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Wir Erben (2024)
Schweizer Dokumentarfilm über ein Vermächtnis, das einer Familie Kopfzerbrechen bereitet.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 2 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Der Schweizer Simon Baumann hat ein "Problem": Seine Eltern wollen ihm und seinem jüngeren Bruder Kilian ihren Biobauernhof in Frankreich vererben, den sie über Jahrzehnte hinweg mühevoll aufgebaut haben. Doch Simon, der als Filmemacher tätig ist, hat keinerlei Interesse an der Landwirtschaft und Kilian betreibt bereits seinen eigenen Hof in der Schweiz, den er von seinen Eltern vor deren Umzug nach Frankreich übernommen hatte.
Die Meinungen, wie mit dem Erbe verfahren werden soll, gehen in der Familie weit auseinander. Als gelernter Regisseur macht Simon Baumann das, was er am besten kann und hält die Diskussionen mit der Kamera fest. Dass sein Vater Ruedi Baumann, der aus einer Bauerndynastie, und seine Mutter Stephanie Baumann-Bieri, die aus einer Arbeiterfamilie stammt, beide fernsehbekannte Persönlichkeiten sind, die ihre eigenen Dickschädel haben, macht die Angelegenheit nicht gerade einfacher.
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Filmkritik
"Wir Erben": Nachlassgestalter
Der neue Dokumentarfilm von Simon Baumann ist preisgekrönt; hat unter anderem den Schweizer Filmpreis gewonnen. Im Zentrum steht ein Biobauernhof in Frankreich und die Frage, ob dieser einmal innerhalb der Familie vererbt, außerfamiliär veräußert oder gar verschenkt werden soll; beispielsweise an eine gemeinnützige Stiftung. Schnell bilden sich zwei Fraktionen: Während Vater Ruedi Baumann und sein jüngerer Sohn Kilian sich für den Verbleib des Hofs in Familienhand starkmachen, sind Mutter Stephanie Baumann-Bieri und Simon Baumann einer Schenkung nicht abgeneigt.
Die gleichermaßen kritische wie empathische dokumentarische Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe steckt voller toller Momente. Einer davon ist besonders bezeichnend: Als Ruedi Baumann die Größe der Erbschaft herunterspielt, muss ihn sein Sohn Simon, der fast ausschließlich aus dem filmischen Off agiert, daran erinnern, dass es ganz schön viel sei, was hier vererbt werden würde. Immerhin geht es um Vermögenswerte, die an der Millionen-Marke kratzen. Einmal ganz abgesehen davon, dass Simon und Kilian Baumann von ihren Eltern bereits Häuser und Grundstücke in der Schweiz geerbt hatten, als diese ihrer alten Heimat den Rücken gekehrt und nach Frankreich gezogen waren.
Streitbare Hinterlassenschaft
Dass wir uns nicht falsch verstehen, Simon Baumann ist kein Altruist. Die von seinen Eltern geerbte alte Ölmühle im Schweizerischen Suberg, wo Baumann aufgewachsen ist und bis heute lebt, möchte er nicht missen. Denn der Regisseur weiß: "Die Welt gehört denen, die erben", wie er es in seiner Doku selbst formuliert. Um eben diese Fragen, also um die nach der Gerechtigkeit zwischen den Generationen, nach der ungleichen Verteilung der Vermögen und den damit einhergehenden unterschiedlichen Startchancen ins Leben sowie nach der Nachhaltigkeit von Besitz dreht sich Simon Baumanns Film.
Spannend ist dabei vor allem zu sehen, was der Besitz aus Menschen macht. Ruedi und seine Frau Stephanie sind nicht nur Landwirte, sie waren auch Nationalräte und setzten sich politisch für eine naturnahe Landwirtschaft, für Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein. Für beide waren und sind dies auch immer Themen, die mit Gerechtigkeit zu tun haben. Dass ein Mann wie Ruedi Baumann, der seinen Kindern nicht einmal neue Kleidung kaufte, sondern sie stattdessen alte Kleidungsstücke von Verwandten auftragen ließ, am Ende eines langen Erwerbslebens so sehr an seinem Besitz klebt, ist ganz erstaunlich. Die Gründe dafür – ob es an der Wertschätzung für das mit den eigenen Händen Erarbeitete, am Wettbewerbsvorteil für die eigenen Kinder und Enkel oder einfach nur daran liegt, einem Staat, der die Reichen bevorzugt, nicht aus falsch verstandenem Idealismus etwas abzugeben – bleibt offen.
Dass Simon Baumann ein solches Erbe wiederum womöglich deshalb ausschlägt, weil es zu einer Belastung werden kann, das sind Luxusprobleme, von denen all jene, die nie in ihrem Leben etwas erben werden, nur träumen können. Auch dessen ist sich der Regisseur bewusst. Die Diskussion ist eröffnet.
