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Chronos (2026)
Chronos - Fluss der Zeit
Volker Koepps neuer Dokumentarfilm verwebt fünf Jahrzehnte eigene Filmgeschichte mit den Erschütterungen der Gegenwart.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 3 Besucher eine Bewertung abgegeben.
In seinem Dokumentarfilm "Chronos – Fluss der Zeit" kehrt Volker Koepp in jene osteuropäische Region zwischen Ostsee und Schwarzem Meer zurück, die sein Werk seit Jahrzehnten prägt. Inspiriert von Johannes Bobrowskis "Sarmatische Zeit“, begibt sich der Regisseur auf eine Spurensuche, die neue Reisen mit Ausschnitten aus seinem umfangreichen Archiv verwebt. Im Zentrum stehen vier Frauen: die ukrainische Übersetzerin Tanja Hoggan-Kloubert, die moldauische Regisseurin Ana-Felicia Scutelnicu, die belarussische Dichterin Volha Hapeyeva und die Aktivistin Anetta Kahane. Ihre Lebenswege zwischen Herkunft, Migration und politischem Exil bilden das erzählerische Rückgrat. Der Film führt von den Ufern der Memel (dem antiken Chronos) bis nach Czernowitz und wird dabei unmittelbar vom russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine eingeholt. So entsteht ein vielschichtiger Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, in dem persönliche Erinnerungen auf die harten Zäsuren der aktuellen Weltpolitik treffen.
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Filmkritik
"Chronos - Fluss der Zeit": Pantha rei - Alles fließt
Volker Koepps "Chronos – Fluss der Zeit" ist weit mehr als eine bloße Fortsetzung seiner früheren Arbeiten; es ist ein monumentales Resümee eines lebenslangen filmischen Projekts. Der Titel ist dabei Programm: Er referenziert nicht nur die mythologische Personifizierung der Zeit, sondern auch jenen antiken Fluss in Sarmatien, den Koepp als Lebensader seiner Kinolandschaften begreift. Der Film ist eine Meditation über das Vergehen, das Beharren und die gewaltsamen Brüche in einer Region, die niemals zur Ruhe zu kommen scheint.
Wortlastiger als üblich
Das gestalterische Prinzip des Films ist die Verschränkung. Koepp nutzt sein eigenes Archiv aus fünf Jahrzehnten nicht als nostalgischen Rückblick, sondern als aktiven Gesprächspartner für die Gegenwart. Wenn er Aufnahmen aus dem Jahr 1972 mit aktuellen Bildern vom Kurischen Haff kontrastiert oder eine Ausgangssperre in Kabul 1983 mit der in Czernowitz 2023 parallelisiert, wird Zeitlichkeit physisch spürbar. Dann ist da noch der Bruch, den der Krieg erzwingt: Da Dreharbeiten mit großem Team in der Ukraine unmöglich wurden, filmte Koepp teilweise allein mit dem Smartphone. Diese unmittelbaren Bilder markieren eine ästhetische Zäsur, die den Verlust der gewohnten filmischen Ordnung widerzuspiegeln scheint.
Im Mittelpunkt des Films stehen diesmal weniger die Landschaften, für die Koepp berühmt ist, als vielmehr die Stimmen der vier Protagonistinnen. Durch Tanja Hoggan-Kloubert, Ana-Felicia Scutelnicu, Volha Hapeyeva und Anetta Kahane erhält der abstrakte Begriff "Europa" ein konkretes, oft schmerzhaftes Gesicht. Ihre Reflexionen über Identität und die Zerbrechlichkeit von Heimat sind von einer intellektuellen Klarheit geprägt, die dem Zuschauer hilft, die Komplexität osteuropäischer Geschichte jenseits von Schlagzeilen zu begreifen. Koepp beweist hier seine größte Stärke als Dokumentarist: das Zuhören. Er lässt Pausen zu, hält das Schweigen aus und gibt den Gedanken den Raum, den sie in unserer schnelllebigen Medienwelt kaum noch finden.
Wiedersehen macht Freude
Mit einer Laufzeit von über drei Stunden mutet der Film seinem Publikum eine Langsamkeit zu, die fast schon anachronistisch wirkt. Der Fluss der Bilder beginnt gelegentlich zu mäandern; Koepp springt zwischen Biografien und Epochen hin und her, verliert sich in Exkursen und kehrt erst spät zum Hauptstrom zurück. Doch genau dieses Ausufern ist die treffendste Metapher für das Thema: Zeit fließt nicht linear, sie bildet Schleifen und Altwasserarme. Für Kenner des Werks ist die Begegnung mit alten Bekannten wie "Herr Zwilling und Frau Zuckermann" ein Moment der Kontinuität. Für Neueinsteiger mag die Fülle des Materials fordernd sein, doch wer sich dem ruhigen, tastenden Rhythmus hingibt, wird mit tiefen Einsichten belohnt.
