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Von Scham und Geld (2026)
Shame and Money
Drama über eine notgedrungen vom Land in die Stadt gezogene Familie, die dort unterzugehen droht.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
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Hatixhe (Flonja Kodheli) und Shaban (Astrit Kabashi) bewirtschaften im ländlichen Kosovo einen kleinen Hof, auf dem die gesamte Großfamilie lebt. Neben dem Ehepaar und ihren drei Töchtern wohnen auch Shabans älterer Bruder Agim (Abdinaser Beka) mit seiner Familie, sein jüngerer Bruder Liridon (Tristan Halilaj) und seine kranke Mutter (Kumrije Hoxha) alle unter einem Dach. Als sie im Zuge von Liridons Verschwinden ihre Existenzgrundlage verlieren, ziehen Shaban, Hatixhe, die Kinder und deren Großmutter in die Stadt.
In Pristina kommt die Familie in einer Mietwohnung unter, die Hatixhes Schwager Alban (Alban Ukaj) organisiert hat. Der reiche Geschäftsmann ist mit Hatixhes Schwester Adelina (Fiona Gllavica) verheiratet und besitzt einen Nachtclub in Kosovos Hauptstadt, in dem er das Paar drei Tage in der Woche als Putzkräfte anstellt. Doch das Geld reicht kaum für die Miete, weshalb sich Shaban auf der Straße als Tagelöhner verdingt. Doch diese niedere Arbeit ist Shabans Schwippschwager Alban ein Dorn im Auge.
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Filmkritik
"Von Scham und Geld": Tagebuch eines Tagelöhners
Um zu erkennen, was in der eigenen Gesellschaft schiefläuft, hilft es, einen Schritt zurückzutreten und sie von außen zu betrachten. Visar Morina geht einen anderen Weg. In seinem dritten abendfüllenden Spielfilm blickt der 1979 in Pristina geborene Regisseur und Drehbuchautor auf den Kosovo, der damals noch zu Jugoslawien gehörte und den er im Alter von 15 Jahren an der Seite seiner Eltern in Richtung Deutschland verließ. Schon sein Debüt "Babai" (2015) spielte dort, während sein zweites Drama "Exil" (2020) in Deutschland angesiedelt war und von einem Einwanderer mit kosovarischen Wurzeln handelte.
Seinen aktuellen Langfilm begreift Morina als eine in der Gegenwart angesiedelte "alternative Geschichte meiner Eltern […] in einer ultrakapitalistischen Blase", wie er sagt. Morinas Blick auf den kleinen Kosovo, der laut dem Filmemacher seit der Unabhängigkeit 2008 vor sich hin dümpele, sei wie ein Blick in ein "Labor, in dem sich eine Gesellschaft zu formieren sucht". Und letzten Endes verrät dieser Blick auch viel über unser Leben in Deutschland, denn: "Gleichzeitig wirkt vieles auch wie ein Vorbote einer Entwicklung, die im Westen zwar schleichend, aber kaum zu ignorieren voranschreitet. Man braucht nur den Wohnungsmarkt oder die Geldverteilung der letzten Jahre zu betrachten."
Der Wert des Menschen
Im Zentrum steht ein von Flonja Kodheli und Astrit Kabashi beeindruckend gespieltes Ehepaar, das mit den gesellschaftlichen Umwälzungen ringt. Schon auf dem Land ist das Leben in der Großfamilie eines Bauernhofs hart und entbehrungsreich. Notgedrungen in die Hauptstadt gezogen, treten die Klassenunterschiede offen zutage. Hinter vorgetäuschter Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit verbergen sich Habgier, Überheblichkeit und Ausbeutung. Machtansprüche und Statusdenken beherrschen den Alltag. Bei Shaban, der von allen Seiten ständig zu hören bekommt, dass er "ein Guter" sei und trotzdem nicht für seine Familie sorgen kann, macht sich die Scham breit. Die knochenharten Jobs als Tagelöhner reiben ihn allmählich auf.
Anfangs stehen beide Ehepartner im Zentrum, doch je weiter die von Visar Morina gemeinsam mit der Co-Autorin Doruntina Basha verfasste Handlung voranschreitet, desto mehr verschiebt sich der Fokus auf Shaban. Mit dessen Darsteller Astrit Kabashi arbeitet Morina bereits zum vierten Mal zusammen. Und Kabashi ist auch dieses Mal hervorragend. Vergleichbar der Drucksituation in "Exil", schwillt die Belastung auch in "Von Scham und Geld" beständig an, bis der Familienvater unter ihr zusammenbricht und sich der Druck gewaltsam entlädt. Virtuos inszeniert, entpuppt sich der Gewaltakt allerdings nur als Traum. Statt sich den herablassenden Reichen blutig zu entledigen, beschützt Shaban in seinem neuen Job als Wachmann fortan ihren Schlaf. Eine starke Metapher einer schlafwandelnden Gesellschaft in einem Drama, das mit biblischen Anklängen beginnt und unter die Bilder der harschen Realität unserer Gegenwart auf der Tonspur erhebende folkloristische Gesänge mischt.
