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Quir (2024)

Schweizer Dokumentarfilm über einen kleinen Laden in Palermo, der zum Treffpunkt der queeren Gemeinschaft geworden ist.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4 / 5
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In einer kleinen Gasse der Altstadt von Palermo führen Massimo Milani und Gino Campanella das Lederwarengeschäft "Quir“. Doch Taschen und Gürtel sind längst nicht alles, was es hier gibt. Der Laden ist auch ein Treffpunkt für Menschen, die sich austauschen, Rat suchen oder einfach unter Freunden sein wollen. Massimo und Gino sind seit Jahrzehnten ein Paar und haben sich über die Jahre ein besonderes Umfeld geschaffen. Zu ihren Bekannten gehören der Sänger und Performancekünstler Ernesto Tomasini, die junge trans Frau Vivian Bellina und Charly Abbadessa, der auf ein bewegtes Leben zwischen Italien und den USA zurückblickt. Dokumentarfilmer Nicola Bellucci begleitet die beiden Ladenbesitzer und ihre Gäste, besucht sie auch außerhalb des Geschäfts und lässt sie von ihren Erfahrungen erzählen.

Bildergalerie zum Film "Quir"

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"Quir“: Ein kleiner Laden voller großer Geschichten

Wer in Palermo das Lederwarengeschäft "Quir“ betritt, sollte besser nicht erwarten, in aller Ruhe nach einer neuen Handtasche stöbern zu können. Dafür ist hier einfach zu viel los. Es wird geplaudert, diskutiert, gelegentlich gestritten und vor allem viel gelacht. Mittendrin steht Massimo Milani, der mit seiner direkten Art und seinem losen Mundwerk für reichlich Unterhaltung sorgt. Sein Lebensgefährte Gino Campanella hält sich dagegen lieber etwas zurück. Wobei er durchaus weiß, wie er Massimo in die Schranken weisen kann. Dafür muss er nicht einmal laut werden.

Es sind gerade solche kleinen Beobachtungen, die Nicola Belluccis Dokumentarfilm so sehenswert machen. Massimo und Gino gehören seit Jahrzehnten zu den wichtigen Persönlichkeiten der italienischen LGBTQ+-Bewegung. Doch Bellucci interessiert sich weniger für ihre öffentliche Bedeutung als für die Menschen dahinter. Und dabei wird schnell deutlich, dass diese beiden trotz ihrer unterschiedlichen Temperamente hervorragend zusammenpassen. Man muss ihnen nur eine Weile zusehen, um zu erkennen, wie viel Liebe und gegenseitiges Verständnis ihre Beziehung prägen.

Der Laden dient dabei vor allem als Anlaufstelle. Das eigentliche Herzstück des Films sind seine beiden Besitzer. Von ihnen ausgehend lernt man nach und nach weitere Menschen kennen, die ihre ganz eigenen Geschichten mitbringen. Ernesto Tomasini etwa, der auf der Bühne gerne extravagant auftritt, zeigt bei der Pflege seiner Mutter eine ganz andere Seite. Vivian Bellina wiederum muss ihren Platz in einer Gesellschaft finden, die mit Menschen wie ihr noch immer Schwierigkeiten hat. Und Charly Abbadessa kann auf Erfahrungen zurückblicken, die von einer Zeit erzählen, in der ein selbstbestimmtes queeres Leben noch erheblich schwieriger war.

Aus diesen Begegnungen hätte leicht eine Ansammlung netter Einzelporträts werden können. Tatsächlich gelingt Bellucci jedoch etwas anderes. Die Lebensgeschichten greifen ineinander, ergänzen sich und ergeben ein größeres Bild. Dass dafür kein klassischer Spannungsbogen gebraucht wird, stört überhaupt nicht. Die Neugier auf die Menschen und ihre Erfahrungen reicht vollkommen aus.

Bemerkenswert ist außerdem, wie selbstverständlich Bellucci zwischen Alltag und Inszenierung wechselt. Seine Protagonisten lieben es, sich zu präsentieren. Da wird gesungen, posiert und auch mal hemmungslos übertrieben. Der Regisseur lässt ihnen diesen Spaß und nutzt die Auftritte geschickt, um weitere Seiten ihrer Persönlichkeiten sichtbar zu machen. Zugleich sorgt die Montage dafür, dass die unterschiedlichen Erzählformen gut miteinander harmonieren. Auch die Kamera weiß, wann sie dem bunten Treiben folgen und wann sie einfach nur ein Gesicht beobachten sollte.

Natürlich geht es in "Quir“ auch um Ausgrenzung, gesellschaftliche Vorurteile und die Schwierigkeiten eines Lebens jenseits der gängigen Normen. Doch Bellucci macht daraus keinen Problemfilm. Er erzählt ebenso gerne von Freundschaft, Humor und Lebensfreude. Traurige Erinnerungen und schmerzhafte Erfahrungen haben darin genauso ihren Platz wie ausgelassene Momente. Allenfalls hätte man sich gelegentlich einen etwas weiteren Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse in Italien gewünscht. Andererseits liegt gerade in der Nähe zu den Menschen die große Stärke dieses Films.

Fazit: "Quir“ ist ein ebenso unterhaltsamer wie berührender Dokumentarfilm über ungewöhnliche Lebenswege und eine besondere Gemeinschaft. Mit viel Humor, Zuneigung und einem Gespür für die stilleren Momente zeigt Nicola Bellucci Menschen, die sich ihre Lebensfreude auch von gesellschaftlichen Widerständen nicht nehmen lassen.




Besetzung & Crew von "Quir"

Land: Schweiz
Jahr: 2024
Genre: Dokumentation
Länge: 105 Minuten
Kinostart: 22.10.2026
Regie: Nicola Bellucci
Verleih: missingFilms



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