Fazit: In seinem mit dem Schweizer Filmpreis prämierten Dokumentarfilm "Wir Erben" setzt sich der Regisseur Simon Baumann ebenso kritisch wie charmant mit seinem potenziellen Erbe auseinander. Es geht um Fragen der Gerechtigkeit und darum, wie sinnvoll es ist, an den eigenen Idealen festzuhalten. Eine unterhaltsame Doku, die zum Diskutieren anregt.
Der neue Dokumentarfilm von Simon Baumann ist preisgekrönt; hat unter anderem den Schweizer Filmpreis gewonnen. Im Zentrum steht ein Biobauernhof in Frankreich und die Frage, ob dieser einmal innerhalb der Familie vererbt, außerfamiliär veräußert oder gar verschenkt werden soll; beispielsweise an eine gemeinnützige Stiftung. Schnell bilden sich zwei Fraktionen: Während Vater Ruedi Baumann und sein jüngerer Sohn Kilian sich für den Verbleib des Hofs in Familienhand starkmachen, sind Mutter Stephanie Baumann-Bieri und Simon Baumann einer Schenkung nicht abgeneigt.
Die gleichermaßen kritische wie empathische dokumentarische Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe steckt voller toller Momente. Einer davon ist besonders bezeichnend: Als Ruedi Baumann die Größe der Erbschaft herunterspielt, muss ihn sein Sohn Simon, der fast ausschließlich aus dem filmischen Off agiert, daran erinnern, dass es ganz schön viel sei, was hier vererbt werden würde. Immerhin geht es um Vermögenswerte, die an der Millionen-Marke kratzen. Einmal ganz abgesehen davon, dass Simon und Kilian Baumann von ihren Eltern bereits Häuser und Grundstücke in der Schweiz geerbt hatten, als diese ihrer alten Heimat den Rücken gekehrt und nach Frankreich gezogen waren.
Streitbare Hinterlassenschaft
Dass wir uns nicht falsch verstehen, Simon Baumann ist kein Altruist. Die von seinen Eltern geerbte alte Ölmühle im Schweizerischen Suberg, wo Baumann aufgewachsen ist und bis heute lebt, möchte er nicht missen. Denn der Regisseur weiß: "Die Welt gehört denen, die erben", wie er es in seiner Doku selbst formuliert. Um eben diese Fragen, also um die nach der Gerechtigkeit zwischen den Generationen, nach der ungleichen Verteilung der Vermögen und den damit einhergehenden unterschiedlichen Startchancen ins Leben sowie nach der Nachhaltigkeit von Besitz dreht sich Simon Baumanns Film.
Spannend ist dabei vor allem zu sehen, was der Besitz aus Menschen macht. Ruedi und seine Frau Stephanie sind nicht nur Landwirte, sie waren auch Nationalräte und setzten sich politisch für eine naturnahe Landwirtschaft, für Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein. Für beide waren und sind dies auch immer Themen, die mit Gerechtigkeit zu tun haben. Dass ein Mann wie Ruedi Baumann, der seinen Kindern nicht einmal neue Kleidung kaufte, sondern sie stattdessen alte Kleidungsstücke von Verwandten auftragen ließ, am Ende eines langen Erwerbslebens so sehr an seinem Besitz klebt, ist ganz erstaunlich. Die Gründe dafür – ob es an der Wertschätzung für das mit den eigenen Händen Erarbeitete, am Wettbewerbsvorteil für die eigenen Kinder und Enkel oder einfach nur daran liegt, einem Staat, der die Reichen bevorzugt, nicht aus falsch verstandenem Idealismus etwas abzugeben – bleibt offen.
Dass Simon Baumann ein solches Erbe wiederum womöglich deshalb ausschlägt, weil es zu einer Belastung werden kann, das sind Luxusprobleme, von denen all jene, die nie in ihrem Leben etwas erben werden, nur träumen können. Auch dessen ist sich der Regisseur bewusst. Die Diskussion ist eröffnet.
Fazit: In seinem mit dem Schweizer Filmpreis prämierten Dokumentarfilm "Wir Erben" setzt sich der Regisseur Simon Baumann ebenso kritisch wie charmant mit seinem potenziellen Erbe auseinander. Es geht um Fragen der Gerechtigkeit und darum, wie sinnvoll es ist, an den eigenen Idealen festzuhalten. Eine unterhaltsame Doku, die zum Diskutieren anregt.
Falk Straub
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Besetzung & Crew von "Wir Erben"
Land: DeutschlandJahr: 2024
Genre: Dokumentation
Länge: 96 Minuten
Kinostart: 23.04.2026
Regie: Simon Baumann
Verleih: mindjazz pictures
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