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Light Memories (2024)

Eco de Luz

Zwei alte Kameras führen einen Fotografen auf die Spuren seines unbekannten Großvaters – und zu schmerzhaften Erinnerungen an die eigene Kindheit.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4 / 5
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Als der ecuadorianische Fotograf Misha Vallejo Prut von seinem Onkel zwei alte Kameras und zahlreiche Fotografien seines verstorbenen Großvaters Estuardo erhält, wird er neugierig. Estuardo war selbst Fotograf, doch von seiner eigenen Familie hinterließ er kaum Bilder. Seine vier Söhne, die er mit Mishas Großmutter Luz hatte, erkannte er niemals an. Warum, darüber wird in der Familie bis heute wenig gesprochen. Misha beginnt nachzuforschen, befragt seine Angehörigen und porträtiert sie mit den Kameras seines Großvaters. Dabei erfährt er mehr über die Geschichte seiner Großmutter, die ihre Kinder weitgehend allein großziehen musste. Doch zunehmend rückt eine andere Beziehung in den Mittelpunkt: die zu seinem eigenen Vater Jorge, der in Mishas Kindheit ebenfalls lange abwesend war. Aus der Suche nach dem Großvater wird eine Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse4 / 5

"Light Memories“: Was auf den Familienfotos fehlt

Da hinterlässt ein Fotograf unzählige Bilder, aber ausgerechnet seine eigene Familie kommt darauf kaum vor. Das ist schon eine ziemlich merkwürdige Sache. Misha Vallejo Prut macht aus dieser Leerstelle den Ausgangspunkt seines Dokumentarfilms "Light Memories“. Und er begnügt sich nicht damit, alte Fotografien durchzusehen und seine Verwandten auszufragen. Er greift selbst zu den Kameras seines Großvaters und holt gewissermaßen nach, was dieser versäumt hat. Besonders eindrucksvoll ist eine Ausstellung im ehemaligen Haus Estuardos, bei der historische Aufnahmen und neue Familienporträts aufeinandertreffen. Vergangenheit und Gegenwart stehen sich hier unmittelbar gegenüber.

Überhaupt sind die Fotografien weit mehr als hübsche Illustrationen zu den Erzählungen der Angehörigen. Sie treiben die Geschichte voran, werfen Fragen auf und machen deutlich, wie viel sich hinter einem Bild verbergen kann. Dazu kommen sorgfältig komponierte Einstellungen, Projektionen und Aufnahmen des Chimborazo, der auch wegen der indigenen Herkunft der Familie eine besondere Bedeutung besitzt. Das sieht ausgesprochen schön aus, selbst wenn es um schmerzhafte Erinnerungen geht. Gelegentlich wird das Leid dadurch etwas zu sehr ästhetisiert. Dank der gelungenen Montage und der zurückhaltenden Musik hält sich das aber in Grenzen.

Wer bei "Light Memories“ an Sarah Polleys "Stories We Tell“ denkt, liegt nicht ganz falsch. Auch hier entsteht aus unterschiedlichen Erinnerungen nach und nach eine Familiengeschichte. Allerdings nimmt Vallejos Film eine überraschende Wendung. Irgendwann interessiert weniger, weshalb Estuardo seine Kinder im Stich ließ, als die Frage, warum Mishas eigener Vater Jorge dessen Verhalten zumindest teilweise wiederholt hat. Dieser Perspektivwechsel kommt zunächst unerwartet, erweist sich rückblickend aber als ausgesprochen schlüssig. Aus der Suche nach einem Unbekannten wird eine sehr persönliche Auseinandersetzung.

Die direkten Begegnungen zwischen Vater und Sohn gehören zu den stärksten Momenten des Films. Anfangs ist die Distanz zwischen beiden deutlich zu spüren. Jorge gibt sich zwar Mühe, kann aber kaum befriedigende Antworten geben. Seine Scham ist ebenso erkennbar wie die Verletzungen seines Sohnes. Dass auch er keine einfache Kindheit hatte, mag einiges erklären. Entschuldigt wird sein Verhalten dadurch nicht. Vallejo verzichtet auf eine schnelle Versöhnung, bei der sich plötzlich alle in den Armen liegen und die Vergangenheit vergessen ist.

Überhaupt bleibt vieles unausgesprochen. Mishas Mutter Inna setzt klare Grenzen, und auch seine Großmutter Luz möchte nicht alles erzählen. Gerade sie ist eine der interessantesten Figuren. Als junge Frau bekam sie vier Söhne mit einem deutlich älteren Mann, der sich seiner Verantwortung entzog. Wie sie damit zurechtkam, erfährt man allerdings kaum. Hinzu kommt ihr zunehmender Gedächtnisverlust. Der Kontrast zwischen der einst starken Frau und ihrer heutigen Hilflosigkeit wird bisweilen etwas plakativ herausgestellt. Immerhin zeigen die Angehörigen im Umgang mit ihr jene Fürsorge, die zuvor häufig fehlte.

Dass hinter dieser Geschichte auch patriarchale Strukturen, Rassismus und gesellschaftliche Ausgrenzung stehen, lässt Vallejo immer wieder durchscheinen. Eine große Abrechnung macht er daraus nicht. Sein Film bleibt bei den Menschen und ihren Erinnerungen. Dass diese unvollständig sind und sich nicht zu einer einzigen Wahrheit zusammensetzen lassen, muss er ebenso akzeptieren wie die Zuschauer.

Fazit: "Light Memories“ verbindet eine ungewöhnliche fotografische Spurensuche mit einer bewegenden Familiengeschichte. Nicht alle Geheimnisse werden gelüftet, nicht alle Menschen gleichermaßen greifbar. Gerade weil der Film keine einfache Versöhnung behauptet, überzeugt seine Auseinandersetzung mit familiären Verletzungen und deren Folgen.




Besetzung & Crew von "Light Memories"

Land: Ecuador, Deutschland
Jahr: 2024
Genre: Dokumentation
Originaltitel: Eco de Luz
Länge: 80 Minuten
Kinostart: 05.11.2026
Regie: Misha Vallejo Prut
Verleih: barnsteiner-film



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