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Quarantine
Quarantine
© 2008 Sony Pictures Releasing GmbH

Kritik: Quarantäne (2008)


Vorweg: Ich habe "Rec" nicht gesehen. Kann also nicht beurteilen, wie gut das amerikanische Remake im Vergleich zum spanischen Original ist. Aber eines ist sicher: Es kann kaum schlechter sein.
Dabei fängt "Quarantäne" einigermaßen verheißungsvoll an – wenn auch mit einem alten Gimmick: Es handelt sich anscheinend um eine gefundene Filmaufnahme, die eigentlich eine Dokumentation werden sollte. Was schon bei "Blair Witch" und jüngst bei "Cloverfield" funktionierte, wirkt auch hier noch, zumindest zu Anfang: Jennifer Carpenter begleitet als ehrgeizige junge TV-Journalistin Angela Vidal zusammen mit ihrem leicht stoischen Kameramann Scott (Steve Harris) gewöhnliche Menschen durch ihre Nachtschicht. Diesmal eine Feuerwehrmannschaft in L.A.
Was so straff und intelligent inszeniert ist, dass man das Fake-Doku-Prinzip tatsächlich für ein Weilchen schluckt. Angela flirtet mit den Feuerwehrmännern (speziell mit Jay Hernandez); versucht, mit Charme und Witz, Spannung aufzubauen und interessante Bilder einzufangen. Dennoch kann sie einige Längen nicht verhindern – bis tatsächlich ein Notruf eintrifft: In einem alten Mietshaus scheint eine ältere Frau ernsthafte Schwierigkeiten zu haben. Der Einsatzwagen fährt los, Angela und Scott sind dabei.
Im Haus beginnt dann der Horror, auf mehreren Ebenen. Da wäre zunächst mal die der Glaubwürdigkeit: Auch wenn das Gebäude alt und fast ausschließlich von Immigranten bewohnt ist, fragt man sich, warum der Innenarchitekt der Addams Family am Werk war – mit haufenweise pseudo-gotischem Chintz. Was nun wirklich absolut nichts mit Los Angeles zu tun hat. In der Story geht es mit der alten Frau weiter. Deren Problem sich auch auf andere Mieter überträgt, was wiederum eine diffuse Spezialeinheit der Regierung (wo waren die bei Katrina?) blitzschnell auf den Plan ruft, welche innerhalb von Minuten das Haus umzingelt, verbarrikadiert- und siegelt.
Damit steht die klaustrophobische Prämisse: Drinnen lauern die Infizierten, draußen die bedrohliche Regierungsvertretung, die auf alles schießt, was freikommt. So weit, so spannend. Und sogar einige klassische Kracheffekte ziehen noch: Kinder-werden-fiese-Monster, die Oma-Variante dazu, der besoffene Störenfried, Ekel-Splatter und schließlich auch noch der absolute Gassenhauer: Das Licht/der Strom fällt aus.
Doch leider fallen die Bewohner hier anscheinend einer heute selteneren Infektionskrankheit zum Opfer, über die man zu viel weiß, als dass man die Symptome ernst nehmen könnte. Außerdem sieht man einige Wendungen schon von Weitem kommen. Die Nebenfiguren sind dafür einigermaßen solide besetzt – mal abgesehen von Dania Ramirez, die hier fast noch mehr nervt, als schon in "Heroes". Apropos: Während sich sämtliche Protagonisten zu Beginn der fiesen Situation noch nicht ganz so blöd verhalten, wie man das von Genre-Charakteren gewöhnt ist – so dass man sich tatsächlich noch Sorgen um ihr Wohlergehen macht – verhalten sich die Nicht-Infizierten in der zweiten Filmhälfte zunehmend idiotischer. Und damit meine ich nicht Panik-induzierte Kurzschlusshandlungen. Aus Carpenters unerschrockener, forscher Heldin wird beispielsweise irgendwann ein schrill schreiendes Nervenbündel, wobei man gerade bei ihr eigentlich ein Minimaß an Verstand voraussetzen könnte. Das Ende ist dann Geschmackssache – einige halten es vermutlich für konsequent, ich für ärgerlich.
Fazit: Unausgegorenes Horror-Remake, das neugierig auf das Original macht.




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