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Kinoleben - Uber das Arsenal in Tübingen und weitere Programmkinos (2026)
Kunstfilm versus KommerzKritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
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Am Beispiel des "Arsenal“-Programmkinos in Tübingen porträtiert der Dokumentarfilm das Ende einer Ära, da das Kino im Februar 2024 nach 50 Jahren geschlossen werden musste. Filmregisseur und Gründer Stefan Paul reflektiert mit Branchenvertretern die Entwicklung der Programmkinos von den Sechzigern bis heute und hebt deren Rolle als Stätten des neuen deutschen Kinos sowie der politischen Filmkunst hervor. Regisseur Goggo Gensch porträtiert Kino als Ort der Begegnung, der privatwirtschaftlich organisiert wird und zugleich den Balanceakt zwischen Kunst und Publikumsinteresse meistern muss.
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Filmkritik
Im Februar 2024 musste das Tübinger Programmkino "Arsenal“ seinen Betrieb nach 50-jährigem Bestehen einstellen. Zum Abschlussfilm wählte man passend Peter Bogdanovichs melancholisches Jugenddrama "Die letzte Vorstellung“. Auch der frisch in 4K digitalisierte Konzertfilm "Stop Making Sense“ mit Kultband Talking Heads erinnerte am vorletzten Abend an frühere Erfolge des eigenen Arsenal-Filmverleihs. Betreiber Stefan Paul konnte besonders in frühen Jahren mit Musikfilmen reüssieren. Gemeinsam mit dem Verleiher und Kinobetreiber begibt sich "Kinoleben - Über das Tübinger Arsenal und andere Programmkinos“ auf eine Zeitreise auf den Spuren der Programmkinos und ihrer Bedeutung.
Hierbei interviewte der Stuttgarter Regisseur, Kurator und Filmjournalist Goggo Gensch Mitarbeiter wie einen "Arsenal“-Filmvorführer, der seine Frau in dessen Kinokneipe kennenlernte, trauernde Fans bei der Mahnwachen-Beerdigung, Filmschaffende wie Wim Wenders oder Ulrich Tukur, Medienwissenschaftlerinnen wie Susanne Marschall von der Universität Tübingen, Oberbürgermeister Boris Palmer, Journalisten wie Knut Elstermann, Verleiher wie Michael Koelmel (Weltkino/Ex-Kinowelt) und weitere Kinobetreiber. Dies zeigt allerdings, dass die Reise in cineastische Gefilde streckenweise etwas ausfranzt, bevor sie am Ende wieder zurück zur Schließung des "Arsenals“ gelangt.
Stefan Paul, stets mit Kappe und Zigarillo unterwegs auf vielen Filmfestivals auf der Suche nach neuen Leinwandperlen, erinnert sich an seine Anfänge, als das Kino aus dem studentischen Umfeld geboren wurde. 1975 gründete Paul den Arsenal-Filmverleih, der neben Musikfilmen wie "Reggae Sunsplash“ (1979) unter eigener Regie mit der dialoglosen Anarcho-Satire "Themroc“ (1973), dem langlebigen Kultfilm "Diva“ (1981) oder John Waters provokanten Grotesken in den Off-Kinos Erfolge feiern konnte. Im Lauf der Jahrzehnte erweiterte er mit dem Stuttgarter Lupe-Kino, dem Tübinger Atelier und nach der Wende dem Leipziger Kino im Grassi-Museum seine Palette.
Der Grund für die Schließung kommentiert Paul pragmatisch: "Wir leben im Kapitalismus!“. Mietpreisspekulation nennt man als Ursache für das Ende zahlreicher traditioneller Häuser. Boris Palmer erklärte, die Stadt besäße nicht die notwendigen finanziellen Mittel, um die Immobilie zu betreiben, wozu später ein Gegenargument erfolgt.
Im Verlauf greift Goggo Gensch aktuelle Filme wie die Künstlerbiografie "Mit einem Tiger schlafen“ des Arsenal Verleihs auf. Wenn er im letzten Drittel den Blick auf weitere Filmkunst-Häuser wie das Wolf in Berlin oder das Kamino in Reutlingen weitet oder nach nachwirkenden Kinoeindrücken der Interviewten fragt, verliert er trotz des Untertitels das Thema zunehmend aus dem Blickfeld. Dass zu Zelluloid-Zeiten die Filme im Arsenal-Kino stets mit Pause gezeigt werden mussten, weil eine komplette Kopie nicht auf den Vorführteller passte, kommt bespielsweise nicht zur Sprache – es gehörte jedoch zum Charme des Hauses. Trotzdem lassen sich mit dem Streifzug durch deutsche Kinogeschichte und dem wehmütigen Abgesang manch erhellende Einsicht rund um das Sujet Kinokunst versus Kommerzialisierung finden.
