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Fassaden (2025)
Interview-Doku-Mix über das Thema häusliche Gewalt gegen Frauen innerhalb von Partnerschaften.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
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Im Zusammenhang mit dem Thema der innerhalb einer Partnerschaft ausgeübten Gewalt erfuhr vor allem ein Begriff in den vergangenen Monaten außerordentliche mediale Präsenz: Femizid. Das Wort steht für die gezielte, absichtsvolle Tötung von Frauen allein aufgrund ihres Geschlechts. Doch es muss nicht gleich zum "Äußersten“ kommen. Denn auch wenn es um die bewusste, vorsätzliche Ausübung von tätlichen An- und Übergriffen geht, "dominieren“ Frauen im Vergleich zu Männern die Statistik klar. So hat jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren im Laufe ihres Lebens mindestens einmal körperliche und/oder sexuelle Übergriffe oder soziale Kontrolle (z.B. Überwachung) durch einen Beziehungspartner erfahren. "Fassaden“ verbindet vier persönliche Leidensgeschichten über erlebte Gewalt in einer Beziehung zu einer übergeordneten Betrachtung des Themas "Partnerschaftsgewalt“.
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Filmkritik
Die Anonymität des Leids
Die Regisseurin Alina Cyranek befasst sich in "Fassaden“ ausführlich mit einem gesellschaftlich hochrelevanten Thema – das mindestens ebenso tabuisiert ist. Die Opfer von Gewalt in Beziehungen erleben Leid und Demütigung nämlich meist gleich an zwei Fronten: innerhalb der Beziehung durch den (Ex-) Partner sowie durch das Umfeld bzw. die Gesellschaft. Oder durch nahestehende Personen, die den Schilderungen der Frauen keinen Glauben schenken, die Geschehnisse verharmlosen oder mit vorurteilsbehafteten Vorwürfen reagieren.
Ganz ähnliches schildern auch die Tatsachenberichte der vier Frauen, auf denen die im Film dargelegte, beispielhafte Lebens- und Leidensgeschichte basiert. Schauspielerin Sandra Hüller liest die jeweiligen Passagen mit nachdrücklicher Stimme und sinnhaften Betonungen vor, ohne jedoch in übertriebene Emotionalität oder gar künstliche Betroffenheit zu gleiten. Die vier Frauen bleiben – bewusst – ungenannt. Diese Namenlosigkeit bzw. Anonymität dient ihrem Schutz und soll eine zentrale Botschaft vermitteln: das Totschweigen vieler Fälle von Beziehungsgewalt.
Symbolische poetische Einschübe
Die Inhalte der vorgelesenen Auszüge gehen ans Eingemachte und veranschaulichen, welchen Mechanismen, Dynamiken und Abhängigkeiten viele Opfer ausgesetzt sind. Denn das Muster verläuft häufig ähnlich: Zu Beginn einer Beziehung erfolgt die Idealisierung des neuen (noch weitgehend unbekannten) Partners, die Verliebtheitsphase verstellt zudem den Blick auf die Realität. Dann erfolgt nicht selten ein übereiltes Zusammenziehen und allmählich zeigt sich das wahre Gesicht des Beziehungspartners, der – wie im Fall der vier Frauen – eine toxische Kombination aus Kontrolle, Druck und Übergriffigkeit bis hin zu schwerster körperlicher Gewalt ausübt. Andererseits kann sich die gewalttätige Seite des Partners auch erst nach Jahren oder Jahrzehnten offenbaren.
Zur Einordnung jener toxischen Beziehungsmuster tragen die Experteninterviews bei, etwa mit einer Psychologin und einer Sozialarbeiterin. Hinzu kommen Schilderungen eines Polizeibeamten, der durch seine Erlebnis- und Erfahrungsberichte die Hilflosigkeit und Verzweiflung vieler Frauen untermauert – denn nach Hilfe wird meist erst gesucht, wenn es zu spät ist. Gelungen sind ferner die experimentellen Ansätze und künstlerisch-poetischen Einschübe, von choreografierten Tanzsequenzen bis hin zu visuellen Spielereien und Animationen, durch welche die Erzählungen der Frauen versinnbildlicht werden.