Fazit: "Chronos – Fluss der Zeit" ist ein leises, aber gewaltiges Alterswerk – eine persönliche Bilanz, die zeigt, dass Geschichte niemals abgeschlossen ist, sondern in den persönlichen Geschichten der Menschen stetig weiterfließt.
Volker Koepps "Chronos – Fluss der Zeit" ist weit mehr als eine bloße Fortsetzung seiner früheren Arbeiten; es ist ein monumentales Resümee eines lebenslangen filmischen Projekts. Der Titel ist dabei Programm: Er referenziert nicht nur die mythologische Personifizierung der Zeit, sondern auch jenen antiken Fluss in Sarmatien, den Koepp als Lebensader seiner Kinolandschaften begreift. Der Film ist eine Meditation über das Vergehen, das Beharren und die gewaltsamen Brüche in einer Region, die niemals zur Ruhe zu kommen scheint.
Wortlastiger als üblich
Das gestalterische Prinzip des Films ist die Verschränkung. Koepp nutzt sein eigenes Archiv aus fünf Jahrzehnten nicht als nostalgischen Rückblick, sondern als aktiven Gesprächspartner für die Gegenwart. Wenn er Aufnahmen aus dem Jahr 1972 mit aktuellen Bildern vom Kurischen Haff kontrastiert oder eine Ausgangssperre in Kabul 1983 mit der in Czernowitz 2023 parallelisiert, wird Zeitlichkeit physisch spürbar. Dann ist da noch der Bruch, den der Krieg erzwingt: Da Dreharbeiten mit großem Team in der Ukraine unmöglich wurden, filmte Koepp teilweise allein mit dem Smartphone. Diese unmittelbaren Bilder markieren eine ästhetische Zäsur, die den Verlust der gewohnten filmischen Ordnung widerzuspiegeln scheint.
Im Mittelpunkt des Films stehen diesmal weniger die Landschaften, für die Koepp berühmt ist, als vielmehr die Stimmen der vier Protagonistinnen. Durch Tanja Hoggan-Kloubert, Ana-Felicia Scutelnicu, Volha Hapeyeva und Anetta Kahane erhält der abstrakte Begriff "Europa" ein konkretes, oft schmerzhaftes Gesicht. Ihre Reflexionen über Identität und die Zerbrechlichkeit von Heimat sind von einer intellektuellen Klarheit geprägt, die dem Zuschauer hilft, die Komplexität osteuropäischer Geschichte jenseits von Schlagzeilen zu begreifen. Koepp beweist hier seine größte Stärke als Dokumentarist: das Zuhören. Er lässt Pausen zu, hält das Schweigen aus und gibt den Gedanken den Raum, den sie in unserer schnelllebigen Medienwelt kaum noch finden.
Wiedersehen macht Freude
Mit einer Laufzeit von über drei Stunden mutet der Film seinem Publikum eine Langsamkeit zu, die fast schon anachronistisch wirkt. Der Fluss der Bilder beginnt gelegentlich zu mäandern; Koepp springt zwischen Biografien und Epochen hin und her, verliert sich in Exkursen und kehrt erst spät zum Hauptstrom zurück. Doch genau dieses Ausufern ist die treffendste Metapher für das Thema: Zeit fließt nicht linear, sie bildet Schleifen und Altwasserarme. Für Kenner des Werks ist die Begegnung mit alten Bekannten wie "Herr Zwilling und Frau Zuckermann" ein Moment der Kontinuität. Für Neueinsteiger mag die Fülle des Materials fordernd sein, doch wer sich dem ruhigen, tastenden Rhythmus hingibt, wird mit tiefen Einsichten belohnt.
Fazit: "Chronos – Fluss der Zeit" ist ein leises, aber gewaltiges Alterswerk – eine persönliche Bilanz, die zeigt, dass Geschichte niemals abgeschlossen ist, sondern in den persönlichen Geschichten der Menschen stetig weiterfließt.
Markus Solty
Besetzung & Crew von "Chronos"
Land: DeutschlandJahr: 2026
Genre: Dokumentation
Originaltitel: Chronos - Fluss der Zeit
Länge: 198 Minuten
Kinostart: 12.03.2026
Regie: Ron Fricke
Kamera: Ron Fricke
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH





