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Victoria – Die junge Königin
Victoria – Die junge Königin
© Capelight Pictures

Kritik: Victoria - Die junge Königin (2008)


Sie war mit Abstand die bedeutendste Monarchin, die das Vereinigte Englische Königreich jemals gesehen hat. Queen Victoria, mit direktem Verwandtschaftsverhältnis zum deutschen Könighaus Hannover, bestieg im zarten Alter von 18 Jahren den englischen Thron und regierte beinahe 64 Jahre bis zu ihrem Tod im Jahre 1901. Solange saß noch kein Monarch vor und auch nach ihr auf dem britischen Thron. Mit Victoria erlebte das Empire einen nie gekannten wirtschaftlichen Aufschwung und erreichte die bis dato größte territoriale Ausdehnung. Am Höhepunkt ihrer Macht herrschte Victoria, die namensgebend für eine ganze Epoche in England wurde, als konstitutionelle Monarchin über mehr als ein Fünftel der Erde und ein Drittel der Weltbevölkerung.

Regisseur Jean-Marc Vallées Verfilmung ist weder im eigentlichen Sinne ein Biopic - dafür ist der zeitliche Ausschnitt aus Victorias Leben viel zu kurz, noch ein richtiges Historiendrama - dafür mangelt es ihm sowohl an Intensität als auch an gut gezeichneten Charakteren. Irgendwo zwischen opulentem Historienschinken, hölzerner royaler Romanze, Coming-of-Age-Story und Softpolit-Drama angesiedelt, entfaltet "Young Victoria" höchstens durch die prachtvollen Kostüme so etwas wie Flair. Dafür gab es auch durchaus berechtigt einen Oscar 2010. Im Übrigen aber vermag der Streifen zu keiner Zeit wirklich zu bezaubern.

Angesiedelt ist die Geschichte in der Zeit etwa ein Jahr vor, bis kurz nach Victorias Thronbesteigung. Ihr Vater war der Herzog von Kent, der Bruder des regierenden Königs. Der ist nicht mehr der Jüngste und zudem kinderlos. Das macht Victoria zur Nummer eins in der Thronfolge. Stirbt der König allerdings vor ihrer Volljährigkeit, muss erstmal ein Regent bestellt werden, bis sie volljährig wird. Und mit Regenten ist das so eine Sache: Sitzen die erstmal auf dem Thron und haben es sich dort gemütlich gemacht, könnte es mitunter sehr schwer werden, sie davon zu überzeugen, wieder Platz zu machen...

Emily Blunt spielt die junge Victoria mit monarchischen Ambitionen, die der böse Stiefvater versucht zu unterlaufen, um selbst an die Macht zu gelangen. Außerhalb dieser Ränkespiele ist Victoria aber auch nur eine junge Dame, die sich verlieben will und etwas Romantik zu finden hofft. Möglicherweise vielleicht sogar den Richtigen zum Heiraten kennen lernen, was auf jeden Fall erstrebenswerter wäre, als eines Tages aus der Pflicht heraus einen völlig Fremden zu ehelichen, um ein paar Thronerben zu produzieren. Und so gibt sich Rupert Friend, der letztes Jahr an der Seite von Michele Pfeiffer im Kostümspektakel "Cheri" ganz akkurat den lasziven Dandy gab, die Ehre in der Rolle des königlichen Vetters Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, der Victorias Herz zu erobern sucht.

Wer aber nach rasendem Eros und Leidenschaft Ausschau hält, könnte beim Warten darauf durchaus verhungern. Der ganze Film ist dominiert von höfischen Machtspielen und Politgequatsche, das bestenfalls für eine einschläfernde Geschichtsstunde ausreicht. Im Übrigen plätschert die Handlung völlig Höhepunktarm bis zum Ende dahin, dass noch einen Ausblick auf Victorias künftige Regierungszeit gibt. Diesen allerdings aus dem Off, was von der Nüchternheit der Wissensvermittlung etwa dem Verteilen von Flyern mit weiterführenden Infos gleichkommt.

Fazit: Saftlose Liebeleien, höfische Ränkespiele, reichlich Politgeplapper und Intrigen und eine knochentrockene Inszenierung, die sich müht charmant zu sein, aber das niemals leisten kann. Über den Versuch der englischen Königin Victoria ein Miniportrait zu bescheren, gerät dieser Streifen derart britisch, das nur eines zu sagen bleibt: ähem, ähem…, hüstel, hüstel…, schön, dass man darüber geredet hat.





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