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Green Zone
Green Zone
© Universal Pictures. All Rights Reserved.

Kritik: Green Zone (2008)


Wo Greengrass draufsteht, ist Wackelkamera drin und das nicht zu knapp. So ist "Green Zone" dann auch ein besserer Bourne mit ein bisschen mehr Background geworden, der hierzulande jedoch kaum jemanden schocken dürfte. Ganz anders in den USA, wo der Film beispielsweise einen Schreiberling namens Kyle Smith vom rechten Murdoch-Boulevardblatt New York Post zu einer geifernden Tirade gegen den bösen, bösen weil "anti-amerikanischen" Film trieb. Anti-Amerikanisch, weil er behauptet, es hätte im Irak niemals Yetis, Fraggles Massenvernichtungswaffen gegeben. Stattdessen habe man die Geschichte vorgeschoben, um in Ruhe einzufallen…
Aufgehängt wird die Story an Chief Miller (Damon), der mit seinem Team ständig zu irgendwelchen verfallenen Fabriken im frisch zerbombten Bagdad ausrückt, um "chemische Waffen" zu sichern. Er findet jedoch meist nur Taubendreck – und verliert bei der Sicherung der Gebäude vor Plünderern Menschenleben. Grund genug, mal zu fragen, wer denn eigentlich die Quelle für die Positionen der vermeintlichen Waffenfabriken ist. Damit kommt er bei seinen Vorgesetzten nicht gut an. Einzig Brown (Brendan Gleeson), ein in Bagdad stationierter CIA-Agent, zeigt sich ähnlich skeptisch. Als ein wachsamer, sich selbst "Freddy" nennender Iraki das geheime Meeting von ehemaligen hochrangigen Generälen Saddams bemerkt und Miller davon berichtet, liefert er ihm damit die erste Spur zu einer Verschwörung in der Grünen Zone, dem Sitz der Amerikaner. Dort trifft er unter anderem auf Lawrie Dayne (Amy Ryan), eine Reporterin vom Wall Street Journal, die immer wieder über Saddams vermeintliches Waffenarsenal schrieb – ohne jemals mit der Quelle für die Informationen Kontakt gehabt zu haben. Mit den entsprechenden Infos fütterte sie ein schleimiger Machtträger des Verteidigungsministeriums (Greg Kinnear), der in der Grünen Zone die Fäden zieht...
Der Film wurde vom Lagebericht "Imperial Life in the Emerald City" des renommierten Journalisten Rajiv Chandrasekaran inspiriert. Die beißende Ironie des Buches lässt der Film allerdings völlig aus. Doch auch wenn Greengrass und Damon darauf beharren, dass alle Charaktere fiktional seien, ist klar, um wen es geht – Dayne beispielsweise kann eigentlich nur die ehemalige New York Times-Reporterin Judith Miller sein, die seit 2002 dank ungenannter Quellen der Bush-Regierung Hysterie um vermeintliche Nuklearpläne Husseins, sowie die legendären Massenvernichtungswaffen schürte. Für das Wall Street Journal schrieb sie nach ihrer Zeit bei der Times einige Leitartikel. Heute arbeitet sie, in logischer Konsequenz, für Fox News.
Der Vorwurf des "Anti-Amerikanismus" ist jedoch – mal abgesehen von den offensichtlichen Gründen – auch angesichts der Tatsache, dass die beiden "Guten" Amerikaner sind und echte Veteranen des Irakkriegs Millers Team bilden, schlicht absurd. Obendrein will "Green Zone" offensichtlich ein Actionfilm und kein politisches Lehrstück sein: Genau wie in den Jason Bourne-Abenteuern bietet die Story vor allem den Hintergrund für jede Menge schlau kalkuliertes, spannendes Spektakel. Dass der Plot vom Gehalt her weit über den der Bourne-Reihe – von Julia Nieder einst treffend als "Jason rennt" zusammengefasst – hinausgeht, gibt dem Ganzen nicht nur eine solide Geschichte, an die man sich ausnahmsweise auch erinnern kann, sondern auch eine gewisse historische Patina. Action entlädt Greengrass dann aber in gewohnt furioser Manier: So hetzt Miller – seinerseits von einem Hubschrauber verfolgt – Saddams General Al Rawi nachts durch die verwirrenden Gassen des zertrümmerten Bagdads.
Mit "Green Zone" legen Greengrass & Damon nach zwei gemeinsamen "Bourne"-Abenteuern einen weiteren spannenden Actionthriller hin. Und diesmal sogar mit Story und Anspruch. Ihr Irak-Thriller wirft für ehemalige Bush-Jünger – die ihn bereits mit Gift und Galle bekämpfen - allerhand unbequeme Fragen auf. Für alle, die nie an aufgebauschte Spekulationen über Massenvernichtungswaffen glaubten, bietet der Film inhaltlich kaum etwas Neues. Verschwörungstheoretiker kommen jedoch auf ihre Kosten, genau wie Fans von knallharter Wackelkamera-Action, welche den Film ohnehin dominiert. Denn so ganz ernst nehmen kann man die gut gemeinte Prämisse letztlich nicht: Ein einzelner, aufrichtig entrüsteter Soldat stellt hartnäckig die richtigen Fragen und kämpft schließlich für die gnadenlose Aufdeckung der Wahrheit. Und sogar ein echter Iraki darf mitmischen. Schön wär’s gewesen...




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