
© Salzgeber & Co. Medien GmbH
Kommunist (2026)
Dokumentation: Lutz Pehnert porträtiert den letzten DDR-Staatschef Egon Krenz und zeichnet dessen Lebensweg vom überzeugten Kommunisten zum umstrittenen Zeitzeugen nach. Dabei entsteht ein Film zwischen biografischer Annäherung und erinnerungspolitischer Kontroverse.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben bislang 0 Besucher eine Bewertung abgegeben.
In seinem Dokumentarfilm "Kommunist" begleitet Lutz Pehnert den ehemaligen DDR-Politiker Egon Krenz in dessen heutiges Leben an der Ostsee. In Gesprächen, Archivaufnahmen und Rückblicken zeichnet der Film den Weg des letzten SED-Generalsekretärs und Staatsratsvorsitzenden nach – von der Kindheit im Nachkriegsdeutschland über den Aufstieg innerhalb der Partei bis zu den dramatischen Wochen des Herbstes 1989. Zugleich blickt "Kommunist" auf Krenz’ Verurteilung wegen seiner Mitverantwortung für die Todesfälle an der deutsch-deutschen Grenze und zeigt einen Mann, der bis heute an seinen politischen Überzeugungen festhält.
Filmkritik
"Kommunist": Zwischen Porträt und Verklärung
Kaum eine Figur der deutschen Zeitgeschichte steht so sehr für das Ende der DDR wie Egon Krenz. Als letzter Staats- und Parteichef übernahm er die Führung eines Systems, das wenige Wochen später zusammenbrechen sollte. Dass Lutz Pehnert diesem Mann nun einen abendfüllenden Dokumentarfilm widmet, ist zunächst ein spannender Ansatz. Schließlich stellt sich die Frage, wie jemand auf sein politisches Leben zurückblickt, der einst zu den mächtigsten Personen der DDR gehörte und später für die Folgen des Grenzregimes verurteilt wurde.
"Kommunist" interessiert sich jedoch weniger für eine kritische Befragung dieser Biografie als für die Selbstsicht seines Protagonisten. Über weite Strecken folgt der Film Krenz’ Erzählungen von Hoffnung, sozialistischer Überzeugung und historischem Scheitern. Dabei entsteht ein ruhiges, oft nachdenkliches Porträt eines alten Mannes, der sein Leben bilanziert – allerdings eines, das nur selten entschieden widerspricht.
Die Macht der Selbsterzählung
Pehnert setzt auf lange Gespräche, Archivmaterial und eine weibliche Off-Stimme, die Krenz’ Erinnerungen und Gedanken wiedergibt. Dieser Kunstgriff erzeugt zwar eine gewisse Distanz zum historischen Akteur, verändert aber wenig daran, dass dessen Perspektive den Film dominiert. Krenz erhält viel Raum, seine Sicht auf die DDR, den Sozialismus und die Ereignisse von 1989 darzulegen.
Problematisch wird dies dort, wo zentrale Fragen nach Verantwortung und Schuld berührt werden. Zwar kommen Mauertote, politische Repression und die Rolle der SED-Führung zur Sprache, doch häufig bleiben Krenz’ Rechtfertigungen weitgehend unkommentiert stehen. Der Film vertraut darauf, dass das Publikum selbst einordnet, was es hört. Das kann man als Offenheit verstehen – oder als Ausweichen vor notwendiger Konfrontation.
Gerade weil Krenz keine Randfigur der DDR-Geschichte war, sondern Teil ihrer Machtelite, hätte man sich an vielen Stellen eine schärfere Auseinandersetzung gewünscht. Stattdessen wirkt "Kommunist“ häufig mehr daran interessiert, seinen Protagonisten verständlich zu machen als ihn kritisch zu hinterfragen.
Ambivalenz als Stärke – und Schwäche
Dabei besitzt der Film durchaus Qualitäten. Pehnert gelingt es, die Widersprüchlichkeit seiner Hauptfigur sichtbar zu machen. Der ehemalige Staatschef erscheint nicht als dämonischer Funktionär, sondern als Mensch mit Familie, Erinnerungen und festen Überzeugungen. Gerade in den Beobachtungen seines heutigen Lebens entwickelt "Kommunist" eine bemerkenswerte Nähe.