Fazit: Eine Zeitreise zu den Anfängen der Programmkinos in den Siebzigern rund um die Schließung des "Arsenal“ samt Kinokneipe in Tübingen, die im letzten Drittel zunehmend zerfasert.
Hierbei interviewte der Stuttgarter Regisseur, Kurator und Filmjournalist Goggo Gensch Mitarbeiter wie einen "Arsenal“-Filmvorführer, der seine Frau in dessen Kinokneipe kennenlernte, trauernde Fans bei der Mahnwachen-Beerdigung, Filmschaffende wie Wim Wenders oder Ulrich Tukur, Medienwissenschaftlerinnen wie Susanne Marschall von der Universität Tübingen, Oberbürgermeister Boris Palmer, Journalisten wie Knut Elstermann, Verleiher wie Michael Koelmel (Weltkino/Ex-Kinowelt) und weitere Kinobetreiber. Dies zeigt allerdings, dass die Reise in cineastische Gefilde streckenweise etwas ausfranzt, bevor sie am Ende wieder zurück zur Schließung des "Arsenals“ gelangt.
Stefan Paul, stets mit Kappe und Zigarillo unterwegs auf vielen Filmfestivals auf der Suche nach neuen Leinwandperlen, erinnert sich an seine Anfänge, als das Kino aus dem studentischen Umfeld geboren wurde. 1975 gründete Paul den Arsenal-Filmverleih, der neben Musikfilmen wie "Reggae Sunsplash“ (1979) unter eigener Regie mit der dialoglosen Anarcho-Satire "Themroc“ (1973), dem langlebigen Kultfilm "Diva“ (1981) oder John Waters provokanten Grotesken in den Off-Kinos Erfolge feiern konnte. Im Lauf der Jahrzehnte erweiterte er mit dem Stuttgarter Lupe-Kino, dem Tübinger Atelier und nach der Wende dem Leipziger Kino im Grassi-Museum seine Palette.
Der Grund für die Schließung kommentiert Paul pragmatisch: "Wir leben im Kapitalismus!“. Mietpreisspekulation nennt man als Ursache für das Ende zahlreicher traditioneller Häuser. Boris Palmer erklärte, die Stadt besäße nicht die notwendigen finanziellen Mittel, um die Immobilie zu betreiben, wozu später ein Gegenargument erfolgt.
Im Verlauf greift Goggo Gensch aktuelle Filme wie die Künstlerbiografie "Mit einem Tiger schlafen“ des Arsenal Verleihs auf. Wenn er im letzten Drittel den Blick auf weitere Filmkunst-Häuser wie das Wolf in Berlin oder das Kamino in Reutlingen weitet oder nach nachwirkenden Kinoeindrücken der Interviewten fragt, verliert er trotz des Untertitels das Thema zunehmend aus dem Blickfeld. Dass zu Zelluloid-Zeiten die Filme im Arsenal-Kino stets mit Pause gezeigt werden mussten, weil eine komplette Kopie nicht auf den Vorführteller passte, kommt bespielsweise nicht zur Sprache – es gehörte jedoch zum Charme des Hauses. Trotzdem lassen sich mit dem Streifzug durch deutsche Kinogeschichte und dem wehmütigen Abgesang manch erhellende Einsicht rund um das Sujet Kinokunst versus Kommerzialisierung finden.
Fazit: Eine Zeitreise zu den Anfängen der Programmkinos in den Siebzigern rund um die Schließung des "Arsenal“ samt Kinokneipe in Tübingen, die im letzten Drittel zunehmend zerfasert.
Gregor Ries
Besetzung & Crew von "Kinoleben - Uber das Arsenal in Tübingen und weitere Programmkinos"
Land: DeutschlandJahr: 2026
Genre: Dokumentation
Länge: 102 Minuten
Kinostart: 12.03.2026
Regie: Goggo Gensch
Darsteller: Elmar Bux, Knut Elstermann, Lars Henrik Gass, Aelrun Goette, Felix Grassmann
Verleih: Arsenal





