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Kapodistrias (2025)
Griechisches Historiendrama über das erste Staatsoberhaupt Griechenlands nach der Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
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Ioannis Kapodistrias ist Diplomat im Dienst des russischen Zaren Alexander I. und bewegt sich mit sicherem Gespür auf dem politischen Parkett Europas. Auf dem Wiener Kongress verhandelt er erfolgreich im Namen Russlands, gewinnt Einfluss und steigt schließlich zum Außenminister auf. Trotz seiner Karriere verliert er jedoch nie sein eigentliches Ziel aus den Augen: die Befreiung seiner griechischen Heimat von der Herrschaft des Osmanischen Reiches. Nach der errungenen Unabhängigkeit kehrt Kapodistrias nach Griechenland zurück und übernimmt als Gouverneur Verantwortung für den jungen Staat. Mit großem Ehrgeiz treibt er Reformen voran, baut Verwaltung, Militär, Bildungswesen und Wirtschaft auf und versucht, stabile Strukturen zu schaffen. Doch sein kompromissloser Kurs sorgt nicht nur für Bewunderung, sondern auch für Widerstand innerhalb der eigenen Reihen. Politische Gegner formieren sich, Konflikte eskalieren – bis Kapodistrias’ Wirken schließlich ein gewaltsames Ende findet.
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Filmkritik
"Kapodistrias": Mehr Denkmal als Drama
Mit "Kapodistrias" bleibt Regisseur Iannis Smaragdis seiner Linie treu und widmet sich erneut einer historischen griechischen Persönlichkeit von großer nationaler Bedeutung. Schon in früheren Arbeiten hat er Figuren wie El Greco oder Nikos Kazantzakis filmisch geehrt – stets mit einem klaren Interesse an kultureller Selbstvergewisserung. Auch dieses Mal geht es weniger um eine neue Perspektive als um ein Denkmal in Filmform. Kein Wunder also, dass das Werk in Griechenland auf viel Zuspruch gestoßen ist.
Doch das Problem liegt genau in dieser Herangehensweise. "Kapodistrias" ist ein streng linear erzähltes Biopic, das seine Hauptfigur nicht hinterfragt, sondern feierlich überhöht. Smaragdis zeichnet seinen Protagonisten als nahezu sakrale Gestalt – ein Mann mit Mission, getragen von Opferbereitschaft und historischer Bestimmung. Das hat Wucht, keine Frage, nimmt der Figur aber zugleich jede Ambivalenz. Der Film bewegt sich damit stellenweise gefährlich nah an einer Hagiographie, in der Widersprüche keinen Platz haben.
Dabei bringt Antonis Myriagos in der Titelrolle durchaus das nötige Charisma mit. Seine ruhige Präsenz und die kontrollierte Intensität passen gut zu der Figur des Staatsmannes. Doch das Drehbuch lässt ihm kaum Raum, mehr zu zeigen als Würde und Entschlossenheit. Der Mensch hinter der Ikone bleibt unsichtbar – und genau das macht es schwer, emotional wirklich anzudocken. Auf der Gegenseite sieht es nicht besser aus: Figuren wie Metternich oder die innergriechischen Gegner bleiben blass und erfüllen vor allem ihre Funktion als Gegenspieler.
Auch inszenatorisch wirkt der Film erstaunlich konservativ. Viele Bilder erinnern eher an historische Fernsehproduktionen vergangener Jahrzehnte als an modernes Kino. Es fehlt an einer klaren visuellen Handschrift, an Mut zur Interpretation. Besonders die zahlreichen Innenaufnahmen im Kerzenlicht sollen Atmosphäre schaffen, wirken aber oft eher diffus als bewusst gestaltet. Das Ergebnis ist ein Look, der nicht reduziert wirkt, sondern schlicht etwas unentschlossen.
Eine echte Stärke ist hingegen die Musik von Minos Matsas. Sein Score verleiht dem Film eine emotionale Ebene, die das Bild allein nicht immer erreicht. Vor allem das zentrale Thema bleibt im Ohr und trägt den pathetischen Ton der Inszenierung erstaunlich gut.
Der große Erfolg in Griechenland erklärt sich daher weniger aus filmischer Innovation als aus der Bedeutung der erzählten Geschichte. Kapodistrias als Gründungsfigur des modernen Staates bekommt hier das erwartbare filmische Denkmal. Für ein heimisches Publikum funktioniert das – international dürfte die sehr eindeutige Perspektive jedoch eher auf Distanz stoßen.
Interessant bleibt dennoch ein Nebenaspekt: Wenn solche Produktionen vermehrt im Original in deutschen Kinos laufen, könnten sie dem griechischen Kino insgesamt mehr Sichtbarkeit verschaffen. Wünschenswert wäre das allemal – idealerweise verbunden mit Filmen, die nicht nur historisch relevant sind, sondern auch formal mehr Risiko eingehen.