Doch genau darin liegt auch das Dilemma des Films. Die freundlichen Szenen in Dierhagen, die Gespräche mit interessierten Menschen oder die Auftritte bei Lesungen verleihen Krenz eine Alltäglichkeit, die mitunter in Spannung zu seiner historischen Verantwortung steht. Diese Spannung macht den Film interessant, wird aber selten produktiv zugespitzt. Statt kritischer Reibung entsteht oft der Eindruck einer gewissen Nachsicht.
Ein Film, der Debatten auslösen kann
Auch formal bleibt Pehnert seinem essayistischen Stil treu. Die Montage aus Archivmaterial, Gegenwartsaufnahmen und Off-Kommentar wirkt sorgfältig komponiert und entwickelt über die lange Laufzeit hinweg einen ruhigen Rhythmus. Besonders die Verwendung historischer DDR-Bilder erzeugt interessante Kontraste zwischen offizieller Propaganda und persönlicher Erinnerung. Allerdings fehlt dem Film gelegentlich die analytische Schärfe, um diese Bilder wirklich gegen die Erzählungen seines Protagonisten zu wenden.
Unabhängig von seiner Haltung erfüllt "Kommunist“ jedoch einen wichtigen Zweck: Er zwingt dazu, über Erinnerungspolitik, ostdeutsche Identität und den Umgang mit ehemaligen Funktionären der DDR neu nachzudenken. Gerade deshalb wäre es interessant gewesen, die Konflikte stärker in den Film selbst zu integrieren, statt sie überwiegend dem Publikum zu überlassen. So bleibt "Kommunist“ ein Werk, das Diskussionen anstößt, ohne immer die notwendigen Fragen konsequent zu stellen.
Fazit: "Kommunist" ist ein handwerklich überzeugendes und zweifellos diskussionswürdiges Porträt über Egon Krenz. Lutz Pehnert gelingt eine differenzierte Annäherung an eine hoch umstrittene Figur der deutschen Zeitgeschichte. Gleichzeitig lässt der Film seinen Protagonisten häufig zu unkritisch zu Wort kommen und verzichtet an entscheidenden Stellen auf eine konsequente Auseinandersetzung mit dessen Verantwortung für die DDR-Diktatur. Gerade dadurch wird "Kommunist" weniger zu einer kritischen Analyse als zu einem umstrittenen Beitrag im Streit um die Erinnerung an die DDR.
Kaum eine Figur der deutschen Zeitgeschichte steht so sehr für das Ende der DDR wie Egon Krenz. Als letzter Staats- und Parteichef übernahm er die Führung eines Systems, das wenige Wochen später zusammenbrechen sollte. Dass Lutz Pehnert diesem Mann nun einen abendfüllenden Dokumentarfilm widmet, ist zunächst ein spannender Ansatz. Schließlich stellt sich die Frage, wie jemand auf sein politisches Leben zurückblickt, der einst zu den mächtigsten Personen der DDR gehörte und später für die Folgen des Grenzregimes verurteilt wurde.
"Kommunist" interessiert sich jedoch weniger für eine kritische Befragung dieser Biografie als für die Selbstsicht seines Protagonisten. Über weite Strecken folgt der Film Krenz’ Erzählungen von Hoffnung, sozialistischer Überzeugung und historischem Scheitern. Dabei entsteht ein ruhiges, oft nachdenkliches Porträt eines alten Mannes, der sein Leben bilanziert – allerdings eines, das nur selten entschieden widerspricht.
Die Macht der Selbsterzählung
Pehnert setzt auf lange Gespräche, Archivmaterial und eine weibliche Off-Stimme, die Krenz’ Erinnerungen und Gedanken wiedergibt. Dieser Kunstgriff erzeugt zwar eine gewisse Distanz zum historischen Akteur, verändert aber wenig daran, dass dessen Perspektive den Film dominiert. Krenz erhält viel Raum, seine Sicht auf die DDR, den Sozialismus und die Ereignisse von 1989 darzulegen.