Fazit: In seinem dritten abendfüllenden Spielfilm ist der Regisseur und Drehbuchautor Visar Morina zurück in den Kosovo gekehrt, um von prekären Verhältnissen zu erzählen, die bald auch uns in Deutschland betreffen könnten. "Von Scham und Geld", das beim Sundance Film Festival den Grand Jury Prize erhalten hat, ist ein beeindruckend gespieltes, geschriebenes und inszeniertes Drama, das für seine Thematik starke Metaphern findet.
Um zu erkennen, was in der eigenen Gesellschaft schiefläuft, hilft es, einen Schritt zurückzutreten und sie von außen zu betrachten. Visar Morina geht einen anderen Weg. In seinem dritten abendfüllenden Spielfilm blickt der 1979 in Pristina geborene Regisseur und Drehbuchautor auf den Kosovo, der damals noch zu Jugoslawien gehörte und den er im Alter von 15 Jahren an der Seite seiner Eltern in Richtung Deutschland verließ. Schon sein Debüt "Babai" (2015) spielte dort, während sein zweites Drama "Exil" (2020) in Deutschland angesiedelt war und von einem Einwanderer mit kosovarischen Wurzeln handelte.
Seinen aktuellen Langfilm begreift Morina als eine in der Gegenwart angesiedelte "alternative Geschichte meiner Eltern […] in einer ultrakapitalistischen Blase", wie er sagt. Morinas Blick auf den kleinen Kosovo, der laut dem Filmemacher seit der Unabhängigkeit 2008 vor sich hin dümpele, sei wie ein Blick in ein "Labor, in dem sich eine Gesellschaft zu formieren sucht". Und letzten Endes verrät dieser Blick auch viel über unser Leben in Deutschland, denn: "Gleichzeitig wirkt vieles auch wie ein Vorbote einer Entwicklung, die im Westen zwar schleichend, aber kaum zu ignorieren voranschreitet. Man braucht nur den Wohnungsmarkt oder die Geldverteilung der letzten Jahre zu betrachten."
Der Wert des Menschen
Im Zentrum steht ein von Flonja Kodheli und Astrit Kabashi beeindruckend gespieltes Ehepaar, das mit den gesellschaftlichen Umwälzungen ringt. Schon auf dem Land ist das Leben in der Großfamilie eines Bauernhofs hart und entbehrungsreich. Notgedrungen in die Hauptstadt gezogen, treten die Klassenunterschiede offen zutage. Hinter vorgetäuschter Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit verbergen sich Habgier, Überheblichkeit und Ausbeutung. Machtansprüche und Statusdenken beherrschen den Alltag. Bei Shaban, der von allen Seiten ständig zu hören bekommt, dass er "ein Guter" sei und trotzdem nicht für seine Familie sorgen kann, macht sich die Scham breit. Die knochenharten Jobs als Tagelöhner reiben ihn allmählich auf.
Anfangs stehen beide Ehepartner im Zentrum, doch je weiter die von Visar Morina gemeinsam mit der Co-Autorin Doruntina Basha verfasste Handlung voranschreitet, desto mehr verschiebt sich der Fokus auf Shaban. Mit dessen Darsteller Astrit Kabashi arbeitet Morina bereits zum vierten Mal zusammen. Und Kabashi ist auch dieses Mal hervorragend. Vergleichbar der Drucksituation in "Exil", schwillt die Belastung auch in "Von Scham und Geld" beständig an, bis der Familienvater unter ihr zusammenbricht und sich der Druck gewaltsam entlädt. Virtuos inszeniert, entpuppt sich der Gewaltakt allerdings nur als Traum. Statt sich den herablassenden Reichen blutig zu entledigen, beschützt Shaban in seinem neuen Job als Wachmann fortan ihren Schlaf. Eine starke Metapher einer schlafwandelnden Gesellschaft in einem Drama, das mit biblischen Anklängen beginnt und unter die Bilder der harschen Realität unserer Gegenwart auf der Tonspur erhebende folkloristische Gesänge mischt.
Fazit: In seinem dritten abendfüllenden Spielfilm ist der Regisseur und Drehbuchautor Visar Morina zurück in den Kosovo gekehrt, um von prekären Verhältnissen zu erzählen, die bald auch uns in Deutschland betreffen könnten. "Von Scham und Geld", das beim Sundance Film Festival den Grand Jury Prize erhalten hat, ist ein beeindruckend gespieltes, geschriebenes und inszeniertes Drama, das für seine Thematik starke Metaphern findet.
Falk Straub
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Besetzung & Crew von "Von Scham und Geld"
Land: Deutschland, Kosovo, Slowenien, Albanien, BelgienJahr: 2026
Genre: Drama
Originaltitel: Shame and Money
Länge: 129 Minuten
Kinostart: 24.09.2026
Regie: Visar Morina
Darsteller: Astrit Kabashi, Flonja Kodheli, Melika Gashi, Fiona Gllavica, Tristan Halilaj
Verleih: eksystent distribution filmverleih





