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Souleymans Geschichte (2026)
L'histoire de Souleymane
Hochdekoriertes französisches Sozialdrama über die letzten zwei Tage vor der entscheidenden Anhörung im Asylverfahren eines jungen Guineers.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
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Souleyman (Abou Sangaré) ist ein junger Mann aus Guinea, der nach seiner Flucht über das Mittelmeer in Paris gestrandet ist. Ohne gültige Papiere schlägt er sich als Essenslieferant mit dem Fahrrad durch. Da er keine Arbeitserlaubnis besitzt, nutzt er das Konto eines Mannes namens Emanuel (Emmanuel Yovani), der dafür wöchentlich 120 Euro verlangt – und bei dem ungewiss bleibt, ob Souleyman seinen vollen Lohn erhält. Mit dem verdienten Geld will Souleyman sich eine konstruierte Vergangenheit als politisch Verfolgter zulegen, um seine Chancen im Asylverfahren zu erhöhen, obwohl er seine Heimat aus wirtschaftlicher Not verlassen hat. Während er zwischen prekären Arbeitsbedingungen, finanzieller Abhängigkeit und wachsendem Druck navigiert, rückt seine Anhörung bei der OFPRA, der französischen Asylbehörde, unaufhaltsam näher. In nur zwei Tagen wird sich entscheiden, ob er in Frankreich bleiben darf – und welche Geschichte über sein Leben Gehör findet.
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Filmkritik
"Souleymans Geschichte": 48 Stunden Paris
Knapp zwei Jahre nach seiner Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Cannes 2024 findet das französische Sozialdrama "Souleymans Geschichte“ nun auch seinen Weg in die deutschen Kinos, nachdem es in der Zwischenzeit zahlreiche Preise gewinnen konnte. Neben dem Jurypreis in der Sektion "Un certain regard“ in Cannes wurde vor allem Hauptdarsteller Abou Sangaré ausgezeichnet: Er erhielt sowohl den César als Bester Nachwuchsdarsteller als auch den Europäischen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller. Und das vollkommen zu Recht. In seiner ersten Filmrolle verkörpert Sangaré mit beeindruckender Intensität einen jungen Mann, der zunehmend an den äußeren Umständen und den eigenen Entscheidungen zu zerbrechen droht.
Regisseur Boris Lojkine und seine Co-Autorin Delphine Agut führten im Vorfeld zahlreiche Gespräche mit Fahrradkurieren und undokumentierten Migranten in Paris. Aus diesen Recherchen entwickelte sich ein Ansatz, der bewusst auf größtmögliche Authentizität setzt. Lojkine entschied sich, neben der Hauptrolle auch viele weitere Figuren mit Laiendarstellern zu besetzen, die er auf den Straßen von Paris fand. Dieser Realismus prägt den Film nachhaltig: Gerade Souleymans Begegnungen mit anderen Migranten, aber auch mit Kunden und Auftraggebern, entfalten in den zwei Tagen, in denen die Handlung spielt, eine Unmittelbarkeit, die streckenweise an dokumentarisches Kino erinnert.
Auch die Kameraarbeit folgt diesem Konzept. Sie bleibt nahezu permanent dicht an Souleyman, begleitet ihn auf seinen Fahrten durch die Stadt, in enge Treppenhäuser, in Restaurants und Notunterkünfte. Für Sangaré bedeutet das eine enorme physische Präsenz in fast jeder Szene – eine Herausforderung, die er mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit meistert.
Fast schon ein Thriller
Trotz seines dokumentarischen Stils ist "Souleymans Geschichte“ keineswegs ein sprödes Sozialdrama. Die Konzentration auf die 48 Stunden vor der Anhörung verleiht dem Film eine spürbare Spannung, die zeitweise an einen Thriller erinnert. Rückschläge häufen sich: Kunden verweigern die Annahme ihrer Bestellungen, Restaurantbesitzer behandeln ihn herablassend, finanzielle Unsicherheiten und der Verlust eines sicheren Schlafplatzes verschärfen seine Lage. Mit jedem Hindernis wachsen die Zweifel an seiner Entscheidung, nach Europa zu gehen.
Der Film zeichnet dabei ein eindringliches Bild eines europäischen Asylsystems, das zunehmend von Abschottung geprägt ist. Souleymans Zwang zur Lüge wird zum moralischen Dilemma, das exemplarisch für viele steht. Die Schwierigkeiten, unter prekären Bedingungen ein Mindestmaß an Würde zu bewahren, werden ohne pathetische Zuspitzung oder moralischen Zeigefinger geschildert. Stattdessen bleibt die Inszenierung konsequent bei ihrem Protagonisten und seinem Alltag.
Nicht jede Passage ist dabei gleich stark: Der zweite Tag, an dem Souleyman versucht, das Geld für seine konstruierte Geschichte aufzutreiben, wirkt im Vergleich zum ersten etwas ruhiger und weist kleinere Längen auf. Dennoch gelingt es dem Film, einen durchgehenden Spannungsbogen zu halten. Am Ende bleibt ein Werk, das einer abstrakten Debatte durch Souleymans Geschichte ein konkretes Gesicht gibt.
