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Blue Moon (2026)

Richard Linklaters neunte Zusammenarbeit mit Ethan Hawke ist ein auf eine Nacht komprimiertes Biopic über den legendären Texter Lorenz Hart.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 1.1 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 38 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Am Premierenabend des Musicals "Oklahoma!“ hält sich der einst gefeierte Songtexter Lorenz Hart nicht im Theater auf, sondern in der New Yorker Broadway-Bar Sardi’s. Während sein früherer Partner Richard Rodgers nur wenige Straßen weiter einen triumphalen Erfolg feiert, verbringt Hart den Abend im Halbdunkel der Bar, umgeben von Alkohol, Erinnerungen und flüchtigen Begegnungen. Im Laufe der Nacht trifft er auf Freunde, Bekannte und Branchenkollegen, darunter Barkeeper Eddie, Rodgers selbst sowie die junge Elizabeth, die ihn gleichermaßen fasziniert wie verunsichert. In den Gesprächen mit ihnen treten nach und nach Harts innere Konflikte zutage: sein Gefühl, künstlerisch überholt zu sein, die schmerzhafte Distanz zu seinem einstigen Partner und ein tief verwurzelter Selbstzweifel.

Während die Stunden verstreichen, überlagern sich Vergangenheit und Gegenwart. Erinnerungen an große Erfolge – als Verfasser unvergesslicher Songtexte wie "Blue Moon“ – stehen im Kontrast zu seiner gegenwärtigen Krise. Alkohol, scharfzüngiger Witz und Momente schonungsloser Ehrlichkeit wechseln einander ab, während die Grenze zwischen Pose und Selbstentblößung zunehmend verschwimmt.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse4 / 5

"Blue Moon“: Der Mensch vergeht, die Texte bleiben

Elf Jahre lang blieb eine neue Zusammenarbeit von Regisseur Richard Linklater und Ethan Hawke aus – eine bemerkenswerte Pause für ein so eingespieltes Duo. Mit "Blue Moon“ setzen sie ihre gemeinsame Arbeit nun fort, und Hawke gelingt dabei etwas, das ihm bislang verwehrt geblieben war: eine Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller. Nach seinen früheren Nominierungen in der Kategorie Nebendarsteller für "Training Day“ und "Boyhood“ wirkt diese späte Anerkennung fast wie eine überfällige Würdigung seiner Laufbahn. Hawke trägt den Film nahezu im Alleingang.

Als Lorenz Hart ist er in fast jeder Einstellung präsent, oft ununterbrochen sprechend, und doch wirkt seine Darstellung nie monoton. Im Gegenteil: Er verkleinert sich körperlich, verändert Haltung und Rhythmus, scheint sich den historischen Hart regelrecht einverleibt zu haben. Es ist eine Darbietung von großer Intensität, die zwischen Brillanz und Zerfall hin und her changiert und wohl zu den eindrucksvollsten Leistungen seiner Karriere zählt.

Ist das noch Film, oder schon Theater?

Die kammerspielartige Anlage des Films kommt ihm dabei entgegen. Bis auf eine kurze Sequenz zu Beginn des Films bleibt die Handlung vollständig in der Broadway-Bar Sardi’s verortet – ein bewusst eng gefasster Raum, der die Figuren zwingt, sich in Sprache und Gestus zu entfalten. Diese theatrale Konzentration erinnert an frühere Arbeiten Linklaters wie "Tape“ (2001) und lässt den Film bisweilen selbst wie eine Bühneninszenierung erscheinen. Eine spätere Adaption für das Theater scheint beinahe naheliegend.

Das Drehbuch von Robert Kaplow greift auf historisch verbürgte Ereignisse zurück: Hart soll den Premierenabend von "Oklahoma!“ tatsächlich im Sardi’s verbracht haben, während Rodgers gemeinsam mit Oscar Hammerstein II. einen neuen Höhepunkt seiner Karriere erreichte. Ergänzt wird dieser biografische Kern durch dramaturgische Verdichtungen, etwa die Figur der Elizabeth Weiland, die als moralisches Gegenüber fungiert und Harts innere Zerrissenheit spiegelt. Acuh hier gibt es ein reales Fundament: Die Hauptinspiration für sein Buch schöpfte Kaplow aus einem Briefwechsel zwischen Hart und Weiland.

Bei Linklater wird immer viel geredet

Wie so oft bei Linklater ist Sprache das zentrale Ausdrucksmittel. Doch anders als in vielen seiner früheren Filme dominieren hier nicht Dialoge, sondern Monologe. Hart brilliert in geistreichen Bonmots, etwa im Schlagabtausch mit Barkeeper Eddie, und offenbart dabei zugleich seinen scharfen Intellekt und seine sprachliche Virtuosität. Hinter dieser Fassade wird jedoch rasch ein zutiefst gebrochener Mensch sichtbar: alkoholkrank, von Selbstzweifeln geplagt und unfähig, den eigenen Bedeutungsverlust zu akzeptieren. Besonders die Szenen mit Rodgers (Silberner Berlinale-Bär für Andrew Scott) legen diese Tragik schonungslos offen.

Wobei wir auch noch bei den Nebenrollen sind: Diese sind ebenfalls präzise besetzt und überzeugend gespielt. Letztlich ist es jedoch das Zusammenspiel aus Hawkes darstellerischer Wucht und Kaplows fein austariertem Text, das "Blue Moon“ trägt. Vielleicht gehört der Film nicht zu den ganz großen Werken Linklaters – doch selbst dann ist er immer noch ein eindringliches, klug gebautes und darstellerisch herausragendes Kammerspiel.

Fazit: Blue Moon ist ein konzentriertes Kammerspiel, das ganz auf die Kraft von Sprache und Schauspiel setzt. Richard Linklater inszeniert den inneren Zerfall eines einst gefeierten Künstlers mit ruhiger Präzision, während Ethan Hawke die Figur des Lorenz Hart mit großer Intensität und bemerkenswerter Wandlungsfähigkeit verkörpert. Getragen von eine starken Text und einem dichten historischen Hintergrund entsteht so ein eindringliches Porträt über Ruhm, Verlust und Selbstzweifel.





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Besetzung & Crew von "Blue Moon"

Land: USA, Irland
Jahr: 2026
Genre: Drama, Komödie, Biografie
Länge: 100 Minuten
Kinostart: 26.03.2026
Regie: Richard Linklater
Darsteller: Ethan Hawke als Lorenz Hart, Bobby Cannavale als Eddie, Andrew Scott als Richard Rodgers, Margaret Qualley als Elizabeth Weiland, Patrick Kennedy als E.B. 'Andy' White
Kamera: Shane F. Kelly
Verleih: Sony Pictures

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