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Rosebush Pruning (2026)
In seinem neuen Film zerlegt Karim Aïnouz eine wohlhabende Familie in ihre pervertierten Einzelteile.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
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Ed (Callum Turner) stammt aus einer stinkreichen Familie, die vor einigen Jahren aus den USA nach Spanien gezogen ist. Hier residiert er mit seinen Geschwistern Jack (Jamie Bell), Robert (Lukas Gage), Anna (Riley Keough) und ihrem blinden Vater (Tracy Letts) unweit von Barcelona in einer Villa in den katalanischen Bergen. Ihre Mutter (Pamela Anderson) wurde in einem nahegelegenen Wald von Wölfen zerfleischt, weshalb die Geschwister dort einmal im Monat ein totes Opferlamm ablegen, um das Wolfsrudel gnädig zu stimmen.
Ed uns seine Geschwister besitzen so viel Geld, dass sie für den Rest ihres Lebens ausgesorgt haben. Keiner von ihnen geht einer Arbeit nach, ihre Interessen bestehen in erster Linie aus Musik und teurer Mode. Dass sowohl Anna als auch Robert ihren älteren Bruder Jack begehren, verhehlen die Geschwister nicht. Als mit der Musikerin Martha (Elle Fanning) eine Frau in Jacks Leben tritt, die das Leben des Erstgeborenen für immer verändern könnte, eskaliert die ohnehin schon ungesunde Familiendynamik.
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Filmkritik
"Rosebush Pruning": Eine schrecklich missratene Sippe
Karim Aïnouz, 1966 als Sohn einer brasilianischen Mutter und eines algerischen Vaters in Fortaleza geboren, lebte schon in New York und wohnt heute in Berlin. Wie der Regisseur pendeln auch seine Filme zwischen den Welten und den Genres. Mal erzählen sie vom alten Europa, mal vom neuen Kontinent, mal von deren Verschränkung wie in "Praia do Futuro" (2014) oder jetzt in "Rosebush Pruning", oft von Fluchtbewegungen. Aïnouz' Werke sind Stammgäste bei den Filmfestivals in Cannes, Berlin und Venedig. Sein jüngster Film, eine Mischung aus Familiendrama, Gesellschaftssatire, Thriller und Groteske, lief im Wettbewerb der 76. Berlinale, bei der er völlig zu Recht jedoch leer ausging.
Familienfarce ohne Biss
Es handelt sich um Karim Aïnouz' zweites englischsprachiges Werk nach dem Kostümfilm "Firebrand" (2023) über Catherine Parr, die sechste und letzte Ehefrau des englischen Königs Heinrich VIII. (1491–1547). Während der Regisseur dieses Historiendrama als "psychologischen Horrorfilm" beschrieben hat, könnte man seinen neuesten Film "Rosebush Pruning" wohl am ehesten als "provokante Familienfarce" bezeichnen. Der Film ist lose von Marco Bellocchios Debütfilm "Mit der Faust in der Tasche" (1965; Originaltitel: "I pugni in tasca") inspiriert, reicht an dessen Potenzial, die Moralvorstellungen des zeitgenössischen Publikums herauszufordern, allerdings nicht heran.
Mehr als 60 Jahre nach Bellocchios Erstling mag die freizügige Verschränkung von Lust, Mord und Familie, die selbst vor Inzest und Missbrauch nicht zurückschreckt, konservative Gemüter nach wie vor erhitzen. Hartgesottene Cineasten lockt das allerdings nicht hinterm Ofen hervor. Vor allem aber bietet "Rosebush Pruning" nichts, was man nicht schon unzählige Male und um Längen besser auf der großen Leinwand gesehen hätte. Das illustre, von Callum Turner und Jamie Bell angeführte Ensemble, zu dem auch Pamela Anderson in einer absurden Nebenrolle zählt, ist sichtlich bemüht, bleibt jedoch deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Und dem Drehbuch aus der Feder von Efthymis Filippou, der für seine Zusammenarbeit mit Yorgos Lanthimos und die Co-Autorschaft solch brillanter Filme wie "Dogtooth" (2009) oder "The Lobster" (2015) bekannt ist, fehlt es an Biss.
Holzschnittartiges Sittengemälde
Immerhin sieht der Film blendend aus. Wie aus Karim Aïnouz' bisherigem Œuvre gewohnt, das visuell mal auf farbige Fieberträume von "Madame Satã" (2002) bis "Motel Destino" (2024) und mal auf traumhafte Trancezustände wie in "Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão" (2019) setzt, ist auch "Rosebush Pruning" wieder brillant und in intensiven Farben fotografiert. Leider bleibt die Geschichte zu oberflächlich und fällt die Kritik an einer von exzessivem Reichtum und patriarchalen Strukturen geprägten Gesellschaft allzu eindimensional und plakativ aus.
