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Eine Krankheit wie ein Gedicht (2026)

Deutscher Dokumentarfilm über eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 3 / 5
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Detlef Kissel ist an einer Psychose erkrankt, die ihn seit vielen Jahrzehnten begleitet, seine Ehe zerstört und das Verhältnis zu seiner Tochter, der Regisseurin, Autorin und Fotografin Jelena Ilić schwer belastet hat. Während der Psychosen ist der Vater unberechenbar, gewalttätig und bisweilen eine Gefahr für seine Umwelt. Während seiner guten Phasen, wenn er sich unter Kontrolle hat, setzt er sich als Künstler in Fotografien, Gemälden und Skulpturen mit seiner Krankheit auseinander.

Als er während einer Psychose eine Straftat begeht und in den Maßregelvollzug kommt, beschließt Jelena Ilić, ihren Vater, dessen Erkrankung und seinen Weg zurück in die Gesellschaft mit der Kamera zu begleiten.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse3 / 5

"Eine Krankheit wie ein Gedicht": Kunstvolle Annäherung

Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte, heißt es. Selten traf das so sehr zu wie beim klug gewählten Plakatmotiv dieser Doku. Auf dem Poster zum Film ist ein Vater mit seiner Tochter zu sehen. Er trägt eine verkehrt herum aufgesetzte Schiebermütze auf dem Kopf und ein paar Piercings im Gesicht. Sie sitzt auf seinem Schoß. Beide strahlen wie zwei Honigkuchenpferde. Doch das Bild, das allem Anschein nach in einem Fotoautomaten entstanden ist, weist starke Gebrauchsspuren auf. Die schöne Fassade ist sichtbar angekratzt, und im Lächeln des Mädchens klafft eine dunkle Lücke. Die tragische Geschichte, die hinter dieser Fotografie steckt, hat die Regisseurin Jelena Ilić in ihrem zweiten abendfüllenden Dokumentarfilm festgehalten.

Gute Phasen, schlechte Phasen

Ilić hat an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) studiert und dort mit dem 38-minütigen Drama "Kein Etwas" (2023) vor wenigen Jahren ihren Abschlussfilm vorgelegt. Zuvor hatte sie bereits Werbefilme, Kurzfilme, Musikvideos sowie den 67-minütigen Dokumentarfilm "Wie Tag die Nacht" (2022) gedreht. "Eine Krankheit wie ein Gedicht" widmet sich jetzt einem sehr persönlichen Thema, denn die Personen auf dem Filmplakat sind Jelena Ilić selbst, als kleines Mädchen, und ihr Vater Detlef Kissel.

Kissel leidet unter einer "drogeninduzierten, chronifizierten schizoaffektiven Psychose des manischen Formenkreises, Typ polytox, kein Morphintyp", so die vollständige Diagnose. Und er verheimlichte diese Krankheit zunächst gegenüber seiner späteren Ehefrau Sladjana Ilić, Jelenas Mutter. Im Dokumentarfilm tritt Sladjana Ilić nur als Stimme am Telefon in Erscheinung, wenn sie sich an die guten wie die schlechten Phasen des Zusammenlebens mit Kissel erinnert. Dabei spart sie dessen angsteinflößende Gewaltausbrüche ebenso wenig aus wie Kissels zärtliche Seiten und die Liebe, die sie für ihn empfand. Von diesen gegensätzlichen Polen ist der gesamte Film geprägt: Liebe und Angst, Anziehung und Abstoßung, die Sorge um und die Furcht vor dem eigenen Vater. Sie stehen im Zentrum dieser Dokumentation, was Vor- und Nachteile mit sich bringt.

Schonungslos offen

Auf der Habenseite stehen die schonungslose Offenheit, mit der die Regisseurin das durch die Krankheit belastete Verhältnis zu ihrem Vater vor der Kamera analysiert. Ebenso positiv ist die bisweilen kunstvolle Form des Films, wenn beispielsweise Telefonate mit ihrem Vater und ihrer Mutter als kleine Animationen umgesetzt werden. Diese bedingungslose Subjektivität muss allerdings auch auf der Sollseite verbucht werden. Dokumentarische Objektivität ist im vorliegenden Fall schlicht und ergreifend nicht möglich, vielleicht auch gar nicht gewünscht. Immerhin beschreibt die Regisseurin den Film in Hinblick auf ihren Vater als "Versuch, ihm neu zu begegnen – nicht nur als Patienten, sondern als meinem Vater". Das ist gewagt, denn das Publikum muss sich auf diese Subjektivität überhaupt erst einmal einlassen wollen. Die zwei Publikumspreise, die "Eine Krankheit wie ein Gedicht" bereits bei Filmfestivals gewonnen hat, deuten aber an, dass es dazu bereit sein dürfte.

Fazit: "Eine Krankheit wie ein Gedicht" wurde unter anderem mit dem Publikumspreis beim Filmfestival Max Ophüls Preis ausgezeichnet. Die Doku über ein belastetes Vater-Tochter-Verhältnis ist kunstvoll gestaltet und schonungslos offen. Die bedingungslose Subjektivität ist zwar ausgesprochen emotional, aber eben auch wenig objektiv.




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Besetzung & Crew von "Eine Krankheit wie ein Gedicht"

Land: Deutschland
Jahr: 2026
Genre: Dokumentation
Länge: 85 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 08.10.2026
Regie: Jelena Ili?
Darsteller: Sladjana Ili?, Detlef Kissel, Jelena Ili?
Verleih: mindjazz pictures

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