
© Plaion Pictures
The Love That Remains (2026)
Ástin sem eftir er
Poetisches Familiendrama über das Leben nach der Trennung – inszeniert von Hlynur Pálmason.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben bislang 0 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Anna (Saga Garðarsdóttir) und Magnús (Sverrir Gudnason) leben mit ihren drei Kindern auf einem abgelegenen Hof in Island. Als ihre Beziehung zerbricht, ist die eigentliche Trennung bereits vollzogen. Statt nach den Ursachen des Scheiterns zu suchen, richtet sich der Blick auf das Danach: auf einen Alltag, der neu organisiert werden muss, auf Routinen, die sich langsam verschieben, und auf familiäre Bindungen, die trotz räumlicher und emotionaler Distanz bestehen bleiben.
Während Anna versucht, ihre Rolle als Mutter mit ihrem künstlerischen Anspruch in Einklang zu bringen, verbringt Magnús lange Zeit auf See. Die Kinder erleben die Veränderungen weniger als dramatischen Bruch denn als allmähliche Neuordnung ihrer Welt. Über den Verlauf eines Jahres begleitet der Film die Familie durch die Jahreszeiten und beobachtet, wie sich Nähe, Verlust und Zusammenhalt in neuen Formen manifestieren.
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Filmkritik
"The Love That Remains": Zwischen Erinnerung und Neuanfang
Mit "The Love That Remains" bleibt Hlynur Pálmason seinen zentralen Themen treu. Wie schon in "Weißer weißer Tag" oder "Godland" interessiert ihn weniger die klassische Handlung als das Verhältnis von Menschen zu Zeit, Landschaft und familiären Strukturen. Auch sein neuer Film erzählt keine Geschichte im herkömmlichen Sinn, sondern beobachtet einen Zustand – den langsamen Übergang von einer gemeinsamen Vergangenheit in eine ungewisse Zukunft.
Die vier Jahreszeiten geben dem Film seine Struktur und verleihen ihm eine natürliche Dramaturgie. Erneut wird die isländische Landschaft zum Spiegel innerer Prozesse. Wind, Regen, Licht und Nebel sind dabei weit mehr als atmosphärische Kulisse. Pálmason erschafft Bilder von großer Schönheit und Eindringlichkeit, in denen sich emotionale Zustände oft stärker ausdrücken als in den Dialogen selbst. Visuell bewegt sich der Film auf gewohnt hohem Niveau und erinnert mit seiner ruhigen, kontemplativen Erzählweise stellenweise an Ingmar Bergmans "Szenen einer Ehe" oder jüngere europäische Familiendramen wie Mia Hansen-Løves "An einem schönen Morgen".
Gerade darin liegt jedoch auch eine Schwäche des Films. Pálmason vertraut so sehr auf Beobachtung und Atmosphäre, dass die Dramaturgie mitunter ins Hintertreffen gerät. Viele Szenen wirken wie sorgfältig komponierte Momentaufnahmen aus einem Familienalbum. Für sich genommen besitzen sie große emotionale Wahrhaftigkeit, fügen sich aber nicht immer zu einem wirklich zwingenden Ganzen zusammen. Konflikte bleiben häufig angedeutet, emotionale Zuspitzungen werden bewusst vermieden. Das entspricht zwar der zurückhaltenden Erzählweise, erzeugt jedoch über längere Strecken eine gewisse Distanz.
Hinzu kommt, dass die Laufzeit von knapp zwei Stunden nicht immer die nötige Dynamik entwickelt. Manche Passagen vermitteln eindrucksvoll das Vergehen der Zeit, wiederholen jedoch Motive und Situationen, deren Funktion längst etabliert ist. Wo Filme wie Joachim Triers "Der schlimmste Mensch der Welt" ähnliche Themen mit größerer emotionaler Beweglichkeit aufladen, bleibt "The Love That Remains" konsequent in seiner beobachtenden Haltung verhaftet. Das ist stimmig, aber nicht immer gleichermaßen fesselnd.
Vor dem bloßen Verharren in Stimmungen bewahrt den Film jedoch sein starkes Ensemble. Saga Garðarsdóttir trägt die Geschichte mit einer vielschichtigen Darstellung einer Frau, die zwischen Mutterrolle, Selbstverwirklichung und persönlicher Neuorientierung ihren Platz sucht. Sverrir Gudnason überzeugt als emotional verschlossener Fischer, dessen Gefühle meist hinter Arbeit und Routine verborgen bleiben. Beide verleihen ihren Figuren eine Natürlichkeit, die hervorragend zu Pálmasons beinahe dokumentarischem Zugriff passt.
Für zusätzliche Wärme sorgen die Kinder sowie der Hund Panda, der 2025 in Cannes mit dem Palm Dog ausgezeichnet wurde. Ihre Szenen bringen einen leisen Humor und eine Lebendigkeit in den Film, die verhindern, dass die melancholische Grundstimmung zu schwer wird. Gerade in diesen Momenten findet Pálmason jene Balance zwischen Melancholie und Leichtigkeit, die dem Film insgesamt noch stärker gutgetan hätte.
