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White Snail (2025)
In Deutschland und Österreich produziertes und in Belarus spielendes Drama über zwei verlorene Seelen, die zueinander finden.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Das Minsker Model Masha (Marya Imbro), das von einer Karriere in China träumt, ist mit den Nerven am Ende. Nach einem Suizidversuch landet Masha im Krankenhaus, wo der Pathologe Misha (Mikhail Senkov) ihre Aufmerksamkeit erregt. Unter einem falschen Vorwand lässt sie sich von Misha dessen Arbeitsplatz zeigen und ist von der Beschäftigung mit den Toten fasziniert.
Während Mashas Mutter (Olga Reptukh) versucht, ihrer Tochter die negativen Gedanken mit der Hilfe einer Schamanin auszutreiben, kommen sich Masha und Misha näher. Sie streifen gemeinsam durch die Minsker Nacht, Misha zeigt Masha seine Gemälde, in denen er den Umgang mit dem Tod verarbeitet, und irgendwann nimmt er sie an einem Wochenende mit nach Hause aufs Land, wo er aufgewachsen ist. Dort wird ein magischer Moment beider Leben verändern.
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Filmkritik
"White Snail": Minsks verlorene Seelen
Vermutlich war es nur eine Frage der Zeit, bis sich das eingespielte Regieduo Elsa Kremser und Levin Peter mit "White Snail" auch dem fiktionalen Erzählen widmen würde. Denn "unsere Filme sind immer Grenzgänge zwischen den Formen", sagt Peter. Mit der Österreicherin Kremser, die er während des Studiums an der Filmakademie Baden-Württemberg kennenlernte, hat der Deutsche bereits die zwei Dokumentarfilme "Space Dogs" (2019) und "Dreaming Dogs" (2024) realisiert.
Nahm die erstgenannte, mehrfach preisgekrönte Doku Moskauer Straßenhunde in den Blick, begleitete die zweite eine Obdachlose, die mit Straßenhunden lebt. Der Grenzgang bestand, zumindest in "Space Dogs", darin, dass Kremser und Peter ihren beobachtenden Ansatz mit einem poetischen Kommentar und essayistischen Einschüben vermischten. Und die agile Kamera von Yunus Roy Imer ("Systemsprenger", "The Outrun"), die stets auf Augenhöhe mit den Vierbeinern durch Moskaus Straßen streifte, verlieh den Filmen eine ganz besondere Optik.
Mit einem Fuß im echten Leben ...
Das Regiegespann bleibt sich in seinem Spielfilmdebüt treu. Zwar geht es darin nicht um den besten Freund des Menschen, doch auch die zwei von Marya Imbro und Mikhail Senkov gespielten Außenseiter Masha und Misha, die einander zu Freunden werden, sind geprügelte Hunde. Ein weiteres Mal haben Kremser und Peter ihren Film im Osten Europas angesiedelt. Nach Moskau geht es dieses Mal auf die Straßen von Minsk.
Und auch "White Snail" ist ein Grenzgang. Die zwei Hauptdarsteller sind keine professionellen Schauspieler, trafen erstmals bei den Dreharbeiten aufeinander, haben große Teile ihrer Szenen improvisiert und dabei auf ihre eigenen Biografien zurückgegriffen. Marya Imbro ist auch im echten Leben ein Model und Mikhail Senkov ein Maler, der jahrelang in der Pathologie gearbeitet hat. Ein Dokumentarfilm ist "White Snail" trotzdem nicht, weil das Regieduo trotz der zum Teil dokumentarisch anmutenden Aufnahmen des Kameramanns Mikhail Khursevich seine poetisch angehauchte und an einer Stelle in den magischen Realismus abschweifende Erzählweise fest im Blick behält.
… und trotzdem faszinierend fabuliert
"Wir wussten, dass der Film in vielerlei Hinsicht ein Experiment war", sagt Elsa Kremser. Ein geglücktes Experiment, muss man anfügen. An dessen Ende steht ein Film, der beim Festival in Locarno, wo er im August 2025 Weltpremiere feierte, den Spezialpreis der Jury und den Preis für die besten Darsteller gewann. Und ein Film, der durch seine Gegensätze, Spiegelungen und Verschränkungen nachhaltig fasziniert.
Ein blondes Model mit schneeweißer Haut trifft auf einen bulligen Pathologen voller Tattoos, Schönheitswahn und das Versprechen ewiger Jugend auf die Furcht vor und die Auseinandersetzung mit dem Tod, Wissenschaft auf Schamanismus und die Großstadt auf die Natur. Vor dem Hintergrund eines ungewissen Lebens in "Europas letzter Diktatur" knüpfen Elsa Kremser und Levin Peter ein zärtliches und vom Zerreißen bedrohtes Band zweier verlorener Seelen.
Fazit: Das nächste preisgekrönte Werk des Regiegespanns Elsa Kremser und Levin Peter; diesmal ein Spielfilm. "White Snail" erzählt die ungewöhnliche Geschichte zweier Außenseiter, die einander Trost spenden, mit starken Schauspielleistungen und tollen Bildern, die zwischen dokumentarischem Realismus und metaphorischer Überhöhung hin und herpendeln. Faszinierend und wunderschön!
Vermutlich war es nur eine Frage der Zeit, bis sich das eingespielte Regieduo Elsa Kremser und Levin Peter mit "White Snail" auch dem fiktionalen Erzählen widmen würde. Denn "unsere Filme sind immer Grenzgänge zwischen den Formen", sagt Peter. Mit der Österreicherin Kremser, die er während des Studiums an der Filmakademie Baden-Württemberg kennenlernte, hat der Deutsche bereits die zwei Dokumentarfilme "Space Dogs" (2019) und "Dreaming Dogs" (2024) realisiert.
Nahm die erstgenannte, mehrfach preisgekrönte Doku Moskauer Straßenhunde in den Blick, begleitete die zweite eine Obdachlose, die mit Straßenhunden lebt. Der Grenzgang bestand, zumindest in "Space Dogs", darin, dass Kremser und Peter ihren beobachtenden Ansatz mit einem poetischen Kommentar und essayistischen Einschüben vermischten. Und die agile Kamera von Yunus Roy Imer ("Systemsprenger", "The Outrun"), die stets auf Augenhöhe mit den Vierbeinern durch Moskaus Straßen streifte, verlieh den Filmen eine ganz besondere Optik.
Mit einem Fuß im echten Leben ...
Das Regiegespann bleibt sich in seinem Spielfilmdebüt treu. Zwar geht es darin nicht um den besten Freund des Menschen, doch auch die zwei von Marya Imbro und Mikhail Senkov gespielten Außenseiter Masha und Misha, die einander zu Freunden werden, sind geprügelte Hunde. Ein weiteres Mal haben Kremser und Peter ihren Film im Osten Europas angesiedelt. Nach Moskau geht es dieses Mal auf die Straßen von Minsk.
Und auch "White Snail" ist ein Grenzgang. Die zwei Hauptdarsteller sind keine professionellen Schauspieler, trafen erstmals bei den Dreharbeiten aufeinander, haben große Teile ihrer Szenen improvisiert und dabei auf ihre eigenen Biografien zurückgegriffen. Marya Imbro ist auch im echten Leben ein Model und Mikhail Senkov ein Maler, der jahrelang in der Pathologie gearbeitet hat. Ein Dokumentarfilm ist "White Snail" trotzdem nicht, weil das Regieduo trotz der zum Teil dokumentarisch anmutenden Aufnahmen des Kameramanns Mikhail Khursevich seine poetisch angehauchte und an einer Stelle in den magischen Realismus abschweifende Erzählweise fest im Blick behält.
… und trotzdem faszinierend fabuliert
"Wir wussten, dass der Film in vielerlei Hinsicht ein Experiment war", sagt Elsa Kremser. Ein geglücktes Experiment, muss man anfügen. An dessen Ende steht ein Film, der beim Festival in Locarno, wo er im August 2025 Weltpremiere feierte, den Spezialpreis der Jury und den Preis für die besten Darsteller gewann. Und ein Film, der durch seine Gegensätze, Spiegelungen und Verschränkungen nachhaltig fasziniert.
Ein blondes Model mit schneeweißer Haut trifft auf einen bulligen Pathologen voller Tattoos, Schönheitswahn und das Versprechen ewiger Jugend auf die Furcht vor und die Auseinandersetzung mit dem Tod, Wissenschaft auf Schamanismus und die Großstadt auf die Natur. Vor dem Hintergrund eines ungewissen Lebens in "Europas letzter Diktatur" knüpfen Elsa Kremser und Levin Peter ein zärtliches und vom Zerreißen bedrohtes Band zweier verlorener Seelen.
Fazit: Das nächste preisgekrönte Werk des Regiegespanns Elsa Kremser und Levin Peter; diesmal ein Spielfilm. "White Snail" erzählt die ungewöhnliche Geschichte zweier Außenseiter, die einander Trost spenden, mit starken Schauspielleistungen und tollen Bildern, die zwischen dokumentarischem Realismus und metaphorischer Überhöhung hin und herpendeln. Faszinierend und wunderschön!
Falk Straub
Besetzung & Crew von "White Snail"
Land: Deutschland, ÖsterreichJahr: 2025
Genre: Drama
Länge: 115 Minuten
Kinostart: 29.01.2026
Darsteller: Marya Imbro als Masha, Mikhail Senkov als Misha, Olga Reptukh, Andrei Sauchanka, Nina Drako
Kamera: Mikhail Khursevich
Verleih: Real Fiction



