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Simon Messner - Aus dem Schatten (2026)
Dokumentarfilm: Veronika Kaserer begleitet Simon Messner auf einer Expedition, erzählt dabei aber weniger von Gipfeln als von der Suche nach einer eigenen Identität.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Simon Messner, Sohn des Extrembergsteigers Reinhold Messner, begibt sich gemeinsam mit Martin Sieberer auf eine Expedition zum 6.754 Meter hohen Chumik Kangri im pakistanischen Karakorum. Parallel dazu zeichnet der Film ein vielschichtiges Porträt seines familiären Umfelds: In Gesprächen mit seiner Mutter Sabine Stehle, seiner Schwester Magdalena Messner und seiner Partnerin Anna Maria Mokina werden Fragen von Verantwortung, Angst und Selbstbestimmung verhandelt. Während die Vorbereitungen der Expedition voranschreiten und durch äußere Ereignisse wie den Tod von Laura Dahlmeier sowie eigene Verletzungen überschattet wird, verdichtet sich Simons innerer Konflikt zwischen persönlicher Freiheit, Vaterrolle und dem übergroßen Erbe seines berühmten Vaters.
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Filmkritik
"Simon Messner – Aus dem Schatten“: Selbstfindung im Angesicht eines übergroßen Namens
Einen Berg zu besteigen mag eine Frage von Technik, Ausdauer und Risikobereitschaft sein. Sich jedoch von einem Namen zu lösen, der längst selbst zum Mythos geworden ist, erweist sich als deutlich komplexere Herausforderung. Veronika Kaserers Dokumentarfilm "Simon Messner – Aus dem Schatten“ macht diesen inneren Konflikt zu seinem eigentlichen Zentrum und erzählt damit weit mehr als die Geschichte einer Expedition im Karakorum.
Bereits zu Beginn formuliert Simon Messner den zentralen Bruch mit seinem Vater: Hätte er das Bergsteigen aufgegeben, wäre die Beziehung möglicherweise erhalten geblieben. Doch genau diese Entscheidung hätte ihn seiner eigenen Identität beraubt. Der Film etabliert damit früh seinen Tonfall, der weniger auf äußere Dramatik als auf innere Spannungen setzt. Die Besteigung des Chumik Kangri fungiert dabei eher als Rahmen denn als eigentlicher dramaturgischer Motor.
Kaserer interessiert sich auffallend wenig für die gängigen Erzählmuster des Bergfilms. Zwar sind die Bilder aus dem Karakorum eindrucksvoll, doch sie werden nie zum Selbstzweck. Stattdessen richtet sich der Blick immer wieder auf jene, die zurückbleiben. In den Gesprächen mit Mutter, Schwester und Partnerin entsteht ein differenziertes Familienporträt, das die emotionalen Konsequenzen des Extrembergsteigens offenlegt. Angst, Verantwortung und die permanente Möglichkeit des Scheiterns oder Sterbens sind hier keine abstrakten Konzepte, sondern konkrete Realität.
Besonders prägnant verdichtet sich diese Perspektive in Simons eigener Einschätzung, Bergsteigen sei "wahnsinnig egoistisch“. Dieser Gedanke durchzieht den gesamten Film und gewinnt durch äußere Ereignisse zusätzliche Schwere. Der Tod Laura Dahlmeiers im Karakorum sowie Simons eigene Schulterverletzung verschieben den Fokus von der Leistung hin zur Fragilität des Unternehmens. Dass er zu diesem Zeitpunkt erst seit wenigen Monaten Vater ist, verstärkt die existenzielle Dimension der Expedition erheblich.
Auffällig ist auch der Umgang mit der Figur Reinhold Messners, der im Film selbst nicht auftritt, sondern nur in Archivaufnahmen zu sehen ist. Seine Abwesenheit wird jedoch nicht als Leerstelle inszeniert, sondern als produktiver Raum. Kaserer vermeidet eine einfache Konfrontation und lässt stattdessen unterschiedliche Perspektiven nebeneinander bestehen. Aussagen wie die harsche Einschätzung des Vaters nach einem Unfall erscheinen zunächst eindeutig, gewinnen jedoch im Kontext der familiären Gespräche eine neue Ambivalenz. Hinter der Strenge wird eine Form von Angst sichtbar, die sich mit der Sorge der Mutter spiegelt.
Gerade in dieser Offenheit liegt die Stärke des Films. "Simon Messner – Aus dem Schatten“ verweigert klare Urteile und hält Widersprüche bewusst aus. Simon erscheint weder als reiner Rebell noch als bloßer Erbe, sondern als reflektierter Protagonist, der seine eigene Lebensweise kontinuierlich hinterfragt. Diese Selbstreflexion unterscheidet den Film wohltuend von vielen dokumentarischen Bergsteigerporträts, die sich häufig auf das Spektakel konzentrieren.
Ganz ohne Schwächen bleibt die Inszenierung jedoch nicht. Im Mittelteil wiederholen sich einige Gesprächsmotive, wodurch der erzählerische Fluss ins Stocken gerät. Auch die eigentliche Besteigung entwickelt nicht die narrative Wucht, die die intensive Vorbereitung erwarten lässt. Mitunter wirkt der Berg stärker als Kulisse denn als eigenständiger dramatischer Raum.
