidieren.
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Filmkritik
"A Poet": Die Poesie des Scheitern oder Scheitern in der Poesie
"A Poet" ist in erster Linie ein Film über das Scheitern. Óscar ist eine zutiefst bemitleidenswerte Figur – und derjenige, der ihn am meisten bemitleidet, ist er selbst. Niemand außer ihm erkennt seine vermeintliche Größe als Dichter. Selbst die Literaturszene Medellíns reagiert zunehmend genervt auf seine Selbstinszenierung. Der Versuch, an einer "Schule der Poesie“ zu unterrichten, scheitert bereits im Ansatz, weil der dortige lyrische Platzhirsch Efraín (Guillermo Cardona) ihn allenfalls für mittelmäßig hält. Doch nicht nur die Kollegen aus dem Kulturbetrieb wenden sich von ihm ab: Seine Geschwister drohen ihm mit dem Rauswurf aus der Wohnung der Mutter, und seine Tochter möchte in der Öffentlichkeit nicht mit ihm gesehen werden. Kurz gesagt: Óscar ist ein Versager – sowohl in seinen eigenen Augen als auch in denen der anderen.
Alternative Biographie
Überraschend daher, dass Regisseur Simón Mesa Soto selbst erklärt hat, dass viel von ihm in dieser Figur steckt. Trotz internationaler Festivalerfolge mit seinen Kurzfilmen und noch bevor er mit seinem Spielfilmdebüt Amparo in Cannes ausgezeichnet wurde, beschäftigte ihn die Frage: Was passiert, wenn ich scheitere? Was wird aus mir, wenn ich doch nicht der talentierte Filmemacher bin, für den ich mich halte? Aus dieser Selbstbefragung entstand die Idee, einen Film über ein mögliches zukünftiges Ich zu drehen – über einen Künstler, der auf dem Weg zum Erfolg gescheitert ist. Statt der Filmszene wählte Soto dafür die Literaturszene seiner Heimatstadt Medellín, die ihm zugleich eine dankbare Bühne für satirische Seitenhiebe auf den Kulturbetrieb bietet.
Dieser Kulturbetrieb erscheint im Film vor allem als opportunistisches System. Die Leiter eines Literaturhauses reden zwar gern vom "wahren Leben“, doch sobald mit Yurlady eine junge Autorin aus prekären Verhältnissen auftaucht, wird sie sofort als potenzielle Quelle für staatliche oder internationale Fördergelder entdeckt. Scheitert das Vorhaben, bemüht sich jeder Beteiligte vor allem darum, selbst keinen Schaden zu nehmen. Diese Kritik ist zwar pointiert, wirkt aber gelegentlich etwas zu deutlich ausgespielt; hier hätte der Film durchaus subtiler vorgehen können, wie auch bei der Darstellung eines Schwanzvergleichs zweier Dichter.
Länge ist nicht immer ausschlaggebend
Ein weiteres Problem ist die Laufzeit. Mit rund zwei Stunden erscheint "A Poet” deutlich zu lang geraten. Die zentrale Erkenntnis – dass Óscar ein zutiefst unsympathischer Charakter ist – stellt sich bereits früh ein. Zusätzliche Episoden, etwa ein betrunkener Monolog über die Dichtkunst vor einer Schulklasse, wirken dann eher redundant und dienen hauptsächlich dazu, einzelne komische Szenen zu erzeugen. Die Aufmerksamkeit des Publikums aufrechtzuerhalten wird zudem dadurch erschwert, dass fast alle Figuren wenig Sympathie wecken.
Ausnahmen bilden die beiden wichtigen jungen Frauenfiguren: Tochter Daniela und Schülerin Yurlady. Sie sind die einzigen Figuren, die klar positiv gezeichnet werden. Allerdings bleiben sie auch etwas eindimensional. Der Film konzentriert sich stark auf den gescheiterten Künstler, obwohl es durchaus interessant gewesen wäre, mehr über die Perspektiven und Motive dieser beiden Figuren zu erfahren.
Glaubwürdige Darsteller
Trotz dieser Schwächen macht der Film vieles richtig. Besonders überzeugend sind die Darsteller. Allen voran Ubeimar Ríos als Óscar, der hier erstmals vor der Kamera steht. Der eigentlich als Lehrer in einer Kleinstadt nahe Medellín arbeitende Laien-Darsteller – und zugleich der Onkel eines Freundes des Regisseurs – verkörpert die Figur mit erstaunlicher Authentizität. Seine Darstellung wirkt so glaubwürdig, als stünde er seinem tragikomischen Alter Ego persönlich sehr nahe. Gerade diese Nähe verleiht dem Film jene bittersüße Glaubwürdigkeit, die seine besten Momente trägt.
Fazit: “A Poet” ist eine tragikomische Studie über Selbsttäuschung und gekränkten Künstlerstolz. Trotz erzählerischer Längen und etwas grober Satire überzeugt der Film durch seine schonungslose Hauptfigur und einen erstaunlich authentischen Hauptdarsteller
"A Poet" ist in erster Linie ein Film über das Scheitern. Óscar ist eine zutiefst bemitleidenswerte Figur – und derjenige, der ihn am meisten bemitleidet, ist er selbst. Niemand außer ihm erkennt seine vermeintliche Größe als Dichter. Selbst die Literaturszene Medellíns reagiert zunehmend genervt auf seine Selbstinszenierung. Der Versuch, an einer "Schule der Poesie“ zu unterrichten, scheitert bereits im Ansatz, weil der dortige lyrische Platzhirsch Efraín (Guillermo Cardona) ihn allenfalls für mittelmäßig hält. Doch nicht nur die Kollegen aus dem Kulturbetrieb wenden sich von ihm ab: Seine Geschwister drohen ihm mit dem Rauswurf aus der Wohnung der Mutter, und seine Tochter möchte in der Öffentlichkeit nicht mit ihm gesehen werden. Kurz gesagt: Óscar ist ein Versager – sowohl in seinen eigenen Augen als auch in denen der anderen.
Alternative Biographie
Überraschend daher, dass Regisseur Simón Mesa Soto selbst erklärt hat, dass viel von ihm in dieser Figur steckt. Trotz internationaler Festivalerfolge mit seinen Kurzfilmen und noch bevor er mit seinem Spielfilmdebüt Amparo in Cannes ausgezeichnet wurde, beschäftigte ihn die Frage: Was passiert, wenn ich scheitere? Was wird aus mir, wenn ich doch nicht der talentierte Filmemacher bin, für den ich mich halte? Aus dieser Selbstbefragung entstand die Idee, einen Film über ein mögliches zukünftiges Ich zu drehen – über einen Künstler, der auf dem Weg zum Erfolg gescheitert ist. Statt der Filmszene wählte Soto dafür die Literaturszene seiner Heimatstadt Medellín, die ihm zugleich eine dankbare Bühne für satirische Seitenhiebe auf den Kulturbetrieb bietet.
Dieser Kulturbetrieb erscheint im Film vor allem als opportunistisches System. Die Leiter eines Literaturhauses reden zwar gern vom "wahren Leben“, doch sobald mit Yurlady eine junge Autorin aus prekären Verhältnissen auftaucht, wird sie sofort als potenzielle Quelle für staatliche oder internationale Fördergelder entdeckt. Scheitert das Vorhaben, bemüht sich jeder Beteiligte vor allem darum, selbst keinen Schaden zu nehmen. Diese Kritik ist zwar pointiert, wirkt aber gelegentlich etwas zu deutlich ausgespielt; hier hätte der Film durchaus subtiler vorgehen können, wie auch bei der Darstellung eines Schwanzvergleichs zweier Dichter.
Länge ist nicht immer ausschlaggebend
Ein weiteres Problem ist die Laufzeit. Mit rund zwei Stunden erscheint "A Poet” deutlich zu lang geraten. Die zentrale Erkenntnis – dass Óscar ein zutiefst unsympathischer Charakter ist – stellt sich bereits früh ein. Zusätzliche Episoden, etwa ein betrunkener Monolog über die Dichtkunst vor einer Schulklasse, wirken dann eher redundant und dienen hauptsächlich dazu, einzelne komische Szenen zu erzeugen. Die Aufmerksamkeit des Publikums aufrechtzuerhalten wird zudem dadurch erschwert, dass fast alle Figuren wenig Sympathie wecken.
Ausnahmen bilden die beiden wichtigen jungen Frauenfiguren: Tochter Daniela und Schülerin Yurlady. Sie sind die einzigen Figuren, die klar positiv gezeichnet werden. Allerdings bleiben sie auch etwas eindimensional. Der Film konzentriert sich stark auf den gescheiterten Künstler, obwohl es durchaus interessant gewesen wäre, mehr über die Perspektiven und Motive dieser beiden Figuren zu erfahren.
Glaubwürdige Darsteller
Trotz dieser Schwächen macht der Film vieles richtig. Besonders überzeugend sind die Darsteller. Allen voran Ubeimar Ríos als Óscar, der hier erstmals vor der Kamera steht. Der eigentlich als Lehrer in einer Kleinstadt nahe Medellín arbeitende Laien-Darsteller – und zugleich der Onkel eines Freundes des Regisseurs – verkörpert die Figur mit erstaunlicher Authentizität. Seine Darstellung wirkt so glaubwürdig, als stünde er seinem tragikomischen Alter Ego persönlich sehr nahe. Gerade diese Nähe verleiht dem Film jene bittersüße Glaubwürdigkeit, die seine besten Momente trägt.
Fazit: “A Poet” ist eine tragikomische Studie über Selbsttäuschung und gekränkten Künstlerstolz. Trotz erzählerischer Längen und etwas grober Satire überzeugt der Film durch seine schonungslose Hauptfigur und einen erstaunlich authentischen Hauptdarsteller
Markus Solty
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Besetzung & Crew von "A Poet"
Land: Kolumbien, Deutschland, SchwedenJahr: 2025
Genre: Drama, Komödie
Originaltitel: Un Poeta
Länge: 123 Minuten
Kinostart: 12.03.2026
Regie: Simón Mesa Soto
Darsteller: Rebeca Andrade als Yurlady, Guillermo Cardona als Efrain, Alisson Correa als Daniela, Humberto Restrepo als Alonso, Ubeimar Rios als Oscar Restrepo
Kamera: Juan Sarmiento G.
Verleih: JIP Film und Verleih
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