oder

Das Verschwinden (2024)

L'effacement

Algerisches Drama über einen jungen Mann, der sich aus dem Schatten seines übermächtigen Vaters nicht befreien kann.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 2 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse ??? / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben bislang 0 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Réda (Sammy Lechea) führt in Algier ein Leben, um das ihn viele beneiden dürften. Er stammt aus einer reichen Familie, hat einen gut bezahlten Job und soll bald heiraten. Doch entschieden hat er darüber nicht selbst. Sein Vater Youcef (Hamid Amirouche), ein einflussreicher Funktionär, bestimmt, wo es langgeht. Anders als sein Bruder Fayçal (Idir Chender), der nach Frankreich auswandert, wagt Réda keinen Widerspruch. Auch während seines Militärdienstes lernt er vor allem eines: zu gehorchen. Als sein Vater plötzlich stirbt, gerät sein Leben zunehmend außer Kontrolle. Eines Tages stellt Réda zudem fest, dass er kein Spiegelbild mehr besitzt. Die Begegnung mit der selbstbewussten Malika (Zar Amir Ebrahimi) lässt ihn kurzzeitig hoffen, doch noch einen eigenen Weg zu finden. Aber seine Probleme werden immer größer.

Bildergalerie zum Film "Das Verschwinden"

Das VerschwindenDas VerschwindenDas VerschwindenDas VerschwindenDas VerschwindenDas Verschwinden

Hier streamen


Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse2 / 5

"Das Verschwinden“: Ein Mann verliert sich selbst

Wer immer nur das tut, was andere von ihm verlangen, läuft irgendwann Gefahr, sich selbst zu verlieren. Der algerische Regisseur Karim Moussaoui nimmt diese Redewendung in seinem zweiten Langfilm nach "Warten auf Schwalben“ (2017) ziemlich wörtlich. Sein Protagonist Réda kann eines Tages sein eigenes Spiegelbild nicht mehr sehen. Eine schöne Idee, die einiges verspricht. Leider macht Moussaoui daraus deutlich weniger, als möglich gewesen wäre.

Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Roman von Samir Toumi, der sich darin auch mit einer Generation beschäftigt, die noch immer unter der Macht ihrer Väter steht. Youcef gehört zu den Männern, die einst für Algeriens Unabhängigkeit kämpften und anschließend den neuen Staat prägten. Dass er deshalb auch zu Hause das alleinige Sagen beansprucht, versteht sich für ihn von selbst. Als Figur ist er allerdings ziemlich eindimensional geraten. Der Vater ist autoritär, herrisch und duldet keinen Widerspruch. Viel mehr erfahren wir über ihn nicht.

Dabei hätte gerade das gesellschaftliche Umfeld einiges hergegeben. Moussaoui zeigt eine wohlhabende algerische Oberschicht, in der sich politischer Einfluss, Geld und traditionelle Familienstrukturen gegenseitig absichern. Doch diese Welt bleibt letztlich vor allem Kulisse für ein Familiendrama, das genauso gut in Frankreich oder Deutschland spielen könnte. Der Konflikt zwischen Vater und Sohn ist zwar universell, verliert dadurch aber auch einen Teil seiner besonderen gesellschaftlichen Bedeutung.
Noch schwerer wiegt, dass Réda selbst keine sonderlich überzeugende Figur ist. Anfangs kann man durchaus nachvollziehen, weshalb der junge Mann nicht den Mut aufbringt, gegen seinen Vater aufzubegehren. Doch was danach geschieht, erscheint zunehmend konstruiert. Ein Unglück jagt das nächste, und jedes Mal rutscht Réda noch ein Stück tiefer ab. Dass er während seines Militärdienstes nicht nur Gewalt erfährt, sondern später auch selbst gewalttätig wird, wäre durchaus eine interessante Entwicklung. Nur müsste der Film dafür deutlicher zeigen, was in seinem Inneren vorgeht.

Stattdessen bleibt vieles Behauptung. Selbst als mit Malika eine Frau auftaucht, die Réda tatsächlich etwas verändern könnte, gewinnt die Geschichte nur vorübergehend an Hoffnung. Der anschließende Absturz wirkt dafür umso stärker vom Drehbuch erzwungen. Andere Figuren, darunter seine vorgesehene Ehefrau Djaouida, kommen ohnehin kaum über ihre Funktion innerhalb der Handlung hinaus.

Und das verschwundene Spiegelbild? Das hätte ein wunderbares Mittel sein können, um Rédas Identitätskrise auch filmisch sichtbar zu machen. Doch Moussaoui nutzt diesen Einfall überraschend selten. Ob Réda nun tatsächlich unsichtbar für sich selbst wird oder sich das Ganze nur einbildet, ist für die Handlung fast egal. Auch Kamera, Musik und Schnitt lassen wenig von den Möglichkeiten erkennen, die in dieser ungewöhnlichen Idee stecken.

Immerhin überzeugt Sammy Lechea als Hauptdarsteller. Besonders zu Beginn vermittelt er mit seiner gehemmten Körpersprache und seinem unsicheren Blick sehr gut, wie fremdbestimmt Réda lebt. Dass dessen spätere Entwicklung trotzdem nicht glaubwürdig erscheint, kann man ihm kaum vorwerfen. Gegen ein Drehbuch, das seine Hauptfigur von einer Katastrophe zur nächsten schickt, kommt auch ein guter Schauspieler nur schwer an.

Fazit: "Das Verschwinden“ hat mit seinem Generationenkonflikt und dem fehlenden Spiegelbild gleich zwei interessante Ausgangspunkte. Doch die Figuren bleiben zu schematisch, die Entwicklung des Protagonisten zu konstruiert und die Inszenierung zu einfallslos. Auch der überzeugende Hauptdarsteller kann die Enttäuschung nur bedingt abmildern.




Besetzung & Crew von "Das Verschwinden"

Land: Algerien
Jahr: 2024
Genre: Drama
Originaltitel: L'effacement
Länge: 91 Minuten
Kinostart: 22.10.2026
Darsteller: Sammy Lechea, Zahra Amir Ebrahimi, Hamid Amirouche, Djalila Kadi-Hanifi, Idir Chender
Verleih: Immergutefilme



Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.