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Junkies of Dreaming   Mahler 3 Currentzis
Junkies of Dreaming Mahler 3 Currentzis
© barnsteiner-film

Junkies of Dreaming – Mahler 3 Currentzis (2026)

Deutscher Dokumentarfilm über einen griechischen Dirigenten bei den Proben des Stücks eines berühmten österreichischen Komponisten.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 3 / 5
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Der 1972 in Athen geborene Teodor Currentzis zählt zu den kontrovers diskutierten Dirigenten der Gegenwart. Das 2022 von ihm gegründete Orchester Utopia hat mehr als 100 Mitglieder aus über 30 Nationen und residiert seit 2023 im Funkhaus in Berlin. In diesem 1951 errichteten Gebäude, in dem von 1956 bis 1990 der Rundfunk der DDR seinen Sitz hatte, finden unter Currentzis' Anleitung Tonaufnahmen zu Gustav Mahlers "3. Sinfonie" statt.

Der Regisseur Jan Schmidt-Garre hat die umfangreichen Proben zu den Tonaufnahmen mit der Kamera begleitet. Dazwischen befragt er Teodor Currentzis vor der Kamera und legt den Dirigenten auf die Couch, um sich die Aufnahmen anzuhören und sie zu kommentieren. Eingestreut werden kleine Spielszenen, die aus dem Off von Briefwechseln Gustav Mahlers begleitet werden.

Bildergalerie zum Film "Junkies of Dreaming – Mahler 3 Currentzis"

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"Junkies of Dreaming": Ein Dirigent auf der Couch

Teodor Currentzis provoziert. Auf und abseits der Bühne. Das unkonventionelle Erscheinungsbild des meist ganz in Schwarz gekleideten Dirigenten und seine eigenwilligen Interpretationen weltbekannter Werke brachten ihm wahlweise das Etikett als "Klassik-Rebell" (Deutsche Welle), "Bad Boy der klassischen Musik" (Neue Zürcher Zeitung) und "Rockstar der Klassik" (Mannheimer Morgen) ein. War sein Stil in Teilen der Fachpresse und des Publikums bereits vor dem Russisch-Ukrainischen Krieg umstritten, so ist es der 1972 in Athen geborene Currentzis seither auch politisch.

Der Grieche, der unter anderem am Sankt Petersburger Konservatorium studiert und lange Jahre in Russland gearbeitet hat, besitzt inzwischen auch die russische Staatsbürgerschaft. Currentzis gründete in Nowosibirsk 2004 das internationale Ensemble musicAeterna, das von 2011 bis 2019 in Perm residierte, bevor es seinen Sitz nach Sankt Petersburg verlegte. Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine distanzierte sich Currentzis nicht öffentlich von Wladimir Putins Regime oder dem Krieg. Presseberichten zufolge sei das musicAeterna-Ensemble stark von der zu großen Teilen staatlichen VTB-Bank abhängig. In der im Herbst 2022 erfolgten Gründung des internationalen Festivalorchesters Utopia, das seit 2023 im Funkhaus Berlin residiert, sehen manche lediglich eine Strategie des Dirigenten, Sanktionen des Westens zu umgehen.

Von all dem kommt im neuen Dokumentarfilm von Jan Schmidt-Garre nichts vor. Stattdessen macht der 1962 geborene Regisseur, was er am besten kann: sich auf die Musik und deren Wirkung konzentrieren.

Geballtes Fachwissen, ambitionierter Mix

Die Musik wurde Jan Schmidt-Garre in die Wiege gelegt. Sein Vater ist der Komponist und Musikwissenschaftlers Helmut Schmidt-Garre, seine Mutter die Opern- und Theaterkritikerin Beate Kayser. Er selbst studierte zunächst Philosophie, im Anschluss daran Filmregie und zudem Dirigieren und Musiktheorie bei Sergiu Celibidache (1912–1996). Mit seinem Fachwissen und der eigenen Produktionsfirma hat er mehrere musikbezogene Dokumentarfilme wie zuletzt "Fuoco sacro – Suche nach dem heiligen Feuer des Gesangs" (2021) und "Die Alchemie des Klaviers" (2024), Filmessays, aber auch Künstlerporträts über John Baldessari (1931–2020), Ólafur Elíasson oder Andreas Gursky gedreht. "Junkies of Dreaming" ist von allem etwas: in erster Linie ein Dokumentarfilm über die Proben und Tonaufnahmen von Mahlers "3. Sinfonie", ein kleines Porträt des dahinter stehenden Dirigenten und einige eingestreute essayistische Passagen über die Entstehung dieses bis heute bewegenden Musikstücks.