Fazit: Einnehmender, wichtiger Film über das vielschichtige Thema der häuslichen Gewalt in Beziehungen, der sich den Dynamiken und Machtstrukturen innerhalb von (toxischen) Partnerschaften widmet. Der Film gibt Betroffenen eine Stimme und veranschaulicht darüber hinaus systemische Schwächen und das Versagen der Gesellschaft, die nur allzu oft wegsieht und verschweigt.
Die Regisseurin Alina Cyranek befasst sich in "Fassaden“ ausführlich mit einem gesellschaftlich hochrelevanten Thema – das mindestens ebenso tabuisiert ist. Die Opfer von Gewalt in Beziehungen erleben Leid und Demütigung nämlich meist gleich an zwei Fronten: innerhalb der Beziehung durch den (Ex-) Partner sowie durch das Umfeld bzw. die Gesellschaft. Oder durch nahestehende Personen, die den Schilderungen der Frauen keinen Glauben schenken, die Geschehnisse verharmlosen oder mit vorurteilsbehafteten Vorwürfen reagieren.
Ganz ähnliches schildern auch die Tatsachenberichte der vier Frauen, auf denen die im Film dargelegte, beispielhafte Lebens- und Leidensgeschichte basiert. Schauspielerin Sandra Hüller liest die jeweiligen Passagen mit nachdrücklicher Stimme und sinnhaften Betonungen vor, ohne jedoch in übertriebene Emotionalität oder gar künstliche Betroffenheit zu gleiten. Die vier Frauen bleiben – bewusst – ungenannt. Diese Namenlosigkeit bzw. Anonymität dient ihrem Schutz und soll eine zentrale Botschaft vermitteln: das Totschweigen vieler Fälle von Beziehungsgewalt.
Symbolische poetische Einschübe
Die Inhalte der vorgelesenen Auszüge gehen ans Eingemachte und veranschaulichen, welchen Mechanismen, Dynamiken und Abhängigkeiten viele Opfer ausgesetzt sind. Denn das Muster verläuft häufig ähnlich: Zu Beginn einer Beziehung erfolgt die Idealisierung des neuen (noch weitgehend unbekannten) Partners, die Verliebtheitsphase verstellt zudem den Blick auf die Realität. Dann erfolgt nicht selten ein übereiltes Zusammenziehen und allmählich zeigt sich das wahre Gesicht des Beziehungspartners, der – wie im Fall der vier Frauen – eine toxische Kombination aus Kontrolle, Druck und Übergriffigkeit bis hin zu schwerster körperlicher Gewalt ausübt. Andererseits kann sich die gewalttätige Seite des Partners auch erst nach Jahren oder Jahrzehnten offenbaren.
Zur Einordnung jener toxischen Beziehungsmuster tragen die Experteninterviews bei, etwa mit einer Psychologin und einer Sozialarbeiterin. Hinzu kommen Schilderungen eines Polizeibeamten, der durch seine Erlebnis- und Erfahrungsberichte die Hilflosigkeit und Verzweiflung vieler Frauen untermauert – denn nach Hilfe wird meist erst gesucht, wenn es zu spät ist. Gelungen sind ferner die experimentellen Ansätze und künstlerisch-poetischen Einschübe, von choreografierten Tanzsequenzen bis hin zu visuellen Spielereien und Animationen, durch welche die Erzählungen der Frauen versinnbildlicht werden.
Fazit: Einnehmender, wichtiger Film über das vielschichtige Thema der häuslichen Gewalt in Beziehungen, der sich den Dynamiken und Machtstrukturen innerhalb von (toxischen) Partnerschaften widmet. Der Film gibt Betroffenen eine Stimme und veranschaulicht darüber hinaus systemische Schwächen und das Versagen der Gesellschaft, die nur allzu oft wegsieht und verschweigt.
Björn Schneider
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Besetzung & Crew von "Fassaden"
Land: DeutschlandJahr: 2025
Genre: Dokumentation
Länge: 87 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 12.02.2026
Regie: Alina Cyranek
Kamera: Tim Pfautsch
Verleih: Rotzfrech Cinema
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