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Scham (2026)

Zwei-Personen-Kammerstück über eine komplexe Mutter-Sohn-Beziehung, die von gegenseitiger Schuldzuweisung und nie verwundeten Traumata geprägt ist.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 5 / 5
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Künstler Aaron (Til Schindler) ist ein junger Mann, geprägt von einer Kindheit, in der körperliche und psychische Gewalt durch seine Mutter Susanne (Heike Hanold-Lynch) an der Tagesordnung waren. Außerdem erlitt er als Siebenjähriger einen sexuellen Missbrauch durch einen Erwachsenen, der tiefe seelische Narben hinterlassen hat. Nach vier Jahren Funkstille kehrt Aaron aus Berlin zu Susanne ins bayerische Heimatdorf zurück, um sich den längst verdrängten Erinnerungen zu stellen und das jahrelange Schweigen zu brechen. Ist am Ende vielleicht sogar Vergebung möglich?

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse5 / 5

Eine toxische Beziehung

Erst vor wenigen Tagen wurden Heike Hanold-Lynch und Til Schindler gemeinsam in der Kategorie "Entdeckung“ für ihre schauspielerischen Leistungen mit dem Bayerischen Filmpreis geehrt. Sie spielen die Hauptrollen in dem stilsicher inszenierten, vielschichtigen Film des 32-jährigen Müncheners Lukas Röder, dessen Erstling im letzten Jahr auf dem Festival Max Ophüls Preis die Auszeichnung der Ökumenischen Jury erhielt. Enorme Vorschusslorbeeren für ein Regie-Einstand, welches sich tatsächlich als beachtlich reifes, eindringlich gespieltes und zutiefst menschliches Werk erweist, in dem es um eine höchst fragile, toxische Verbindung geht.

Die hier verhandelte Mutter-Sohn-Beziehung ist von lange zurückliegender, kaum zu verwindender Gewalterfahrung, Verdrängung und unausgesprochenen Gefühlen geprägt. Die alles entscheidende Frage, die "Scham“ aufwirft, lautet: Ist Vergebung möglich? Und zwar einerseits Gnade und Nachsicht zu sich selbst sowie Verständnis und Mitgefühl jener Person gegenüber, die einem die tief sitzenden emotionalen Wunden einst zugefügt hat.

Die Frage nach der "Schuld"

"Scham“ ist eine unaufgeregt und zurückgenommen erzählte Arbeit, die nicht auf großspurige Wendungen oder spektakuläre Enthüllungen baut, sondern auf die kleinen, subtilen Gesten und Vorkommnisse. Röder verweilt mit seiner Handkamera oft auf den Gesichtern seiner beiden Hauptfiguren, rückt ihnen minutenlang nicht von der Seite und zwingt sie auf diese Art zum Zwiegespräch und zur direkten Auseinandersetzung. Ein geht um eine persönliche Konfrontation, die keine Flucht, keine Ausreden, erlaubt. Damit erzeugt der junge talentierte Filmemacher mit reduzierten, (scheinbar) einfachsten Mitteln ein intensives Gefühl der Unmittelbar- und Dringlichkeit.

Ihm gelingt ein Spielfilm, dem etwas Dokumentarisches innewohnt und der eine unausweichliche konfrontative Situation zeigt, die kompromisslos ehrlich und von heftigsten gegenseitigen Schuldzuweisungen ("Deine Anwesenheit macht mich krank“) durchzogen ist. Jede Regung, jede Geste, jede Pause und jeder Blick sagen mehr als tausend Worte in diesem Film über einen traumatisierten Sohn und seine, das erfahren wir im Laufe des Films, ebenfalls von der eigenen traumatischen Vergangenheit gezeichneten Mutter. Wunderbar fügen sich zudem die experimentellen und ungewöhnlichen visuellen Ideen ein – vom Split-Screen über die etlichen Format- und Perspektivwechsel, hervorgerufen durch den Einsatz der Smartphone-Kameras von Mutter und Sohn.

Fazit: Erstaunlich reifes Spielfilm-Debüt mit einem herausragenden Gespür für Timing, Spannung und die kleinen – aber wirkungsvollen – zwischenmenschlichen Gesten. Ein nachhaltiges, auch optisch raffiniert umgesetztes Kammerspiel über Verdrängung, innerfamiliäre Gewalt, Ausgrenzung und den bisweilen fast ausweglos erscheinenden Versuch, geliebten Menschen zu vergeben.




Besetzung & Crew von "Scham"

Land: Deutschland
Jahr: 2026
Genre: Drama
Länge: 86 Minuten
FSK: 16
Kinostart: 29.01.2026
Regie: Lukas Röder
Darsteller: Heike Hanold-Lynch als Susanne, Til Schindler als Aaron
Kamera: Louis Dickhaut
Verleih: missingFilms



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