VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die Frau des Zeitreisenden
Die Frau des Zeitreisenden
© 2009 Warner Bros. Ent.

Kritik: Die Frau des Zeitreisenden (2008)


Vorweg: Ob man bei dem Film komplett durchsteigt, ohne zuvor das Buch gelesen zu haben, ist fraglich. Wobei – auch mit Buchhintergrund lassen sich einige Lücken nicht schließen. Und damit sind nicht nur die Zeitreisengeschichten ohnehin immer anhaftenden Ursachen/Konsequenzen-Probleme gemeint…
Clare (Rachel McAdams) liebt Henry (Eric Bana), und das im Prinzip schon seit ihrer Kindheit, während er sie zum ersten Mal mit Anfang dreißig trifft, sich prompt seinerseits verliebt (sie ist eigentlich auch nur acht Jahre jünger als er) und sie dann mit Ende dreißig regelmäßig in ihrer Kindheit besucht, wobei sie sich dann wieder nachträglich in ihn verliebt. So in etwa funktioniert Audrey Niffeneggers Roman und auch die Filmversion des deutschen Regisseurs Robert Schwentke ("Tattoo", "Flightplan").
Dabei steht bei beiden der Fantasyeffekt nicht im Vordergrund: Henrys Zeitreisen sind wie ein nervöser Tick, ausgelöst durch einen genetischen Defekt. Er springt einfach spontan in der Zeit vor- oder zurück. Aber nicht etwa zu den Dinosauriern oder Pyramiden, sondern meistens innerhalb seiner eigenen Lebenszeit und nur auf Orte beschränkt, die er bereits besucht hat, also hauptsächlich in Illinois und Michigan. Sein größtes Problem ist - neben der Unberechenbarkeit – die Tatsache, dass er stets nackt springt und sich sofort Kleidung beschaffen muss.
Buch und Film beginnen nach kurzen Expositionen zu Henrys Problem mit Clares Eintritt in sein Leben (von Henrys zeitlicher Perspektive aus): Sie steht – seit Jahren in ihn verliebt – vor ihm, während er sie zum ersten Mal sieht. Und man kann sich vorstellen, wie krampfig das erste wirkliche Date ausfällt, wenn nur einer den anderen schon seit der Kindheit kennt... In diesen Szenen zeigt McAdams ihr Talent: Als aufrichtig verklärte Clare strahlt sie Henry dermaßen hingebungsvoll an, dass er sich einfach nachträglich in sie verlieben muss – auch wenn das bei Bana nur als Variante des einen melancholischen Ausdrucks rüberkommt, den er spätestens seit "Hulk" kultiviert.
Die vielen Treffen von Clare und Henry auf der Wiese hinter ihrem Elternhaus sind im Vergleich zum Roman stark zusammengekürzt – aus gutem Grund: Dass ein erwachsener Mann ständig nackt bei einem kleinen Mädchen auftaucht, funktioniert eben nur, wenn man die Gedanken der beiden dazu lesen kann. Auf der anderen Seite fehlt damit jedoch ein gewaltiges Stück von Clares Charakter. Ihre epische Liebe zu Henry wird behauptet, aber nicht wirklich erzählt. Und andersrum sieht es genauso aus. Dafür konzentriert sich der Film dann auf die eher konventionellen Seiten ihrer Beziehung – Heirat, Haussuche, Nachwuchs – in konventionellen Nahaufnahmen, mit konventioneller Musik. Clares absurde Einsamkeit in ihrer glücklichen Beziehung – so verschwindet er beispielsweise unfreiwillig zu Weihnachten und taucht erst eine Woche später wieder auf – wird nur zu Beginn wirklich dargestellt. Im Unterschied zum Buch reduziert Schwentke das Zeitreisen damit zum Anlass für allerlei sentimentale Melodramatik, wobei er dafür dem Ganzen allerdings einen versöhnlicheren Schluss als im Buch verpasst.
Stilistisch greift er an einigen Stellen arg daneben: So spielt auf ihrer Hochzeitsfeier – im ländlichen Anwesen ihrer konservativen Eltern – dann eine eine reichlich schräge Band eine Version von Joy Divisions "Love will tear us apart". Alles klar Robert, wir haben's geschnallt... Und dass er zum Schluss mit elegischen Längen ordentlich auf die Tränendrüse drückt, hätte auch nicht sein müssen.
"Die Frau des Zeitreisenden" gehört sicherlich nicht zu den miesesten Romanverfilmungen – ein großer Wurf ist Schwentke damit jedoch auch nicht gelungen. Zwar ist Clare mit McAdams klasse besetzt und Bana als Henry immerhin passabel und nett anzusehen; die Nebendarsteller passen ebenfalls, und die Zeitsprünge sorgen zumindest noch zu Anfang für Spannung. Bei der Auswahl der Treffen hätten die Filmemacher allerdings ein paar charakteristischere und sperrigere Szenen wählen können, anstatt die üblichen Beziehungspunkte abzuhaken. Denn bei all den verwirrenden Zeitsprüngen müsste zumindest die emotionale Logik zwischen den tragischen Liebenden stimmen – und gerade die ist bei Schwentke nur schwach entwickelt.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.