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Wovon sollen wir träumen
Wovon sollen wir träumen
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Wovon sollen wir träumen (2025)

Zivilcourage statt DuckmäusertumKritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4.3 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 3 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Die Wege dreier Frauen kreuzen sich an einer Berliner Lebensmittelausgabe. Gefängnis-Freigängerin Laura (Luise Aschenbrenner) steht der Kurdin Evîn (Bavan Layla) bei einem rassistischen Übergriff bei, worauf der Konflikt eskaliert. Mit ihrem Kollegen Merabi tritt die Polizistin Julia (Lea van Acken) hinzu, um die Situation zu beruhigen. Ihre Schicksale überschneiden sich kurzzeitig, bevor sie wieder getrennte Wege gehen. Gewalt in verschiedenen Formen existiert in aller dreien Alltag. Evîn kämpft mit den Nachwirkungen des kurdischen Widerstands, Laura trägt den seelischen Ballast eines erlebten Krieges, und Julia wird mit den Launen ihres aggressiven Mannes Christian (Louis Nitsche) konfrontiert.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse3 / 5

Parallel verfolgten Milena Aboyan und Constantin Hatz die Schicksale dreier junger Frauen, die sich Traumata, Schuld und Konflikten ihres Alltags ausgesetzt sehen. Ein weiteres Mal nach dem gefeierten, gemeinsam mit Hatz verfassten "Elaha“ greift Aboyan die Themen Culture Clash, Integration und Rebellion auf, und erneut besetzt sie wie in ihrem Stuttgarter "Tatort“-Beitrag Bavan Layla als eine der Protagonistinnen. Im Schicksal der jesidischen Kurdin Evîn mögen autobiografische Motive eingeflossen sein, zumal die Regisseurin 1992 selbst in Armenien geboren wurde.

Mit ihrem Vater und ihren Geschwistern residiert die junge Frau in einer Unterkunft für Geflüchtete. Ob die Gruppe bleiben darf oder wie eine befreundete Familie ebenfalls abgeschoben wird, bleibt noch unklar. Dabei fühlt sich die impulsive Evîn von den rigiden Vorschriften des Ausländerrechts mehrfach eingeschränkt. Die ehemalige Widerstandskämpferin darf keiner Arbeit nachgehen. Als talentierte Ringerin wird ihr die Reise in ein anderes Bundesland zu einem Wettkampf untersagt. Auch im Alltag, sei es an der Essensausgabe oder in einer Eisdiele, sieht sich Evîn durch stures Festhalten an Vorschriften und Regelwerk eingeschränkt. Der Eisdielen-Konflikt um den Verzehr im Laden wirkt etwas konstruiert, trägt jedoch zur Zuspitzung der Situationen bei.

Während des Streits von Evîn und der ihr zu Hilfe kommenden Laura mit einem Rassisten in der Warteschlage einer Essensausgabe erscheint eine Polizeistreife etwas zu plötzlich. Die eskalierende Situation macht die beiden Frauen mit Julia vertraut, die mit einem Kollegen die Personalien aufnimmt. Freigängerin Laura hat ihre Haftstrafe wegen eines Tötungsdelikts fast abgesessen. Die Hintergründe für ihre Verurteilung werden erst gegen Ende enthüllt. Oft erweist sich Laura unvermittelt aggressiv und jähzornig, besitzt aber einen starken Gerechtigkeitssinn. In den Augen ihrer Mutter Elena (Valery Tscheplanowa) kann sie nicht bestehen. Im Gefängnis nimmt Laura am Filmprojekt einer Regisseurin über Kriegstraumata teil, die an die Kinder weitergegeben werden.

Krieg in der Ehe

Es mag noch glaubwürdig erscheinen, dass Polizistin Julia in der Geflüchteten-Unterkunft bei einer ausufernden Abschiebung auftaucht. Andere Überschneidungen wie der Besuch der Dokumentar-Regisseurin mit dem gedrehten Material bei ihr und ihren Mann, wirken reichlich konstruiert. Während sich die junge Beamtin im Alltag durchsetzen muss, gelingt es ihr in der Ehe mit dem herrschsüchtigen Christian nicht. Etwa demütigt sie der dominante Deutschlehrer beim Essen mit ihren Eltern. Ihrem kleinen Sohn zuliebe lässt sich Julia manches gefallen. Somit hat sie in der Ehe ebenfalls einen Krieg auszustehen.

In der ruhigen Inszenierung überzeugen die drei Darstellerinnen mit intensiven Leistungen. Ebenso gelingen Milena Aboyan und Constantin Hatz nachhallende Szenen zu Unterdrückung und Selbstbestimmung, die am Ende in einer hoffnungsvollen Note münden. Dazwischen wirkt das Sozialdrama durch seine Anhäufung an Konflikten etwas überfrachtet und in Zusammenhängen konstruiert. Immerhin wurde das Regieduo über Max-Ophüls-Festival mit dem Preis der Ökumensichen Jury und dem Publikumspreis als Beleg für seine eindringliche Wirkung ausgezeichnet.

Fazit: Parallel erzähltes, vielschichtiges Sozialdrama um Gewalterfahrungen und Traumata dreier junger Frauen, das intensiv nachwirkt, streckweise aber überfrachtet ausfällt.




Besetzung & Crew von "Wovon sollen wir träumen"

Land: Deutschland
Jahr: 2025
Genre: Drama
Länge: 108 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 19.02.2026
Darsteller: Arslan Korkmaz, Luise Aschenbrenner als Laura, Zeynep Bozbay, Bashar Kanan, Janina Korn
Kamera: Rafael Starman
Verleih: Filmwelt, ProU Producers United / Filmwelt



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