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G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra
G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra
© 2008 by Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Kritik: G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra (2008)


Die Erfolggeschichte zwischen der Filmschmiede Paramount und dem Actionfiguren-Produzenten Hasbro geht in die dritte Runde: Nachdem 2007 Paramount, kurz vor der Pleite, mit "Transformers" einen Überraschungshit landete und kürzlich einen Aufguss der Blechkameraden-Saga in die Kinos brachte, geht nun die Mutter aller Actionfiguren an den Start: 1963 war "G.I. Joe" überhaupt die erste Actionfigur. Im Laufe der Jahrzehnte bekam sie nicht nur vielfach Nachwuchs, sondern erfreute sich auch einer stetig wachsende Beliebtheit. Das Franchise ist enorm: Immer wieder neue Helden und Bösewichter, Ausrüstung, Waffen, Fahrzeuge, Animations-TV-Serien und Comics. Weltweit erzielen die Hasbro-Figuren einen Umsatz im Einzelhandel von über 3,7 Milliarden Dollar. Und nun soll auch der letzte Action-Kinofreund mit der Realverfilmung "G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra" erobert werden. Wer unbedingt von einer Story sprechen möchte, mag sich an folgenden, für die Handlung unbeschreiblich wichtigen, Punkten festhalten: Es gibt die Guten, ein internationales Team der Besten aller Besten, eine Kampfelite, den wenigen Eingeweihten bekannt, als "G.I. Joe" und natürlich vereinigt unter dem Sternenbanner. Dann die Bösen: Eine Organisation "Cobra" genannt, die – wie sollte es anders sein – die Weltherrschaft an sich reißen möchte. Damit das etwas leichter fällt, entwenden die Schurken ein paar Raketensprengköpfe, die, im Warfield des vorangeschrittenen 21. Jahrhunderts, nicht mehr mit einem beliebigen Kawum-Zeugs gefüllt sind, stattdessen allesvertilgende Naniten enthalten, mikroskopisch kleine Roboter, die sich immer weiter selber reproduzieren und dabei alles fressen, was ihnen in den Weg kommt; ganz gleich ob unschuldiger Passant oder gleich den ganzen Eifelturm. Und wer sollte gegen solch eine unglaubliche verschlagene kriminelle Organisation antreten, wenn nicht "G.I. Joe"? Zugegeben: der kleine Junge im erwachsenen Mann wird schon eine Art Deja-vu erleben: Die ganzen Soldatenpüppchen, Hubschrauber und Panzer, die einstmals das Kinderzimmer bevölkerten, sind plötzlich auf der großen Leinwand zum greifen Nahe. Zumindest werden diejenigen, welche nicht auf der Waldorfschule pädagogisiert wurden und bei denen zu Hause ein klar patriarchale Doktrin herrschte, sich an manch eine naive Schlacht erinnern, bei welcher, der heranwachsende junge Mann seine Konfliktlösungs-Strategien fürs spätere Leben erproben konnte.

Ja, man darf es so offen aussprechen: "G.I. Joe" ist das Viagra des verwöhnten Militaristen. Wer lieber seinen Apache-Kampfhubschrauber in der Garage bohnert, statt seine Liebste zu liebkosen, ist bei dem Streifen völlig richtig. Im Grunde unterscheidet sich "G.I. Joe" nicht sonderlich von dem kürzlich angelaufenen "Transformers – Die Rache". Beide sind völlig sinnfreie Bombast-Bildergewitter und Brachial-Materialschlachten. Für "G.I. Joe" spricht, das er deutlich kurzweiliger ist und anstelle einer Megan Fox gleich zwei schlagende Argumente, mit Rachel Nichols und Sienna Miller, in die Waagschale wirft. Die Jungs also, die noch für ein paar andere Reize Stammhirnzellen entbehren können, werden was zu bestaunen haben. Sex und Gewalt zu verknüpfen erscheint bei der avisierten Zielgruppe ohnehin sinnvoll: bekanntermaßen ist es im männlichen Gehirn, dieselbe Region, welche beides steuert. Es laufen aber genug muskelbepackte halbangezogene Kerls herum, damit sich die Mädels, die in den Film gezwungen wurden, sich wenigstens daran ergötzen können. Im Vergleich aber zu "Transformers 2" fällt das CGI-Theater deutlich ab. Die Effekte wirken nicht immer zeitgemäß und erinnern teilweise an "Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman". Eines muss man "G.I. Joe" aber lassen: Der Film ist schnell, nein noch viel schneller, so schnell, dass man eigentlich gar nicht dazu kommt, über irgendwelche Ungereimtheiten nachzudenken. Es gibt reichlich Krieg und Zerstörung, irre Verfolgungsjagden quer durch Paris, Martial-Arts-Feuerwerk und eine bombastische Unterwasserschlacht, die ein wenig an James Bond erinnert. Bei der klassischen Gut gegen Supervilian-Konfrontation kein Wunder. Und natürlich gibt es auch etwas Beziehungstwist und tragische Verbindungen zwischen den Guten und den Bösen. Man möchte aber nicht zuviel verraten, sonst sind die drei Minuten Drama des Films gleich abgetan.

Fazit: Wer es schnell mag und hart und laut sowie auf CGI-Dauerberieselung steht, wird bei "G.I. Joe" auf seine Kosten kommen. Langweilig ist der Film nun wirklich nicht. Dafür aber völlig sinnfrei und ein Militärwerbspot, wie es ihn seit "Top Gun" nicht mehr zu sehen gab. Wer nach dem Film der Meinung ist, dass er von diesem Zeug noch mehr braucht, darf sich freuen: Die Fortsetzung ist bereits ausgemachte Sache.





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