Problematisch wird dies dort, wo zentrale Fragen nach Verantwortung und Schuld berührt werden. Zwar kommen Mauertote, politische Repression und die Rolle der SED-Führung zur Sprache, doch häufig bleiben Krenz’ Rechtfertigungen weitgehend unkommentiert stehen. Der Film vertraut darauf, dass das Publikum selbst einordnet, was es hört. Das kann man als Offenheit verstehen – oder als Ausweichen vor notwendiger Konfrontation.
Gerade weil Krenz keine Randfigur der DDR-Geschichte war, sondern Teil ihrer Machtelite, hätte man sich an vielen Stellen eine schärfere Auseinandersetzung gewünscht. Stattdessen wirkt "Kommunist“ häufig mehr daran interessiert, seinen Protagonisten verständlich zu machen als ihn kritisch zu hinterfragen.
Ambivalenz als Stärke – und Schwäche
Dabei besitzt der Film durchaus Qualitäten. Pehnert gelingt es, die Widersprüchlichkeit seiner Hauptfigur sichtbar zu machen. Der ehemalige Staatschef erscheint nicht als dämonischer Funktionär, sondern als Mensch mit Familie, Erinnerungen und festen Überzeugungen. Gerade in den Beobachtungen seines heutigen Lebens entwickelt "Kommunist" eine bemerkenswerte Nähe.
Doch genau darin liegt auch das Dilemma des Films. Die freundlichen Szenen in Dierhagen, die Gespräche mit interessierten Menschen oder die Auftritte bei Lesungen verleihen Krenz eine Alltäglichkeit, die mitunter in Spannung zu seiner historischen Verantwortung steht. Diese Spannung macht den Film interessant, wird aber selten produktiv zugespitzt. Statt kritischer Reibung entsteht oft der Eindruck einer gewissen Nachsicht.
Ein Film, der Debatten auslösen kann
Auch formal bleibt Pehnert seinem essayistischen Stil treu. Die Montage aus Archivmaterial, Gegenwartsaufnahmen und Off-Kommentar wirkt sorgfältig komponiert und entwickelt über die lange Laufzeit hinweg einen ruhigen Rhythmus. Besonders die Verwendung historischer DDR-Bilder erzeugt interessante Kontraste zwischen offizieller Propaganda und persönlicher Erinnerung. Allerdings fehlt dem Film gelegentlich die analytische Schärfe, um diese Bilder wirklich gegen die Erzählungen seines Protagonisten zu wenden.
Unabhängig von seiner Haltung erfüllt "Kommunist“ jedoch einen wichtigen Zweck: Er zwingt dazu, über Erinnerungspolitik, ostdeutsche Identität und den Umgang mit ehemaligen Funktionären der DDR neu nachzudenken. Gerade deshalb wäre es interessant gewesen, die Konflikte stärker in den Film selbst zu integrieren, statt sie überwiegend dem Publikum zu überlassen. So bleibt "Kommunist“ ein Werk, das Diskussionen anstößt, ohne immer die notwendigen Fragen konsequent zu stellen.
Fazit: "Kommunist" ist ein handwerklich überzeugendes und zweifellos diskussionswürdiges Porträt über Egon Krenz. Lutz Pehnert gelingt eine differenzierte Annäherung an eine hoch umstrittene Figur der deutschen Zeitgeschichte. Gleichzeitig lässt der Film seinen Protagonisten häufig zu unkritisch zu Wort kommen und verzichtet an entscheidenden Stellen auf eine konsequente Auseinandersetzung mit dessen Verantwortung für die DDR-Diktatur. Gerade dadurch wird "Kommunist" weniger zu einer kritischen Analyse als zu einem umstrittenen Beitrag im Streit um die Erinnerung an die DDR.
Markus Solty
Besetzung & Crew von "Kommunist"
Land: DeutschlandJahr: 2026
Genre: Dokumentation
Länge: 123 Minuten
Kinostart: 11.06.2026
Regie: Lutz Pehnert
Darsteller: Egon Krenz
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH