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Rose (2026)

In diesem Historiendrama des Regisseurs Markus Schleinzer schlüpft Sandra Hüller in die Rolle einer unerhörten Hochstaplerin.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 5 / 5
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In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts kehrt ein Soldat (Sandra Hüller) dem Dreißigjährigen Krieg den Rücken, um sein Erbe in einem protestantischen Dorf anzutreten. Die Gemeinschaft um einen tonangebenden Großbauern (Godehard Giese) tritt dem mysteriösen Fremden ablehnend gegenüber, doch der Amtmann (Robert Gwisdek) bescheinigt, dass alles seine Richtigkeit hat. Also bezieht der Mann, der von schmächtiger Statur ist und ein vom Krieg zernarbtes Gesicht hat, seinen baufälligen Gutshof und richtet ihn mühsam wieder her.

Als der Heimkehrer einem jungen Mann vor einer gefrässigen Bärin das Leben rettet, steigt sein Ansehen im Dorf. Der Gerettete wird sein Knecht (Maurice Leonhard) und schließlich wird Suzanna (Caro Braun), die älteste Tochter des Großbauern, seine Frau. Gerade als er von Großem zu träumen beginnt, kommt Suzanna jedoch hinter sein Geheimnis.

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"Rose": Von Manns- und Weibsbildern

Dass Sandra Hüller zu den größten Schauspielerinnen ihrer Generation gehört, nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern weltweit, das spricht sich langsam, aber sicher auch in Hollywood herum. Bei der 96. Oscarverleihung, die am 10. März 2024 im Dolby Theatre in Los Angeles über die Bühne ging, war Hüller für ihre Rolle in "Anatomie eines Falls" als beste Hauptdarstellerin nominiert. Und es war nicht der einzige Film, mit dem sie bei der Gala vertreten war. Auch "The Zone of Interest" konkurrierte um den begehrten Filmpreis, und für die Darbietung der Hedwig Höß, der Frau des Lagerkommandanten von Auschwitz, hätte Hüller eine zusätzliche Oscarnominierung verdient gehabt.

In diesem Jahr startet die 1978 in Suhl geborene Schauspielerin richtig durch. Nach dem Kassenschlager "Der Austronaut", in dem sie an der Seite von Ryan Gosling spielt und ihm in der besten Szene des Films schamlos die Show stiehlt, wird Hüller ab dem 1. Oktober 2026 in "Digger", dem heißersehnten neuen Film von Alejandro Gonzálea Iñárritu zu sehen sein; gemeinsam mit niemand Geringerem als Tom Cruise. Wer von der Ausnahmeerscheinung nie genug kriegt, kann die Zeit bis dahin mit "Rose" überbrücken, für den Sandra Hüller bei den 76. Internationalen Filmfestspielen von Berlin den Silbernen Bären als beste Darstellerin erhalten hat.

Hochstaplerin in Hosen

Vom klassischen Hollywood könnte "Rose" kaum weiter entfernt sein, bringt dafür aber alles mit, was dem deutschsprachigen Arthaus-Film oftmals abgeht. Denn das in bestechenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen gedrehte Historiendrama des österreichischen Regisseurs Markus Schleinzer sieht tatsächlich nach großem Kino und nicht nur wie ein billiger Fernsehfilm oder gar wie abgefilmtes Theater aus. Und das, obwohl es Schleinzer und seinem Kameramann Gerald Kerkletz angeblich gar nicht um Stil gegangen ist. Stattdessen gehe es ihnen "um Ethik", sagt Schleinzer. "Es geht um Zurückhaltung, Präzision und Vertrauen." Gerade diese Präzision, dank der jede Einstellung klug kadriert ist, und die Zurückhaltung, die wichtige erzählerische Wendepunkte wie beispielsweise den Angriff eines Bären, eine Hochzeit und eine Hinrichtung nur indirekt vermittelt, machen "Rose" zu einem ausgesprochen stilvollen Film.