Fazit: "Kapodistrias“ ist ein klassisch erzähltes, ehrfürchtiges Biopic, das seine Hauptfigur bewusst zum makellosen Nationalhelden stilisiert. Schauspiel und Musik setzen dabei klare Akzente, doch die fehlende Ambivalenz und die visuell wenig inspirierte Inszenierung verhindern, dass der Film übers Denkmalhafte hinauswächst.
Mit "Kapodistrias" bleibt Regisseur Iannis Smaragdis seiner Linie treu und widmet sich erneut einer historischen griechischen Persönlichkeit von großer nationaler Bedeutung. Schon in früheren Arbeiten hat er Figuren wie El Greco oder Nikos Kazantzakis filmisch geehrt – stets mit einem klaren Interesse an kultureller Selbstvergewisserung. Auch dieses Mal geht es weniger um eine neue Perspektive als um ein Denkmal in Filmform. Kein Wunder also, dass das Werk in Griechenland auf viel Zuspruch gestoßen ist.
Doch das Problem liegt genau in dieser Herangehensweise. "Kapodistrias" ist ein streng linear erzähltes Biopic, das seine Hauptfigur nicht hinterfragt, sondern feierlich überhöht. Smaragdis zeichnet seinen Protagonisten als nahezu sakrale Gestalt – ein Mann mit Mission, getragen von Opferbereitschaft und historischer Bestimmung. Das hat Wucht, keine Frage, nimmt der Figur aber zugleich jede Ambivalenz. Der Film bewegt sich damit stellenweise gefährlich nah an einer Hagiographie, in der Widersprüche keinen Platz haben.
Dabei bringt Antonis Myriagos in der Titelrolle durchaus das nötige Charisma mit. Seine ruhige Präsenz und die kontrollierte Intensität passen gut zu der Figur des Staatsmannes. Doch das Drehbuch lässt ihm kaum Raum, mehr zu zeigen als Würde und Entschlossenheit. Der Mensch hinter der Ikone bleibt unsichtbar – und genau das macht es schwer, emotional wirklich anzudocken. Auf der Gegenseite sieht es nicht besser aus: Figuren wie Metternich oder die innergriechischen Gegner bleiben blass und erfüllen vor allem ihre Funktion als Gegenspieler.
Auch inszenatorisch wirkt der Film erstaunlich konservativ. Viele Bilder erinnern eher an historische Fernsehproduktionen vergangener Jahrzehnte als an modernes Kino. Es fehlt an einer klaren visuellen Handschrift, an Mut zur Interpretation. Besonders die zahlreichen Innenaufnahmen im Kerzenlicht sollen Atmosphäre schaffen, wirken aber oft eher diffus als bewusst gestaltet. Das Ergebnis ist ein Look, der nicht reduziert wirkt, sondern schlicht etwas unentschlossen.
Eine echte Stärke ist hingegen die Musik von Minos Matsas. Sein Score verleiht dem Film eine emotionale Ebene, die das Bild allein nicht immer erreicht. Vor allem das zentrale Thema bleibt im Ohr und trägt den pathetischen Ton der Inszenierung erstaunlich gut.
Der große Erfolg in Griechenland erklärt sich daher weniger aus filmischer Innovation als aus der Bedeutung der erzählten Geschichte. Kapodistrias als Gründungsfigur des modernen Staates bekommt hier das erwartbare filmische Denkmal. Für ein heimisches Publikum funktioniert das – international dürfte die sehr eindeutige Perspektive jedoch eher auf Distanz stoßen.
Interessant bleibt dennoch ein Nebenaspekt: Wenn solche Produktionen vermehrt im Original in deutschen Kinos laufen, könnten sie dem griechischen Kino insgesamt mehr Sichtbarkeit verschaffen. Wünschenswert wäre das allemal – idealerweise verbunden mit Filmen, die nicht nur historisch relevant sind, sondern auch formal mehr Risiko eingehen.
Fazit: "Kapodistrias“ ist ein klassisch erzähltes, ehrfürchtiges Biopic, das seine Hauptfigur bewusst zum makellosen Nationalhelden stilisiert. Schauspiel und Musik setzen dabei klare Akzente, doch die fehlende Ambivalenz und die visuell wenig inspirierte Inszenierung verhindern, dass der Film übers Denkmalhafte hinauswächst.
Markus Solty
Besetzung & Crew von "Kapodistrias"
Land: GriechenlandJahr: 2025
Genre: Drama, Historie
Länge: 140 Minuten
FSK: 6
Kinostart: 16.04.2026
Regie: Yannis Smaragdis
Darsteller: Antonis Myriagos als Ioannis Kapodistrias, Finbar Lynch als Klemens von Metternich, Nikorestis Chaniotakis als Nikodimos, Pavlos Kourtidis als Kostantinos Mavromichalis, Jean James Sutton als Mason
Kamera: Aris Stavrou
Verleih: Kinostar