Fazit: "The Love That Remains" ist ein sorgfältig beobachtetes und visuell beeindruckendes Familiendrama über das Leben nach einer Trennung. Die poetischen Bilder, die starken Darstellerleistungen und der sensible Blick auf familiäre Veränderungen machen den Film sehenswert. Gleichzeitig verliert sich Hlynur Pálmason mitunter zu sehr in Atmosphären und Momentaufnahmen, sodass die emotionale Wucht seiner Themen nicht immer die Kraft entwickelt, die sie verspricht. Ein eleganter Arthouse-Film, der jedoch nicht wirklich mitzureißen vermag.
Mit "The Love That Remains" bleibt Hlynur Pálmason seinen zentralen Themen treu. Wie schon in "Weißer weißer Tag" oder "Godland" interessiert ihn weniger die klassische Handlung als das Verhältnis von Menschen zu Zeit, Landschaft und familiären Strukturen. Auch sein neuer Film erzählt keine Geschichte im herkömmlichen Sinn, sondern beobachtet einen Zustand – den langsamen Übergang von einer gemeinsamen Vergangenheit in eine ungewisse Zukunft.
Die vier Jahreszeiten geben dem Film seine Struktur und verleihen ihm eine natürliche Dramaturgie. Erneut wird die isländische Landschaft zum Spiegel innerer Prozesse. Wind, Regen, Licht und Nebel sind dabei weit mehr als atmosphärische Kulisse. Pálmason erschafft Bilder von großer Schönheit und Eindringlichkeit, in denen sich emotionale Zustände oft stärker ausdrücken als in den Dialogen selbst. Visuell bewegt sich der Film auf gewohnt hohem Niveau und erinnert mit seiner ruhigen, kontemplativen Erzählweise stellenweise an Ingmar Bergmans "Szenen einer Ehe" oder jüngere europäische Familiendramen wie Mia Hansen-Løves "An einem schönen Morgen".
Gerade darin liegt jedoch auch eine Schwäche des Films. Pálmason vertraut so sehr auf Beobachtung und Atmosphäre, dass die Dramaturgie mitunter ins Hintertreffen gerät. Viele Szenen wirken wie sorgfältig komponierte Momentaufnahmen aus einem Familienalbum. Für sich genommen besitzen sie große emotionale Wahrhaftigkeit, fügen sich aber nicht immer zu einem wirklich zwingenden Ganzen zusammen. Konflikte bleiben häufig angedeutet, emotionale Zuspitzungen werden bewusst vermieden. Das entspricht zwar der zurückhaltenden Erzählweise, erzeugt jedoch über längere Strecken eine gewisse Distanz.
Hinzu kommt, dass die Laufzeit von knapp zwei Stunden nicht immer die nötige Dynamik entwickelt. Manche Passagen vermitteln eindrucksvoll das Vergehen der Zeit, wiederholen jedoch Motive und Situationen, deren Funktion längst etabliert ist. Wo Filme wie Joachim Triers "Der schlimmste Mensch der Welt" ähnliche Themen mit größerer emotionaler Beweglichkeit aufladen, bleibt "The Love That Remains" konsequent in seiner beobachtenden Haltung verhaftet. Das ist stimmig, aber nicht immer gleichermaßen fesselnd.
Vor dem bloßen Verharren in Stimmungen bewahrt den Film jedoch sein starkes Ensemble. Saga Garðarsdóttir trägt die Geschichte mit einer vielschichtigen Darstellung einer Frau, die zwischen Mutterrolle, Selbstverwirklichung und persönlicher Neuorientierung ihren Platz sucht. Sverrir Gudnason überzeugt als emotional verschlossener Fischer, dessen Gefühle meist hinter Arbeit und Routine verborgen bleiben. Beide verleihen ihren Figuren eine Natürlichkeit, die hervorragend zu Pálmasons beinahe dokumentarischem Zugriff passt.
Für zusätzliche Wärme sorgen die Kinder sowie der Hund Panda, der 2025 in Cannes mit dem Palm Dog ausgezeichnet wurde. Ihre Szenen bringen einen leisen Humor und eine Lebendigkeit in den Film, die verhindern, dass die melancholische Grundstimmung zu schwer wird. Gerade in diesen Momenten findet Pálmason jene Balance zwischen Melancholie und Leichtigkeit, die dem Film insgesamt noch stärker gutgetan hätte.
Fazit: "The Love That Remains" ist ein sorgfältig beobachtetes und visuell beeindruckendes Familiendrama über das Leben nach einer Trennung. Die poetischen Bilder, die starken Darstellerleistungen und der sensible Blick auf familiäre Veränderungen machen den Film sehenswert. Gleichzeitig verliert sich Hlynur Pálmason mitunter zu sehr in Atmosphären und Momentaufnahmen, sodass die emotionale Wucht seiner Themen nicht immer die Kraft entwickelt, die sie verspricht. Ein eleganter Arthouse-Film, der jedoch nicht wirklich mitzureißen vermag.
Markus Solty
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Besetzung & Crew von "The Love That Remains"
Land: Island, Dänemark, Schweden, FrankreichJahr: 2026
Genre: Drama, Komödie
Originaltitel: Ástin sem eftir er
Länge: 109 Minuten
Kinostart: 18.06.2026
Regie: Hlynur Palmason
Darsteller: Saga Garðarsdóttir, Sverrir Gudnason, Ída Mekkín Hlynsdóttir
Verleih: Plaion Pictures






