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Kampf der Titanen
Kampf der Titanen
© 2010 Warner Bros. Ent.

Kritik: Kampf der Titanen (2009)


Filmkritik Kampf der Titanen Gute Fantasyspektakel zeichnen sich vor allem durch ihren epischen Bogen aus. "Der Herr der Ringe" hat es nahezu perfekt vorgemacht, hatte aber mit Tolkiens Epos auch eine entsprechend gute Vorlage. Die antike Sagenwelt der griechischen Mythologie liefert einen ähnlich reichen Fundus an fabulösen Geschichten. Abgesehen aber von Wolfgang Petersens "Troja", der zumindest im Director's Cut zu überzeugen wusste, kommt diesbezüglich wenig Gelungenes in den Sinn. Meist denkt man bei diesen Mythologieschinken ohnehin eher an Muskel- und Sandalenfilme italienischer Produktionen aus den 1950er und 60er Jahren, die derart infantil waren, dass sie beinahe wieder kultig sind.

Eine weitere, ambitioniertere Umsetzung eines antiken Mythos ist die der Perseus-Saga von Desmond Davis. 1981 bescherte er eine romantische Interpretation des klassischen Stoffes, die sicherlich kein echtes Highlight des Genres war, dennoch mit Charme und Mutterwitz, sowie grundlegend stimmig erzählt, zu überzeugen wusste. Ohne die beinahe schon legendären Stop-Motion-Animationen aus der Trickschmiede von Genius Ray Harryhausen hätte der Streifen aber vermutlich nie honoren Einzug in die cineastischen Chroniken gefunden.

Für Harryhausen stellte die Arbeit an der alten Version von "Kampf der Titanen" den Höhepunkt seines Schaffens dar; gleichzeitig war die Stop-Motion-Technik damit auf ihrem Zenit angekommen und damit stellte der Film gewissermaßen auch den Abgesang auf diese Technik dar, obwohl die digitale Revolution im Film erst Ende der 80er ihren endgültigen Durchbruch feierte. Fast 30 Jahre später, wird nun der "Kampf der Titanen" unter der Regie von Luis Letterier neu aufgelegt. Und natürlich werden Trickeffekte bemüht, die auf der Höhe der Zeit sind. Aktuell heißt das, dass der Film nicht nur vor CGI wimmelt, sondern sich im 3D-Gewand präsentiert.

Die Story an sich wirkt aber hastig zusammengeschludert und besitzt gerade soviel Unterbau, dass sich damit überhaupt ein Film legitimieren lässt. Perseus (Sam Worthington) ist die Liebesfrucht aus Zeus (Liam Neeson) Umarmung mit der Gattin eines Königs. Als dieser den Göttervater mit seiner Gemahlin in flagranti ertappt, ist er außer sich. Nach der Geburt des göttlichen Bengels wirft er ihn und seine Mutter in einer Art Holzsarkophag ins Meer. Als ein Fischer diesen findet, kann er nur noch den Säugling lebend bergen, den er anschließend an Sohnes statt großzieht.

Eines Tages, während einer Vergeltungsaktion der Olympier, nachdem der Herrscher der Hafenstadt Argos veranlasste, eine riesige Zeusstatue zu zerstören, wird auch das Fischerboot von Perseus Familie zerstört und sinkt – samt Adoptiveltern und seiner kleinen Schwester. Perseus ist fest entschlossen, an den Göttern dafür Vergeltung zu üben. In Argos, an dessen Küste er gespült wurde, bekommt er Gelegenheit mit seinem Unterfangen zu beginnen: Der Stadt droht die Zerstörung durch eine gigantische Kreatur, dem Kraken, wenn sie sich nicht dem Willen der Götter beugt. Zum Beweis ihrer Unterwerfung soll der König seine Tochter Andromeda (Alexa Davalos) opfern.

Um dem Kraken Einhalt zu gebieten, gibt es nur einen Weg: Das Haupt der Medusa kann jedes Lebewesen zu Stein erstarren lassen, aber freiwillig wird sie das kaum hergeben. Natürlich muss sich Perseus der Aufgabe aber nicht alleine stellen. Ein bunter Haufen verwegener Kämpen begleitet ihn und wird erwartungsgemäß im Verlauf des Abenteuers von allerlei monströsem Getier dezimiert, bis es zum Show-Down kommt.

Klingt als wäre der Streifen ein richtig schönes Spektakel im Stile von "300". Zum Teil stimmt das auch: Es ist ein Spektakel und Anleihen bei Filmen wie "300", "Herr der Ringe" und einigen anderen mehr, gibt es auch. Das Spektakel fällt aber selten-dümmlich aus. Die Story lebt vom Neureiz, dass immer wieder bizarres Viehzeugs in die Handlung stolpert – oder im Falle von Pegasus, dem geflügelten Hengst, hineinflattert. Abgesehen davon, dass sich Perseus nun sein Reittier nicht mehr selbst fangen muss, da es dem Recken im wahrsten Sinne des Wortes zufliegt, ist es jetzt auch komplett schwarz, weil es heutzutage stylischer ist. Das wollte dieses Machwerk sicherlich auch sein: stylisch. Herausgekommen ist stumpfsinniges Prolotheater, ohne jeglichen epischen Charakter und mit Dialogen, die zustande gekommen sein müssen, als die Drehbuchautoren Grundschulkindern die Feder übergaben um phantastische Geschichten aufzuschreiben.

Sah die Darstellung des Olymps im 81er Original ein wenig nach dezentem New Age aus, haut die neue Version dem Fass wirklich den Boden aus. Zeus im Glam-Rock Glitzer-Look, Hades (Ralph Fiennes) irgendwo zwischen Balrog und Batman und beim Olymp selbst hat man den Eindruck, es handele sich um einen geschmacklosen Las-Vegas-Nachbau. Hinzugekommen ist ein Nebenplot, der sich um Zeus und Hades dreht; denn auch im Olymp wird zuweilen geputscht. Dieser göttliche Bruderzwist erinnert enorm an die Disney-Trickfilm-Serie "Herkules". Dort versuchte Hades auch immer wieder die Macht an sich zu reißen und bekam schlussendlich regelmäßig auf die Glocke.

Bleibt noch der zeitgeistgemäße 3D-Look des Films, der einfach nur ein Statement verdient: durchgefallen, sechs, setzen! "Kampf der Titanen" wurde nämlich nicht in 3D gedreht, sondern nachträglich dazu konvertiert, um ein paar Pesos mehr den Zuschauern aus den Portemonnaies zu quetschen. Das Ergebnis dieser Nachbearbeitung würde aber sogar Filmstudenten bei jeglicher Prüfung an einer Filmakademie durchfallen lassen: Die Kontraste saufen im Dunklen vollends ab, von Tiefenschärfe kann keine Rede sein und insgesamt entsteht ein visuell verwaschener Eindruck, der manchen B-Movie gleich in neuem Licht erstrahlen lässt.

Fazit: Dieses Remake ist das Zelluloid nicht wert, auf dem es gefilmt wurde. Bei dieser charm- wie seelenlosen Inszenierung sucht man vergebens so etwas wie Liebe zum Detail, Verspieltheit oder gar Mutterwitz. Es ist furchtbar ernst gemeintes Popcornspektakel, das sich selbst zum Proleten-Laienspiel deklassiert und zuweilen unfreiwillig komisch anmutet. Geld für diesen Schrott an der Kinokasse zu lassen, bedeutet nur, dass sich die Studiobosse in Zukunft noch mehr solche Frechheiten erdreisten dürfen.





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