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Scherbenland
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© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Scherbenland (2026)

Deutscher Dokumentarfilm über zwei aktuelle Kreuzberger Interpreten und ihre Beziehung zu Ton, Steine, Scherben.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4.0 / 5

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In den 1970er-Jahren avancierte die Band Ton, Steine, Scherben um ihren Sänger Rio Reise (1950–1996) zur Stimme der deutschen Gegenkultur. Alben wie "Keine Macht für Niemand" lieferten den Soundtrack der Berliner Hausbesetzerszene. Doch wie ist es heute um den politischen Protest in der Musiklandschaft bestellt? Gibt es angesichts von Themen wie Gentrifizierung und Ungleichheit auch heute noch "Rios" und "Scherben"?

Dieser Frage ist der Regisseur Lutz Pehnert in seinem Dokumentarfilm nachgegangen. Dafür hat er die Singer-Songwriterin Maike Rosa Vogel und die drei Bandmitglieder der Hip-Hop-Gruppe RAPK mit der Kamera durch Berlin-Kreuzberg begleitet.

Bildergalerie zum Film "Scherbenland"

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"Scherbenland": Zwei Erben der Scherben?

Bei Lutz Pehnerts neuer Dokumentation ist Vorsicht geboten. Denn der Titel des Films und wie dieser vom Verleih beworben wird, könnte beim Kinopublikum falsche Hoffnungen wecken. "Scherbenland" erzähle "von einer Band, deren erstes Album mit der Frage begann: 'Warum geht es mir so dreckig?' – und von einer Stadt, die durch ihre Lieder verändert wurde", ist auf der Homepage des Verleihs zu lesen. Die Rede ist natürlich von Ton, Steine, Scherben und ihrem Frontmann Rio Reiser (1950–1996). "Ihre Musik begleitet Hausbesetzungen, politische Kämpfe und die Suche nach einem anderen Leben", heißt es weiter. "Der Film folgt den Spuren dieser Zeit und fragt: Was ist von diesem Aufbruch geblieben? Und was passiert, wenn die Hymnen der Scherben auf die Songs der Gegenwart treffen?" All das stimmt zwar irgendwie, trifft gleichzeitig aber nur bedingt zu.

Wer einen Dokumentarfilm über Ton, Steine, Scherben und deren musikalische Nachfolger erwartet, wird enttäuscht werden. Denn "Scherbenland" erzählt gerade nicht von dieser wegweisenden Band, sondern nur von deren Zeit in Berlin-Kreuzberg in den 1970er-Jahren und selbst das nur rudimentär. Pehnert liefert somit keine Dokumentation der Bandgeschichte ab, sondern zeichnet gerade einmal besagte "Spuren dieser Zeit" nach. Wobei man sich angesichts der wenigen Archivaufnahmen von Rio Reiser & Co. ernsthaft die Frage stellen muss, ob die von ihnen hinterlassenen Spuren tatsächlich so markant gewesen sein können. (Das waren sie; nur enttäuscht der Film bezüglich deren Sichtbarmachung.)

Kreuzberger Musikeralltag

Stattdessen wird viel über Ton, Steine, Scherben und Rio Reiser geredet; allerdings nicht von Zeitgenossen und berühmten Wegbegleiterinnen wie Claudia Roth, die die Band einst managte, sondern von Nachgeborenen, die die Musik der Scherben erst für sich entdeckt haben, als es die Band schon gar nicht mehr gab. Es handelt sich um die Singer-Songwriterin Maike Rosa Vogel und die drei Bandmitglieder der Hip-Hop-Gruppe RAPK, Victor, Tariq und Gustav, die die eingangs zitierten "Songs der Gegenwart" komponieren, in denen der Geist der Scherben mal mehr mal weniger mitschwingt.

Dass sich der Regisseur auf lediglich zwei "Erben der Scherben" beschränkt, ist eher Schwäche als Stärke seines Films. Einerseits erhalten die von Lutz Pehnert mit der Kamera durch ihren Kreuzberger Alltag begleiteten Musiker dadurch mehr Raum. Andererseits bietet die Doku nur einen eng begrenzten Blick auf die vielfältige Berliner Musiklandschaft. Erschwerend hinzu kommt, dass die Rap-Crew – ganz anders als Maike Rosa Vogel – den Anschein erweckt, nur marginal von der Musik der Scherben beeinflusst worden zu sein. Die ideale "Besetzung" für einen Film mit einer solchen Prämisse sind die drei Bandmitglieder nicht.

Fazit: Der Dokumentarfilm "Scherbenland" des Regisseurs Lutz Pehnert liest sich auf dem Papier besser, als das fertige Werk letztlich geworden ist. Die Idee, nach den Spuren der Gruppe Ton, Steine, Scherben in der gegenwärtigen Kreuzberger Musiklandschaft zu suchen, ist gut, hätte in der Umsetzung aber deutlich mehr Vielfalt vertragen.




Besetzung & Crew von "Scherbenland"

Land: Deutschland
Jahr: 2026
Genre: Dokumentation, Musik
Kinostart: 30.04.2026
Regie: Lutz Pehnert, Ferdinand Hübner
Kamera: Thomas Lütz, Thomas Hering, Florian Geyer
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH



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