VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Der Solist
Der Solist
© 2008 Universal Studios. ALL RIGHTS RESERVED.

Kritik: Der Solist (2008)


Es ist nicht wirklich neu. Irgendwo wartet ein Absonderling mit außergewöhnlichen Talenten darauf von einem anderen Absonderling entdeckt zu werden. Die zugehörige Botschaft: etwas mehr Respekt vor Menschen im Allgemeinen und im Speziellen auch vor jenen am Rande der Gesellschaft zu haben; einfach deshalb, da es auch Menschen sind und in jedem von ihnen etwas "Magisches" schlummern könnte.

Steve Lopes (Robert Downey Jr) hat schon bessere Zeiten gesehen: Seine Ehe liegt in Scherben und der Journalist, mit ehemals ausgesprochenem Riecher für gute Storys, hat im Laufe der Zeit einiges von seiner Inspiration eingebüßt. Da kommt ihm die Zufallsbegegnung mit einem musizierenden Obdachlosen gerade recht. Der in seiner eigenen Welt verhaftete Nathaniel Ayers (Jamie Foxx) entlockt einer alten Geige, die noch lediglich zwei Saiten hat, beachtliche Melodien; was würde er erst mit einem intakten Instrument alles anstellen können und welche (möglicherweise außergewöhnliche) Geschichte verbirgt sich hinter diesem Mann? Steve findet heraus, dass Nathaniel ehemals ein "Wunderkind" war und vor dreißig Jahren sogar am Juilliard-College, dem New Yorker Elite-Konservatorium, als Cellist studierte; etwas muss ihn aber aus der Bahn geworfen haben. Für eine erste tränendrüsen-aktivierende Kolumne reichen die Informationen aber schon mal aus, und als eine Leserin Nathaniel ihr Cello schenkt, kann die Geschichte weitergehen. Vielleicht ist das Genie in der wirren Persönlichkeit immer noch präsent, lediglich verschüttet unter allerlei Störungen und Steve derjenige, der aus einem Obdachlosen einen Musiker von Weltformat bastelt? Auf jeden Fall wäre das eine Sensationsstory!

2005 bezauberte Jamie Foxx in dem Biopic "Ray" mit der Rolle der blinden Musiklegende Ray Charles die Zuschauer. Seine Leistung wurde sowohl mit dem Golden Globe, als auch mit dem Oscar prämiert. Damit sollte er grundsätzlich als Darsteller für Rollen, die mit komplexen Psychogrammen aufwarten könnten, eine adäquate Besetzung sein. Sehr solide gibt er auch den geistig abgedrifteten Musikgenius. Packende Intensität kommt allerdings nur selten auf. Das liegt vor allem daran, dass kaum eine klare erzählerische Linie existiert.
Robert Downey Jr. spielt, wie so oft, was er am besten kann: leicht dysfunktionale Typen. Das sorgt zwar für einige skurril-komische Einlagen, doch ist nicht wirklich ersichtlich, was dies der eigentlichen Geschichte hinzufügen soll.
Und als wäre es nicht genug, Downey´s Filmfigur im Leben herumstolpern und den Zuschauer sich fragen zu lassen, welches Ereignis für den Absturz des verhinderten Musikgenies verantwortlich war und ob es möglicherweise einen Weg zurück gibt; entwickelt sich der Film zusehends zu einem Sozialdrama mit versuchsweise intensiven Milieueindrücken aus der Obdachlosenwelt. Es wäre durchaus möglich und sinnvoll gewesen, gleich zwei Filme aus dem Thema zu machen. IN der jetztigen Form – zusammengefasst in einem Film - kommt weder die persönliche Geschichte der Hauptfigur ausreichend zur Geltung, noch wird eindringlich erfahrbar, dass es unsere leistungsorientierte Gesellschaft ist, die solche Existenzen produziert und welche Individualschicksale sich im Einzelnen dahinter verbergen.

Fazit: Gut gemeinter Film mit unterschiedlichen Ansätzen, die alle für sich allein durchaus sinnvoll sind. In der Verbindung und Vermischung aber wirkt der Plot der Geschichte unrund und holprig. Eine fesselnde Atmosphäre will daher nicht aufkommen. Für zwischendurch, ohne die Erwartung besonders erhellender Momente, kann man sich den Film aber durchaus gönnen.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.