Schmidt-Garre ist sich der Kontroverse um Teodor Currentzis bewusst, hat diese aber ebenso bewusst aus seinem Film ausgeblendet. "Er äußert sich nicht zu Putin, weil er sich seine fantastischen Arbeitsbedingungen in St. Petersburg erhalten will", sagt der Regisseur in einem Interview zu seinem Film in Bezug auf Teodor Currentzis' Verhalten zum Russisch-Ukrainischen Krieg und im Hinblick auf das in Sankt Petersburg residierende musicAeterna-Ensemble. "Ich hatte auch überlegt, eine zweite Ebene einzubauen, in der ich das Thema problematisiere. Ich dachte an einen Briefwechsel zwischen Teodor und mir. Aber das funktionierte dramaturgisch nicht", äußert sich Schmidt-Garre weiter. Eine Hommage sieht er in "Junkies of Dreaming" deshalb aber noch lange nicht gegeben, denn seiner Meinung nach hat er keinen apologetischen Film gedreht. Vielmehr stelle sein Film "den Künstler Currentzis zur Diskussion. Man kann sich ja auch künstlerisch mit ihm auseinandersetzen, nicht nur politisch. Dazu bietet der Film eine differenzierte Grundlage", so Schmidt-Garre.

Das stimmt und trifft trotzdem nur in Teilen zu. Ja, es ist richtig, dass sich das Kinopublikum durch die dokumentarischen Aufnahmen von den Proben im Berliner Funkhaus, die eingestreuten Interviews mit dem Dirigenten und mehrere Szenen, in denen sich Teodor Currentzis die fertigen Aufnahmen im Liegen anhört und noch einmal durchlebt, ein gutes Bild von der Bühnenpersona Currentzis und dem Menschen dahinter machen kann. Wie differenziert besagte Grundlage ist, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Zwar ist es legitim, sich mit einem Künstler, selbst wenn er so umstritten ist wie Currentzis, "nicht nur politisch", sondern lediglich künstlerisch auseinanderzusetzen. Dafür wäre es allerdings hilfreich gewesen, wenn nicht nur der Porträtierte selbst zu Wort kommen würde. Zumindest die eine oder andere Stimme aus dem Orchester – völlig ungeachtet dessen, wie positiv oder kritisch sie ausgefallen wäre – hätte man sich als Zuschauer gewünscht.

In der vorliegenden Form bleibt ein leicht schiefer Eindruck zurück: von einem Vollblutmusiker, der akribisch an jedem einzelnen Takt feilt und sich dennoch nicht recht fassen lässt, weil er fleißig am eigenen Mythos bastelt und von Gustav Mahlers Komposition, die auch 130 Jahre nach ihrer Entstehung Monumentales in den Zuhörern auslöst. Die hört sich übrigens nicht nur exzellent an. Dank toll ausgeleuchteter Cinemascope-Aufnahmen sieht das Musizieren auch umwerfend aus.

Fazit: "Junkies of Dreaming" ist eine Mischung aus Dokumentarfilm, Künstlerporträt und essayistischen Einsprengseln über die Entstehung von Gustav Mahlers "3. Sinfonie". Während die akribische Arbeitsweise des Dirigenten Teodor Currentzis voll zur Geltung kommt, bekommt der Regisseur Jan Schmidt-Garre den porträtierten Musiker nie richtig zu fassen. Die politische Kontroverse um Currentzis blendet der Film zudem komplett aus. Das Ergebnis ist eine Dokumentation, bei der die Musik, deren Wirkung und der Weg dorthin im Zentrum stehen.




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Besetzung & Crew von "Junkies of Dreaming – Mahler 3 Currentzis"

Land: Deutschland
Jahr: 2026
Genre: Dokumentation, Musik
Länge: 90 Minuten
Kinostart: 15.10.2026
Darsteller: Teodor Currentzis, Wiebke Lehmkuhl, Eleni-Lydia Stamellou
Verleih: barnsteiner-film

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