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La Grazia (2026)

La grazia

In seinem neuen Drama malt sich der Italiener Paolo Sorrentino das ideale Staatsoberhaupt aus.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 1.1 / 5

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Der scheidende italienische Staatspräsident Mariano De Santis (Toni Servillo) steht kurz vor dem Ende seiner Amtszeit vor schwierigen Entscheidungen. Seine Tochter Dorotea (Anna Ferzetti), die wie er selbst Jura studiert hat und ihren Vater als Beraterin unterstützt, hat ein Gesetz zur Sterbehilfe ausgearbeitet. Doch als gläubiger Katholik scheut sich De Santis davor, das Gesetz zu unterzeichnen und sucht unter anderem beim Pontifex (Rufin Doh Zeyenouin) Rat.

Darüber hinaus stehen zwei Gnadengesuche an, denen der Präsident stattgeben oder die er ablehnen muss. Der ehemalige Lehrer Cristiano Arpa (Vasco Mirandola) sitzt im Gefängnis, weil er seine an Alzheimer erkrankte Frau von ihrem Leiden erlöste. Isa Rocca (Linda Messerklinger) wiederum erstach ihren gewalttätigen Ehemann im Schlaf. Zu allem Übel wird das Staatsoberhaupt auch noch von Eifersucht geplagt. Die Frage, mit wem ihn seine verstorbene Frau vor 40 Jahren betrogen hat, lässt De Santis nicht los.

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"La Grazia": Voll der Gnade

Paolo Sorrentino zählt zu den großen Ästheten des zeitgenössischen Kinos. Zwei Europäische Filmpreise, einen Oscar, einen Golden Globe und einen BAFTA hat dieser absolute Wille zur Stilisierung dem Regisseur von "La Grande Belezza" (2013) bereits eingebracht. Seine größten Kritiker sehen darin nur oberflächlichen Mummenschanz. Doch selbst wer mit Sorrentinos Opulenz nichts anfangen kann, muss dem Regisseur zumindest zugestehen, dass es ihm wieder und wieder gelingt, das italienische Lebensgefühl in potenzierten Dosen einzufangen und das Publikum damit zu verzaubern.

Der jüngste Film des 1970 geborenen Neapolitaners ist indessen eine Anomalie oder besser gesagt: ein Widerspruch in sich. Denn obwohl alle Ingredienzien eines typischen Sorrentino-Films vorhanden sind – der wohltemperierte Bildaufbau, die ausladenden Kamerafahrten, der poppige Soundtrack, die absurden erzählerischen Einfälle und nicht zuletzt der Hauptdarsteller Toni Servillo, mit dem der Regisseur bereits zum siebten Mal zusammenarbeitet –, fühlt sich dieser Film nicht wie ein Sorrentino-Film an. Vielleicht liegt es am Thema.

Ein Staatsoberhaupt aus dem Bilderbuch

Politiker standen bei Paolo Sorrentino bereits zweimal im Mittelpunkt, erstmals im Jahr 2008 im Film "Il Divo" über den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti, zuletzt zehn Jahre später in "Loro" über den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Beide Male spielte Toni Servillo die bekannten Machtmenschen, war hinter den vielen Schichten Make-up aber kaum wiederzuerkennen. In "La Grazia" darf Servillo hingegen sein eigenes Antlitz zur Schau stellen, weil er keine reale Persönlichkeit verkörpert. Der von ihm gespielte Präsident Mariano De Santis ist ein Amalgam aus mehreren Personen, eine Art idealtypisches Staatsoberhaupt. Womit wir beim Knackpunkt dieses Films angelangt sind.

Sorrentinos neuer Film fühlt sich deshalb so anders an, weil der Regisseur seinem Protagonisten den ihm gebührenden Respekt entgegenbringt. Dieser Mariano De Santis ist ein ernster, ernsthafter und ernst zu nehmender Mann. Ein Jurist, der jede Entscheidung lieber einmal zu viel abwägt, als ein vorschnelles Urteil zu fällen. Ein Mann des Rechts und ein rechtschaffener Mann. Weder korrupt noch korrumpierbar. So wie man sich einen Politiker in seinen kühnsten Träumen ausmalt und wie er in Italien vielleicht noch als Staatspräsident, aber eben schon zu lange nicht mehr als Ministerpräsident denkbar ist.

Ausgezeichnetes Schauspiel

Dementsprechend seriös geht es in "La Grazia" zu. Die Farben sind nicht so bunt, das Leben ist nicht so süß. Was angesichts des übergeordneten Themas – es geht um ein Gesetz zur Sterbehilfe und um die Begnadigung zweier verurteilter Mörder, also um Fragen nach Leben, Tod, Erlösung und Vergebung – angemessen erscheint. Was aber noch lange nicht heißt, dass Paolo Sorrentino seinen Humor verloren hat. Er setzt ihn dieses Mal nur dezenter ein und lacht mehr mit als über die Figuren.

Übrigens ist der Filmtitel einmal mehr klug gewählt, steht "la grazia" doch nicht nur für die Anmut und Huld, mit der sich die Hauptfigur durch ihren schwierigen Alltag bewegt, sondern auch für die Gnade im religiösen wie im juristischen Sinn. Für die gewohnt würdevolle Darstellung eines diesmal ausgesprochen würdevollen Mannes hat Toni Servillo bei den 82. Internationalen Filmfestspielen von Venedig den Preis als bester Schauspieler erhalten.

Fazit: Fans von Paolo Sorrentino könnten enttäuscht werden, denn der 1970 geborene Neapolitaner hat ein Drama gedreht, dass trotz lauter typischer Sorrentino-Zutaten nicht richtig nach einem Sorrentino-Film schmeckt. Sehenswert ist "La Grazia", in dem es um Leben, Tod, Liebe und Gnade geht, aber allemal.




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Besetzung & Crew von "La Grazia"

Land: Italien
Jahr: 2026
Genre: Drama
Originaltitel: La grazia
Länge: 133 Minuten
Kinostart: 19.03.2026
Regie: Paolo Sorrentino
Darsteller: Toni Servillo als Presidente, Anna Ferzetti als Dorotea, Orlando Cinque als Colonnello Labaro, Massimo Venturiello als Ugo Romani, Milvia Marigliano als Coco Valori
Kamera: Daria D'Antonio
Verleih: MUBI

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