Fazit: "Souleymans Geschichte“ ist ein intensiv gespieltes, präzise recherchiertes Sozialdrama, das mit dokumentarischer Nähe und spürbarer Spannung vom prekären Alltag eines Asylbewerbers erzählt. Dank der herausragenden Leistung von Abou Sangaré und der konsequenten Inszenierung gelingt ein eindringlicher, unaufgeregter Blick auf ein System und seine menschlichen Folgen
Knapp zwei Jahre nach seiner Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Cannes 2024 findet das französische Sozialdrama "Souleymans Geschichte“ nun auch seinen Weg in die deutschen Kinos, nachdem es in der Zwischenzeit zahlreiche Preise gewinnen konnte. Neben dem Jurypreis in der Sektion "Un certain regard“ in Cannes wurde vor allem Hauptdarsteller Abou Sangaré ausgezeichnet: Er erhielt sowohl den César als Bester Nachwuchsdarsteller als auch den Europäischen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller. Und das vollkommen zu Recht. In seiner ersten Filmrolle verkörpert Sangaré mit beeindruckender Intensität einen jungen Mann, der zunehmend an den äußeren Umständen und den eigenen Entscheidungen zu zerbrechen droht.
Regisseur Boris Lojkine und seine Co-Autorin Delphine Agut führten im Vorfeld zahlreiche Gespräche mit Fahrradkurieren und undokumentierten Migranten in Paris. Aus diesen Recherchen entwickelte sich ein Ansatz, der bewusst auf größtmögliche Authentizität setzt. Lojkine entschied sich, neben der Hauptrolle auch viele weitere Figuren mit Laiendarstellern zu besetzen, die er auf den Straßen von Paris fand. Dieser Realismus prägt den Film nachhaltig: Gerade Souleymans Begegnungen mit anderen Migranten, aber auch mit Kunden und Auftraggebern, entfalten in den zwei Tagen, in denen die Handlung spielt, eine Unmittelbarkeit, die streckenweise an dokumentarisches Kino erinnert.
Auch die Kameraarbeit folgt diesem Konzept. Sie bleibt nahezu permanent dicht an Souleyman, begleitet ihn auf seinen Fahrten durch die Stadt, in enge Treppenhäuser, in Restaurants und Notunterkünfte. Für Sangaré bedeutet das eine enorme physische Präsenz in fast jeder Szene – eine Herausforderung, die er mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit meistert.
Fast schon ein Thriller
Trotz seines dokumentarischen Stils ist "Souleymans Geschichte“ keineswegs ein sprödes Sozialdrama. Die Konzentration auf die 48 Stunden vor der Anhörung verleiht dem Film eine spürbare Spannung, die zeitweise an einen Thriller erinnert. Rückschläge häufen sich: Kunden verweigern die Annahme ihrer Bestellungen, Restaurantbesitzer behandeln ihn herablassend, finanzielle Unsicherheiten und der Verlust eines sicheren Schlafplatzes verschärfen seine Lage. Mit jedem Hindernis wachsen die Zweifel an seiner Entscheidung, nach Europa zu gehen.
Der Film zeichnet dabei ein eindringliches Bild eines europäischen Asylsystems, das zunehmend von Abschottung geprägt ist. Souleymans Zwang zur Lüge wird zum moralischen Dilemma, das exemplarisch für viele steht. Die Schwierigkeiten, unter prekären Bedingungen ein Mindestmaß an Würde zu bewahren, werden ohne pathetische Zuspitzung oder moralischen Zeigefinger geschildert. Stattdessen bleibt die Inszenierung konsequent bei ihrem Protagonisten und seinem Alltag.
Nicht jede Passage ist dabei gleich stark: Der zweite Tag, an dem Souleyman versucht, das Geld für seine konstruierte Geschichte aufzutreiben, wirkt im Vergleich zum ersten etwas ruhiger und weist kleinere Längen auf. Dennoch gelingt es dem Film, einen durchgehenden Spannungsbogen zu halten. Am Ende bleibt ein Werk, das einer abstrakten Debatte durch Souleymans Geschichte ein konkretes Gesicht gibt.
Fazit: "Souleymans Geschichte“ ist ein intensiv gespieltes, präzise recherchiertes Sozialdrama, das mit dokumentarischer Nähe und spürbarer Spannung vom prekären Alltag eines Asylbewerbers erzählt. Dank der herausragenden Leistung von Abou Sangaré und der konsequenten Inszenierung gelingt ein eindringlicher, unaufgeregter Blick auf ein System und seine menschlichen Folgen
Markus Solty
Besetzung & Crew von "Souleymans Geschichte"
Land: FrankreichJahr: 2026
Genre: Drama
Originaltitel: L'histoire de Souleymane
Länge: 93 Minuten
Kinostart: 19.02.2026
Regie: Boris Lojkine
Darsteller: Abou Sangare als Souleymane Sangaré, Alpha Oumar Sow, Nina Meurisse, Emmanuel Yovanie, Younoussa Diallo
Kamera: Tristan Galand
Verleih: Film Kino Text




