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Mother's Baby (2025)
"Mother’s Baby“ besticht durch die konsequent subjektive Erzählweise und eine herausragende Hauptdarstellerin, die das Innenleben einer verunsicherten Mutter mit großer Feinheit erfahrbar macht. In der unentschiedenen Balance zwischen psychologischem Drama und Mysterythriller jedoch verliert der Film an Schärfe und bleibt trotz starker Ansätze letztlich in der Schwebe.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
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Julia (Marie Leuenberger) und Georg Bode (Hans Löw) sind ein harmonisches Paar um die 40, erfolgreich, kultiviert, kinderlos. Nachdem sich ihr Wunsch nach einem Kind lange nicht erfüllt hat, unternehmen sie einen letzten Versuch bei dem renommierten Reproduktionsmediziner Dr. Vilfort (Claes Bang) in der Klinik Lumen Vitae. Tatsächlich wird Julia schwanger. Doch die Geburt verläuft dramatisch: Die Nabelschnur hat sich um den Hals des Neugeborenen gelegt, der daraufhin in die Neonatologie eines anderen Krankenhauses gebracht wird. Erst einen Tag später dürfen die Eltern ihren Sohn sehen – offiziell gesund und unversehrt.
Von Anfang an beschleicht Julia jedoch ein Unbehagen. Das Baby erscheint ihr auffallend still, fremd, nicht zugehörig. Bald steigert sich ihr Zweifel zur Überzeugung, dass das Kind im Krankenhaus vertauscht worden sein könnte. Während ihr Mann und Dr. Vilfort diese Gedanken als Symptome einer postpartalen Depression abtun, lässt Julia der Verdacht nicht los. Gegen alle Widerstände beginnt sie, den Vorgängen rund um die Geburt nachzugehen.
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Filmkritik
Mother's Baby: Zwischen Drama und Thriller
Regisseurin Johanna Moder widmet sich in ihrem dritten Spielfilm nach "High Performance – Mandarinen lügen nicht“ und "Waren einmal Revoluzzer“ dem Thema postpartaler beziehungsweise postnataler Depression, wählt dafür jedoch keinen rein realistischen Zugriff. Stattdessen durchzieht "Mother’s Baby“ eine subtile Genreunsicherheit: Elemente des Horror- und Mysterythrillers schleichen sich zunehmend in das zunächst nüchterne Drama ein und kulminieren zum Ende hin. Zentrale Frage bleibt, ob Julias Verdacht, dass ihr Kind im Krankenhaus vertauscht wurde, begründet ist - oder ob sich das Bedrohliche ausschließlich in ihrem Inneren formiert. Der Film zieht seine Spannung daraus, dass er konsequent an Julias Perspektive gebunden bleibt, denn so teilt das Publikum ihren Wissensstand ebenso wie ihre Verunsicherung und emotionale Fragilität.
Beeindruckende Hauptdarstellerin
Diese radikale Subjektivierung ist vor allem eine große Aufgabe für Hauptdarstellerin Marie Leuenberger, die sie mit beeindruckender Präzision meistert. Ähnlich nuanciert wie Jennifer Lawrence in dem thematisch verwandten "Die My Love“ vermeidet sie jedes demonstrative Spiel. Angst, Entfremdung und der verzweifelte Versuch, Normalität aufrechtzuerhalten, artikulieren sich vor allem in feinen mimischen Verschiebungen. Besonders stark ist dabei die Ambivalenz ihrer Figur: Julia empfindet Abwehr gegenüber ihrem Sohn, zugleich quälen sie Schuldgefühle und der ehrliche Wunsch nach Nähe.
Auch das übrige Ensemble überzeugt: Hans Löw zeichnet den Ehemann als Mann, dessen anfängliche Fürsorge allmählich einer hilflosen Distanz weicht, während der durch "The Square“ zu internationaler Berühmtheit gelangte dänische Schauspieler Claes Bang als charmanter, leicht dubioser Arzt eine latente Bedrohlichkeit entfaltet. Dennoch verbleiben diese Figuren im Schatten von Leuenbergers zentraler Leistung.
In der Schwebe
Jenseits der darstellerischen Qualität jedoch bleibt "Mother’s Baby“ ambivalent. Das sehr ruhige Erzähltempo verhindert eine nachhaltige Spannungsverdichtung, sodass der Film als Thriller nie ganz greift. Zugleich unterminiert das rätselhafte Finale die emotionale Wucht des realistischen Dramas. Möglicherweise hätte eine stärkere Festlegung auf eine der beiden Lesarten dem Film gutgetan. So bleibt "Mother’s Baby“ zwischen psychologischem Drama und Mysteryerzählung in der Schwebe – und verspielt damit die Chance, aus der konsequent weiblichen Perspektive heraus eines der beiden Genres neu zu denken.
