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Wie das Leben so spielt
Wie das Leben so spielt
© 2009 Universal Studios. ALL RIGHTS RESERVED

Kritik: Wie das Leben so spielt (2009)


Wie kommt man bitte von "Funny People" auf "Wie das Leben so spielt"? Traut man deutschsprachigen Kinobesuchern inzwischen gar kein Englisch mehr zu? Und warum stattdessen so ein dümmlich-nichtssagender Titel?
Dabei trifft es "Funny People" so gut: Judd Apatow, der sich in den letzten Jahren mit Filmen wie "Jungfrau (40), männlich, sucht" und "Beim ersten Mal", sowie etlichen von ihm produzierten Komödienhits (u.a. "Superbad", "Nie wieder Sex mit der Ex" und "Ananas Express") zu Hollywoods erfolgreichster Comedyfabrik mauserte, versammelt jede Menge lustige Menschen: Allen voran seinen ehmaligen WG-Genossen Adams Sandler, sowie unter anderen seine üblichen, häufig besetzten Lieblinge Seth Rogen und Jonah Hill. Doch leider generiert eine bunte Ansammlung von Komikern nicht unbedingt automatisch ein Gagfeuerwerk – zumindest in der deutschen Synchronisation nicht, auf die sich diese Kritik bezieht. Herausgekommen ist ein recht selbstgefälliges, viel zu langes Insiderfilmchen für Apatows Freunde und Familie – im wahrsten Sinne des Wortes: Neben sämtlichen Kumpeln in Hauptrollen und Cameos (darunter Sarah Silverman und Ray Romano) musste Apatow auch dringend noch seine Gattin Leslie Mann sowie seine beiden – zugegebenermaßen entzückenden – Töchter unterbringen, was die zweite Filmhälfte überwiegend zu einem rührselig-konventionellen Brei zermanscht.

In der ersten Hälfte wird Adam Sandler nämlich noch als George Simmons, schwerreicher und leicht zynischer Comedystar eingeführt, bei dem eines Tages eine exotische Form von Leukämie diagnostiziert wird. Ihm gesellt Apatow dann seine Entdeckung Seth Rogen als Seth Rogen im Knuffig-Modus Ira Wright an die Seite – ein rundlicher, gutmütiger, etwas unbedarfter Möchtegern-Stand Up-Komiker, der in einem Sandwichladen jobbt und bei einem Kumpel (Jason Schwartzman), der die Hauptrolle in einer albernen Sitcom ergattert hat, auf einem Klappsofa haust. Simmons lernt Ira bei einem gescheiterten Stand-Up Gig kennen und engagiert ihn prompt als Gagschreiber und Hündchen für alles. Als Ira Simmons zwingt, anderen von seiner Krankheit zu erzählen, damit nicht er allein die Bürde tragen muss, sucht ihn unter anderem seine alte Flamme Laura (Mann) auf, die inzwischen mit dem australischen Geschäftsmann Clarke (Eric Bana) verheiratet ist. Die beiden kommen sich wieder näher, Simmons' Kondition ändert sich auf wundersame Weise und schließlich besuchen er und Ira zusammen Laura – und von da an funktioniert die bis dahin schon recht lose Story gar nicht mehr.

Apatow, der mit dem Film unter anderem autobiographische Erfahrungen als Stand-Up-Anfänger und Gagschreiber abarbeitet, wollte offensichtlich eine nostalgisch-abgeklärte, erwachsene und gleichzeitig komische Geschichte erzählen. Leider ist sie über weite Strecken a) nicht lustig oder b) mit frühpubertärem Humor verklebt. Außerdem wirkt der Plot selbst wie ein überlanger Stand-up Gig, mit einer arg zusammengestückelten dramaturgischen Linie, die als Stichwortgeber für alberne Zoten dient. Schon der Drehpunkt der Handlung, Simmons "Läuterung" funktioniert nicht – überzeugt Sandler doch keine Sekunde lang als Todkranker. Zudem wirkt die aufdringliche Einbeziehung von Familie Apatow forciert und rechtfertigt auf gar keinen Fall die Länge von fast zweieinhalb Stunden.
Zu den Lichtblicken gehören neben wenigen wirklich witzigen Momenten der Vorspann – Originalaufnahmen vom jungen Sandler bei Telefonstreichen – sowie Ira in seiner WG, Aubrey Plaza als Iras lakonischer Schwarm Daisy und Eminem als Eminem, die genervt-aggressive Version. Zu empfehlen ist diese vermurkste Dramödie also nur in einem Format, bei dem man die Möglichkeit zum Vorspulen hat.




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