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Die Stimme von Hind Rajab (2025)
The Voice of Hind Rajab
Tauziehen um ein LebenKritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
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Am 29. Januar 2024 erhielt das Team des Palästinensischen Roten Halbmonds einen Notruf aus Gaza. Ein Auto geriet unter Beschuss mit der sechsjährigen Hind Rajab gefangen in Inneren, die als einzige Überlebende um Hilfe rief. Die Mitarbeiter taten alles, um Hind mit beruhigenden Worten in der Leitung zu halten, während sie fieberhaft an ihrer Rettung arbeiteten. Erst nach langem bürokratischem Tauziehen machten sich zwei Sanitäter auf den Weg, um Rajab zu retten. Doch sie errichten ihr Ziel nicht.
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Filmkritik
"Allah, steh uns bei!“, stöhnte eine Zuschauerin nach einer Vorstellung in Frankfurt, und aus einer anderen Ecke war ein Schluchzen zu hören. Neben einem jungen Publikum ziehen die stets ausverkauften oder zumindest gut besuchten Vorstellungen von "Die Stimme von Hind Rajab“ viele arabischstämmige Zuschauer an. Kaouther Ben Hanias neuestes Werk verlangt dem Publikum einiges an (Mit-)Leidensfähigkeit ab.
Staunen darf man über die Geschwindigkeit, mit der die auf wahre Ereignisse spezialisierte tunesische Regisseurin ihren siebten Langfilm produzierte. Der mit dem Tod der fünfjährigen Palästinenserin Hind Rajab endende Vorfall ereignete sich am 29. Januar 2024 in Gaza-Stadt. Im folgenden September konnte der Spielfilm als Reenactment seine Premiere auf den Filmfestspielen in Venedig feiern, wo er mit neun Preisen, darunter dem Silbernen Löwen, ausgezeichnet wurde. Mit Produzenten wie Brad Pitt, Joaquin Phoenix, Alfonso Cuarón, Rooney Mara und Jonathan Glazer verwundert es nicht, dass das Werk auch in Amerika für Aufsehen sorgte und als tunesischer Beitrag für den Auslands-Oscar angenommen wurde. "Hind Rajab“ spricht Emotionen stärker an als etwa der akademischer angelegte "In die Sonne schauen“ als deutsche Einreichung – dies erscheint als Vor- und Nachteil zugleich.
Schon zuvor konzentrierte sich Kaouther Ben Hania in ihrer Themenauswahl auf brisante reale Themen. Der hierzulande nur auf Festivals gezeigte Spielfilm "Beauty and the Dogs“ dreht sich als Anklage des patriarchalen Systems um den realen Fall einer Studentin, die nach der Vergewaltigung durch Polizisten vergeblich versucht, dieses Verbrechen zur Anzeige zu bringen. In "Olfas Töchter“ über die Radikalisierung zweier tunesischer Schwestern vermischte sie Dokumentation und Fiktion wie schon in ihrem Debüt "Das Phantom von Tunis“ über Sexismus in der tunesischen Gesellschaft. "Der Mann, der seine Haut verkaufte“ als provokante Satire auf die Wohlstandsgesellschaft kam allerdings nicht ohne Stereotypen aus.
Als intensives Kammerspiel führt "Die Stimme von Hind Rajab“ nun knapp 90 Minuten in die Zentrale der Hilfsorganisation Roter Halbmond. Rund um die Rettungsaktion des Kindes kommt es zu Kompetenzgerangel und Meinungsverschiedenheiten. Während Telefonist Omar (Motaz Malhees) das Mädchen Hind am Telefon aufzurichten versucht und zur schnellen Rettungsaktion drängt, verweist sein Vorgesetzter Mahdi (Amer Hlehel) auf die Erinnerungsfotos der bei diesen Versuchen getöteten Sanitäter. Für den achtminütigen Weg des in der Nähe stationierten Krankenwagens muss über mehrere Stunden mit den zuständigen Stellen verhandelt werden. Angesichts der Attacke auf die rettenden Hände hatte das Sicherheitsdenken letztlich kein Erfolg.
Kaouther Ben Hania wurde eine einseitige Sichtweise vorgeworfen. Angesichts von 335 Kugeln, mit denen das mit Zivilisten besetzte Auto getroffen wurde, lässt sich ihre Wut und Betroffenheit nachvollziehen. Dies ist nicht das Problem des Films. Vielmehr wirkt der Einsatz des echten Mitschnitts um die Todesstunden eines Kindes voyeuristisch und reißerisch. Befremdlich wirkt es, wenn sich echte und nachinszenierte Stimmen innerhalb einer Szene vermischen - ebenso wie im Finale eine echte Handyaufnahme der Telefonzentrale-Mitarbeiter mit den Schauspielern kombiniert wird. Dokumentarbilder im Prolog sollen zudem schockieren. Dennoch: "Die Stimme von Hind Rajab“ sollte im Kino gehört werden und für Diskussionsstoff sorgen.