Fazit: "Mother’s Baby“ besticht durch die konsequent subjektive Erzählweise und eine herausragende Hauptdarstellerin, die das Innenleben einer verunsicherten Mutter mit großer Feinheit erfahrbar macht. In der unentschiedenen Balance zwischen psychologischem Drama und Mysterythriller jedoch verliert der Film an Schärfe und bleibt trotz starker Ansätze letztlich in der Schwebe.
Regisseurin Johanna Moder widmet sich in ihrem dritten Spielfilm nach "High Performance – Mandarinen lügen nicht“ und "Waren einmal Revoluzzer“ dem Thema postpartaler beziehungsweise postnataler Depression, wählt dafür jedoch keinen rein realistischen Zugriff. Stattdessen durchzieht "Mother’s Baby“ eine subtile Genreunsicherheit: Elemente des Horror- und Mysterythrillers schleichen sich zunehmend in das zunächst nüchterne Drama ein und kulminieren zum Ende hin. Zentrale Frage bleibt, ob Julias Verdacht, dass ihr Kind im Krankenhaus vertauscht wurde, begründet ist - oder ob sich das Bedrohliche ausschließlich in ihrem Inneren formiert. Der Film zieht seine Spannung daraus, dass er konsequent an Julias Perspektive gebunden bleibt, denn so teilt das Publikum ihren Wissensstand ebenso wie ihre Verunsicherung und emotionale Fragilität.
Beeindruckende Hauptdarstellerin
Diese radikale Subjektivierung ist vor allem eine große Aufgabe für Hauptdarstellerin Marie Leuenberger, die sie mit beeindruckender Präzision meistert. Ähnlich nuanciert wie Jennifer Lawrence in dem thematisch verwandten "Die My Love“ vermeidet sie jedes demonstrative Spiel. Angst, Entfremdung und der verzweifelte Versuch, Normalität aufrechtzuerhalten, artikulieren sich vor allem in feinen mimischen Verschiebungen. Besonders stark ist dabei die Ambivalenz ihrer Figur: Julia empfindet Abwehr gegenüber ihrem Sohn, zugleich quälen sie Schuldgefühle und der ehrliche Wunsch nach Nähe.
Auch das übrige Ensemble überzeugt: Hans Löw zeichnet den Ehemann als Mann, dessen anfängliche Fürsorge allmählich einer hilflosen Distanz weicht, während der durch "The Square“ zu internationaler Berühmtheit gelangte dänische Schauspieler Claes Bang als charmanter, leicht dubioser Arzt eine latente Bedrohlichkeit entfaltet. Dennoch verbleiben diese Figuren im Schatten von Leuenbergers zentraler Leistung.
In der Schwebe
Jenseits der darstellerischen Qualität jedoch bleibt "Mother’s Baby“ ambivalent. Das sehr ruhige Erzähltempo verhindert eine nachhaltige Spannungsverdichtung, sodass der Film als Thriller nie ganz greift. Zugleich unterminiert das rätselhafte Finale die emotionale Wucht des realistischen Dramas. Möglicherweise hätte eine stärkere Festlegung auf eine der beiden Lesarten dem Film gutgetan. So bleibt "Mother’s Baby“ zwischen psychologischem Drama und Mysteryerzählung in der Schwebe – und verspielt damit die Chance, aus der konsequent weiblichen Perspektive heraus eines der beiden Genres neu zu denken.
Fazit: "Mother’s Baby“ besticht durch die konsequent subjektive Erzählweise und eine herausragende Hauptdarstellerin, die das Innenleben einer verunsicherten Mutter mit großer Feinheit erfahrbar macht. In der unentschiedenen Balance zwischen psychologischem Drama und Mysterythriller jedoch verliert der Film an Schärfe und bleibt trotz starker Ansätze letztlich in der Schwebe.
Markus Solty
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Besetzung & Crew von "Mother's Baby"
Land: SchweizJahr: 2025
Genre: Thriller, Mystery
Länge: 108 Minuten
Kinostart: 15.01.2026
Regie: Johanna Moder
Darsteller: Claes Bang als Dr. Vilfort, Nina Fog als Renata, Julia Franz Richter als Gerlinde, Marie Leuenberger als Julia, Hans Löw als Georg
Kamera: Robert Oberrainer
Verleih: JIP Film und Verleih
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