Obwohl die Handlung während des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) spielt, die Menschen antiquiert reden, ohne Strom und fließend Wasser Leben und ihre verhärmten Gesichter bei der Arbeit vor Dreck starren, hat der Film erstaunlich viel über unsere Gegenwart zu sagen. "In der Hose steckt mehr Freiheit", sagt Sandra Hüllers Titelfigur, die in die Rolle eines Manns schlüpft, als ihr vom anderen Geschlecht der Prozess gemacht wird. Heutzutage muss sich Frau zwar kaum mehr als Mann verkleiden, um es in der Welt zu etwas zu bringen, doch selbst in den fortschrittlichsten Demokratien hat es Mann in der Regel leichter als sie. Über diese über Jahrhunderte hinweg verfestigten patriarchalen Strukturen und über den allgemeinen Zustand der Welt könnte man verzweifeln. "Deshalb suche ich nach dialektischen Charakteren, an denen ich mich aufrichten kann", sagt Schleinzer. Nach seinem im 18. Jahrhundert angesiedelten Historiendrama "Angelo" (2018) über einen afrikanischen Sklaven, der zum Kammerdiener ausgebildet und an den europäischen Adelshöfen als "Paradiesvogel" herumgereicht wird, geht er jetzt noch etwas weiter in der Historie zurück. Roses Geschichte, die aus dem filmischen Off von einer Erzählerin (Marisa Growaldt) vorgetragen wird, hat sich in dieser Weise zwar nie zugetragen, basiert aber auf einer akribischen Recherche, die das Schicksal Hunderter Frauen zu einem exemplarischen Lebensweg verschmilzt.

Vorzügliches Ensemble spielt ganz groß auf

Sandra Hüller, die ihre Titelfigur übrigens nicht als Heldin begreift, brilliert einmal mehr. Allein ihr Auftritt ist das Eintrittsgeld wert. Das exzellente Ensemble an Hüllers Seite sorgt dafür, dass "Rose" nicht zu einer One-Woman- bzw. One-Man-Show verkommt. Allen voran Caro Braun, die Roses Frau Suzanna spielt, ist fabelhaft. Wie sich diese unscheinbare Nebenfigur in ihrer arrangierten Ehe zu einer gleichberechtigten Partnerin emporarbeitet, die sich selbstbewusst ihre Freiheiten nimmt und dadurch zu einer ebenbürtigen Hauptfigur wird, ist das Verdienst der Drehbuchautoren. Wie Braun diese Rolle glaubwürdig mit Leben erfüllt, das ist ganz und gar ihr Verdienst. Dass es sich um ihr Debüt handelt, ist kaum zu glauben, zeugt jedoch vom vorzüglichen Casting. Was bei diesem Regisseur wiederum nicht verwundert. Immerhin war Markus Schleinzer, der auch als Schauspieler arbeitet, 17 Jahre lang als Casting-Direktor tätig und zeichnete unter anderem für das Kindercasting bei Michael Hanekes "Das weiße Band" (2009) verantwortlich.

Wie sich Sandra Hüllers Rose und Caro Brauns Suzanna zu einer Schicksalsgemeinschaft verbünden, ist ganz wunderbar. Im Kinosaal werden auch wir Zusehenden zu ihren Komplizen und träumen kurz davon, dass diese fürs 17. Jahrhundert ungeheuerliche Verbindung eine Zukunft haben könnte. Doch ein eskapistisches Happy End steht Schleinzer nicht im Sinn. Es kommt also, wie es kommen muss – und Sandra Hüller erhält ein letztes Mal eine große Bühne, auf der sie nicht mit expressiven Emotionen, sondern mit innerer Gefasstheit glänzt, was dennoch an Die Passion der Jeanne d'Arc (1928) von Carl Theodor Dreyer (1889–1968) erinnert.

Fazit: Dass deutschsprachige Historiendramen nicht wie steifes Theater, sondern auch wie großes Kino aussehen können, beweist der österreichische Regisseur Markus Schleinzer mit seinem neuen Film. "Rose" über eine Hochstaplerin in Hosen ist bestechend fotografiert, vielschichtig erzählt und grandios gespielt. Bei der 76. Berlinale, in deren Wettbewerb der Film lief, wurde die Hauptdarstellerin Sandra Hüller zu Recht mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.




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Besetzung & Crew von "Rose"

Land: Österreich, Deutschland
Jahr: 2026
Genre: Drama
Länge: 94 Minuten
Kinostart: 30.04.2026
Regie: Markus Schleinzer
Darsteller: Sandra Hüller, Marisa Growaldt, Godehard Giese, Robert Gwisdek, Maria-Victoria Dragus
Kamera: Gerald Kerkletz
Verleih: Piffl Medien

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