Dennoch gelingt Kaserer ein bemerkenswert sensibles Porträt, das die Frage nach Identität, Verantwortung und familiärem Erbe ins Zentrum rückt. Der Film zeigt, dass der schwierigste Aufstieg nicht zwangsläufig über Eis und Fels führt, sondern durch die eigene Biografie.
Fazit: Ein kluges, vielschichtiges Porträt zwischen Bergfilm und Familienstudie, das weniger an der Oberfläche spektakulär ist als in seiner präzisen, differenzierten Auseinandersetzung mit Herkunft, Freiheit und Verantwortung.
Einen Berg zu besteigen mag eine Frage von Technik, Ausdauer und Risikobereitschaft sein. Sich jedoch von einem Namen zu lösen, der längst selbst zum Mythos geworden ist, erweist sich als deutlich komplexere Herausforderung. Veronika Kaserers Dokumentarfilm "Simon Messner – Aus dem Schatten“ macht diesen inneren Konflikt zu seinem eigentlichen Zentrum und erzählt damit weit mehr als die Geschichte einer Expedition im Karakorum.
Bereits zu Beginn formuliert Simon Messner den zentralen Bruch mit seinem Vater: Hätte er das Bergsteigen aufgegeben, wäre die Beziehung möglicherweise erhalten geblieben. Doch genau diese Entscheidung hätte ihn seiner eigenen Identität beraubt. Der Film etabliert damit früh seinen Tonfall, der weniger auf äußere Dramatik als auf innere Spannungen setzt. Die Besteigung des Chumik Kangri fungiert dabei eher als Rahmen denn als eigentlicher dramaturgischer Motor.
Kaserer interessiert sich auffallend wenig für die gängigen Erzählmuster des Bergfilms. Zwar sind die Bilder aus dem Karakorum eindrucksvoll, doch sie werden nie zum Selbstzweck. Stattdessen richtet sich der Blick immer wieder auf jene, die zurückbleiben. In den Gesprächen mit Mutter, Schwester und Partnerin entsteht ein differenziertes Familienporträt, das die emotionalen Konsequenzen des Extrembergsteigens offenlegt. Angst, Verantwortung und die permanente Möglichkeit des Scheiterns oder Sterbens sind hier keine abstrakten Konzepte, sondern konkrete Realität.
Besonders prägnant verdichtet sich diese Perspektive in Simons eigener Einschätzung, Bergsteigen sei "wahnsinnig egoistisch“. Dieser Gedanke durchzieht den gesamten Film und gewinnt durch äußere Ereignisse zusätzliche Schwere. Der Tod Laura Dahlmeiers im Karakorum sowie Simons eigene Schulterverletzung verschieben den Fokus von der Leistung hin zur Fragilität des Unternehmens. Dass er zu diesem Zeitpunkt erst seit wenigen Monaten Vater ist, verstärkt die existenzielle Dimension der Expedition erheblich.
Auffällig ist auch der Umgang mit der Figur Reinhold Messners, der im Film selbst nicht auftritt, sondern nur in Archivaufnahmen zu sehen ist. Seine Abwesenheit wird jedoch nicht als Leerstelle inszeniert, sondern als produktiver Raum. Kaserer vermeidet eine einfache Konfrontation und lässt stattdessen unterschiedliche Perspektiven nebeneinander bestehen. Aussagen wie die harsche Einschätzung des Vaters nach einem Unfall erscheinen zunächst eindeutig, gewinnen jedoch im Kontext der familiären Gespräche eine neue Ambivalenz. Hinter der Strenge wird eine Form von Angst sichtbar, die sich mit der Sorge der Mutter spiegelt.
Gerade in dieser Offenheit liegt die Stärke des Films. "Simon Messner – Aus dem Schatten“ verweigert klare Urteile und hält Widersprüche bewusst aus. Simon erscheint weder als reiner Rebell noch als bloßer Erbe, sondern als reflektierter Protagonist, der seine eigene Lebensweise kontinuierlich hinterfragt. Diese Selbstreflexion unterscheidet den Film wohltuend von vielen dokumentarischen Bergsteigerporträts, die sich häufig auf das Spektakel konzentrieren.
Ganz ohne Schwächen bleibt die Inszenierung jedoch nicht. Im Mittelteil wiederholen sich einige Gesprächsmotive, wodurch der erzählerische Fluss ins Stocken gerät. Auch die eigentliche Besteigung entwickelt nicht die narrative Wucht, die die intensive Vorbereitung erwarten lässt. Mitunter wirkt der Berg stärker als Kulisse denn als eigenständiger dramatischer Raum.
Dennoch gelingt Kaserer ein bemerkenswert sensibles Porträt, das die Frage nach Identität, Verantwortung und familiärem Erbe ins Zentrum rückt. Der Film zeigt, dass der schwierigste Aufstieg nicht zwangsläufig über Eis und Fels führt, sondern durch die eigene Biografie.
Fazit: Ein kluges, vielschichtiges Porträt zwischen Bergfilm und Familienstudie, das weniger an der Oberfläche spektakulär ist als in seiner präzisen, differenzierten Auseinandersetzung mit Herkunft, Freiheit und Verantwortung.
Markus Solty
TrailerAlle "Simon Messner - Aus dem Schatten"-Trailer anzeigen

Besetzung & Crew von "Simon Messner - Aus dem Schatten"
Land: DeutschlandJahr: 2026
Genre: Dokumentation
Länge: 90 Minuten
Kinostart: 07.07.2026
Regie: Veronika Kaserer
Verleih: LUF Kino GmbH