Fazit: Bei einem Film von Karim Aïnouz ist zumindest eins garantiert: So schnell wird einem nicht langweilig. Dank vieler grotesker Wendungen ist das auch bei "Rosebush Pruning" der Fall. Die topp besetzte Gesellschaftssatire und Familienfarce des in Berlin lebenden, brasilianischen Regisseurs sieht darüber hinaus fabelhaft aus. Dem Drehbuch dieses überdrehten Dramas fehlt jedoch der Biss. Und die vorgetragene Kritik an bestehenden Verhältnissen ist plakativ und ziemlich plump.
Karim Aïnouz, 1966 als Sohn einer brasilianischen Mutter und eines algerischen Vaters in Fortaleza geboren, lebte schon in New York und wohnt heute in Berlin. Wie der Regisseur pendeln auch seine Filme zwischen den Welten und den Genres. Mal erzählen sie vom alten Europa, mal vom neuen Kontinent, mal von deren Verschränkung wie in "Praia do Futuro" (2014) oder jetzt in "Rosebush Pruning", oft von Fluchtbewegungen. Aïnouz' Werke sind Stammgäste bei den Filmfestivals in Cannes, Berlin und Venedig. Sein jüngster Film, eine Mischung aus Familiendrama, Gesellschaftssatire, Thriller und Groteske, lief im Wettbewerb der 76. Berlinale, bei der er völlig zu Recht jedoch leer ausging.
Familienfarce ohne Biss
Es handelt sich um Karim Aïnouz' zweites englischsprachiges Werk nach dem Kostümfilm "Firebrand" (2023) über Catherine Parr, die sechste und letzte Ehefrau des englischen Königs Heinrich VIII. (1491–1547). Während der Regisseur dieses Historiendrama als "psychologischen Horrorfilm" beschrieben hat, könnte man seinen neuesten Film "Rosebush Pruning" wohl am ehesten als "provokante Familienfarce" bezeichnen. Der Film ist lose von Marco Bellocchios Debütfilm "Mit der Faust in der Tasche" (1965; Originaltitel: "I pugni in tasca") inspiriert, reicht an dessen Potenzial, die Moralvorstellungen des zeitgenössischen Publikums herauszufordern, allerdings nicht heran.
Mehr als 60 Jahre nach Bellocchios Erstling mag die freizügige Verschränkung von Lust, Mord und Familie, die selbst vor Inzest und Missbrauch nicht zurückschreckt, konservative Gemüter nach wie vor erhitzen. Hartgesottene Cineasten lockt das allerdings nicht hinterm Ofen hervor. Vor allem aber bietet "Rosebush Pruning" nichts, was man nicht schon unzählige Male und um Längen besser auf der großen Leinwand gesehen hätte. Das illustre, von Callum Turner und Jamie Bell angeführte Ensemble, zu dem auch Pamela Anderson in einer absurden Nebenrolle zählt, ist sichtlich bemüht, bleibt jedoch deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Und dem Drehbuch aus der Feder von Efthymis Filippou, der für seine Zusammenarbeit mit Yorgos Lanthimos und die Co-Autorschaft solch brillanter Filme wie "Dogtooth" (2009) oder "The Lobster" (2015) bekannt ist, fehlt es an Biss.
Holzschnittartiges Sittengemälde
Immerhin sieht der Film blendend aus. Wie aus Karim Aïnouz' bisherigem Œuvre gewohnt, das visuell mal auf farbige Fieberträume von "Madame Satã" (2002) bis "Motel Destino" (2024) und mal auf traumhafte Trancezustände wie in "Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão" (2019) setzt, ist auch "Rosebush Pruning" wieder brillant und in intensiven Farben fotografiert. Leider bleibt die Geschichte zu oberflächlich und fällt die Kritik an einer von exzessivem Reichtum und patriarchalen Strukturen geprägten Gesellschaft allzu eindimensional und plakativ aus.
Fazit: Bei einem Film von Karim Aïnouz ist zumindest eins garantiert: So schnell wird einem nicht langweilig. Dank vieler grotesker Wendungen ist das auch bei "Rosebush Pruning" der Fall. Die topp besetzte Gesellschaftssatire und Familienfarce des in Berlin lebenden, brasilianischen Regisseurs sieht darüber hinaus fabelhaft aus. Dem Drehbuch dieses überdrehten Dramas fehlt jedoch der Biss. Und die vorgetragene Kritik an bestehenden Verhältnissen ist plakativ und ziemlich plump.
Falk Straub
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Besetzung & Crew von "Rosebush Pruning"
Land: Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien, USAJahr: 2026
Genre: Thriller, Drama
Länge: 97 Minuten
Kinostart: 23.04.2026
Regie: Karim Ainouz
Darsteller: Elle Fanning, Callum Turner, Riley Keough, Jamie Bell, Lukas Gage
Kamera: Hélène Louvart
Verleih: MUBI
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