Fazit: Reenactment des Todes der fünfjährigen Palästinenserin Hind Rajab im Gazastreifen aus Sicht der beteiligten Telefonzentrale einer Hilfsorganisation. Fesselnd durch das zuspitzende Tauziehen um ihr Leben, hinterlässt der Einsatz der Originalaufnahmen einen zwiespältigen Eindruck.
Staunen darf man über die Geschwindigkeit, mit der die auf wahre Ereignisse spezialisierte tunesische Regisseurin ihren siebten Langfilm produzierte. Der mit dem Tod der fünfjährigen Palästinenserin Hind Rajab endende Vorfall ereignete sich am 29. Januar 2024 in Gaza-Stadt. Im folgenden September konnte der Spielfilm als Reenactment seine Premiere auf den Filmfestspielen in Venedig feiern, wo er mit neun Preisen, darunter dem Silbernen Löwen, ausgezeichnet wurde. Mit Produzenten wie Brad Pitt, Joaquin Phoenix, Alfonso Cuarón, Rooney Mara und Jonathan Glazer verwundert es nicht, dass das Werk auch in Amerika für Aufsehen sorgte und als tunesischer Beitrag für den Auslands-Oscar angenommen wurde. "Hind Rajab“ spricht Emotionen stärker an als etwa der akademischer angelegte "In die Sonne schauen“ als deutsche Einreichung – dies erscheint als Vor- und Nachteil zugleich.
Schon zuvor konzentrierte sich Kaouther Ben Hania in ihrer Themenauswahl auf brisante reale Themen. Der hierzulande nur auf Festivals gezeigte Spielfilm "Beauty and the Dogs“ dreht sich als Anklage des patriarchalen Systems um den realen Fall einer Studentin, die nach der Vergewaltigung durch Polizisten vergeblich versucht, dieses Verbrechen zur Anzeige zu bringen. In "Olfas Töchter“ über die Radikalisierung zweier tunesischer Schwestern vermischte sie Dokumentation und Fiktion wie schon in ihrem Debüt "Das Phantom von Tunis“ über Sexismus in der tunesischen Gesellschaft. "Der Mann, der seine Haut verkaufte“ als provokante Satire auf die Wohlstandsgesellschaft kam allerdings nicht ohne Stereotypen aus.
Als intensives Kammerspiel führt "Die Stimme von Hind Rajab“ nun knapp 90 Minuten in die Zentrale der Hilfsorganisation Roter Halbmond. Rund um die Rettungsaktion des Kindes kommt es zu Kompetenzgerangel und Meinungsverschiedenheiten. Während Telefonist Omar (Motaz Malhees) das Mädchen Hind am Telefon aufzurichten versucht und zur schnellen Rettungsaktion drängt, verweist sein Vorgesetzter Mahdi (Amer Hlehel) auf die Erinnerungsfotos der bei diesen Versuchen getöteten Sanitäter. Für den achtminütigen Weg des in der Nähe stationierten Krankenwagens muss über mehrere Stunden mit den zuständigen Stellen verhandelt werden. Angesichts der Attacke auf die rettenden Hände hatte das Sicherheitsdenken letztlich kein Erfolg.
Kaouther Ben Hania wurde eine einseitige Sichtweise vorgeworfen. Angesichts von 335 Kugeln, mit denen das mit Zivilisten besetzte Auto getroffen wurde, lässt sich ihre Wut und Betroffenheit nachvollziehen. Dies ist nicht das Problem des Films. Vielmehr wirkt der Einsatz des echten Mitschnitts um die Todesstunden eines Kindes voyeuristisch und reißerisch. Befremdlich wirkt es, wenn sich echte und nachinszenierte Stimmen innerhalb einer Szene vermischen - ebenso wie im Finale eine echte Handyaufnahme der Telefonzentrale-Mitarbeiter mit den Schauspielern kombiniert wird. Dokumentarbilder im Prolog sollen zudem schockieren. Dennoch: "Die Stimme von Hind Rajab“ sollte im Kino gehört werden und für Diskussionsstoff sorgen.
Fazit: Reenactment des Todes der fünfjährigen Palästinenserin Hind Rajab im Gazastreifen aus Sicht der beteiligten Telefonzentrale einer Hilfsorganisation. Fesselnd durch das zuspitzende Tauziehen um ihr Leben, hinterlässt der Einsatz der Originalaufnahmen einen zwiespältigen Eindruck.
Gregor Ries
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Besetzung & Crew von "Die Stimme von Hind Rajab"
Land: Tunesien, Frankreich, USA, England, Italien, Saudi-Arabien, ZypernJahr: 2025
Genre: Drama
Originaltitel: The Voice of Hind Rajab
Länge: 89 Minuten
Kinostart: 22.01.2026
Regie: Kaouther Ben Hania
Darsteller: Saja Kilani als Rana Hassan Faqih, Motaz Malhees als Omar A. Alqam, Clara Khoury als Nisreen Jeries Qawas, Amer Hlehel als Mahdi M. Aljamal
Kamera: Juan Sarmiento G.
Verleih: Studiocanal



