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Kritik: U2 3D (2007)


Ein Konzertfilm in 3D weckt wohl hauptsächlich eine Erwartung: Dass die Technik einem das Gefühl vermittelt, dabei zu sein, mitten zwischen den singenden Massen zu stehen - und das ohne spitze Ellenbogen, die sich einem schmerzhaft in den Brustkorb bohren, oder schwere Zeitgenossen die einem die Füße platt treten. Ein völlig ungestörtes Live-Erlebnis im gemütlichen Kinosessel also.

Aber, wieder einmal zeigt sich: Man kann nicht alles haben - You can't have your cake and eat it. Ohne Frage hat das Produktionsteam einigen technischen Aufwand betrieben, hat Berge an 3D-Kameras durch Südamerika geschleift, hat während insgesamt 7 Konzerten genug Material für 50 Konzertfilme gedreht, hat das ganze mit feinstem Digi-Ton versehen – und bei mir wollte sich das erwünschte Live-Gefühl leider trotzdem nicht einstellen. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen.

1. Die Regisseure haben sich dafür entschieden, die Zuschauergesänge herabzupegeln und den Sound der Band aufzupolieren. Man sieht also eine Band vor Tausenden von Zuschauern, hört aber Studiosound. Dieser Widerspruch zwischen Bild und Ton irritiert ein wenig.

2. Nicht alles wurde Live gedreht. Einige Aufnahmen der Band sind nachgestellt – und das sieht man. Aber: Ohne Live kein Live-Gefühl.

Nun erst mal eine kurze Erklärung: Ich hätte mich zwar nicht unbedingt als U2- Fan bezeichnet, aber immerhin besitze ich einige CDs und, ja, ich war auch schon mal auf einem U2 Konzert – wenngleich das so lange her ist, dass damals bei „balladigeren“ Songs nicht etwa Handys, sondern die guten alten Feuerzeuge in die Luft gehalten wurden. Ich habe also nichts gegen U2. Dies sollte man wissen um die folgenden zwei – eher subjektiven - Kritikpunkte vernünftig einordnen zu können und sie nicht als Gemecker eines U2-Hassers abzutun:

3. Bekanntermaßen hatte Bono schon immer eine Neigung zum Predigertum. Bislang sind mir die U2-Weltverbesserungsparolen nie auf die Nerven gegangen, kamen mir sogar einigermaßen glaubwürdig vor. Nicht so in „U2 3D“. Da hat mich irgendwann das Gefühl beschlichen, dass das alles reine Show ist, pures PR-Gelaber, dumpfes Nachplappern von In-Parolen. Und so hat es mich dann urplötzlich richtig genervt. Das Schlimmste: Die Wirkung hält bis heute an.

4. Die 3D-Optik und die damit verbundene scheinbare Nähe zur Band hat bei mir zu einer Art „Entzauberung“ gefüht – ein Effekt, der mir bisher weder bei Live-Konzerten, noch bei 2D-Konzerfilmen in dieser Stärke untergekommen ist. Überspitzt gesagt: Es trägt nicht gerade zu einem beeindruckenden Erlebnis bei, wenn man plötzlich feststellt, dass Bono dem Wirt vom Irish Pub um die Ecke ziemlich ähnlich sieht. Im Gegenteil.
Dieser „Entzauberungseffekt“ hat dazu geführt, dass ich mich während des Films mehrfach gefragt habe, ob das alles in 2D nicht viel wirkungsvoller wäre – zumal die beiden Regisseure bei ihrer Inszenierung nicht auf 3D-Effekthascherei gesetzt und sich eher an 2D-Konzertfilmen orientiert haben. Auf die Hand voll Einstellungen, die in 3D besser aussehen (z.B. der Blick von oben auf das Schlagzeug oder durch die hochgereckten Arme der Zuschauer auf die Bühne) hätte ich gerne verzichtet, wäre mir dafür im Gegenzug die Band beeindruckender vorgekommen.

Und schließlich ein gutgemeinter Tipp aus leidvoller Erfahrung: Ein Film der optisch beeindrucken soll braucht Platz. Soll er dann auch noch akkustisch beeindrucken, ist ein brauchbares Soundsystem ziemlich hilfreich. Wer sich „U2-3D“ ansehen will, sollte sich dafür also ein möglichst großes Kino mit neuem Soundsystem aussuchen.

Fazit: Ein U2-Konzertfilm, der mehr wie eine PR-Schleuder daher kommt und trotz der eingesetzten 3D-Technik eher konventionell inszeniert wurde und optisch wenig Neues bietet. Nur für Vollblut-Fans empfehlenswert.




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