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The Killer Inside Me
The Killer Inside Me
© 2010 IFC in Theaters LLC. All Rights Reserved.

Kritik: The Killer Inside Me (2009)


Lou Ford (Casey Affleck) lebt ein unscheinbares Leben in einer texanischen Kleinstadt, in der alle Menschen glauben, sie kennen einander. Aber der harmlose und hilfsbereite Lou, der mit der netten Amy (Kate Hudson) liiert ist, verbirgt seine dunkle Seite. Als ihn sein Chef zu der Prostituierten Joyce (Jessica Alba) schickt, die ihrem Geschäft ein weniger unauffälliger nachgehen soll, zeigt sich seine Vorliebe für Gewalt: Nachdem sie ihn ein paar Mal geohrfeigt und er zurückgeschlagen hat, landen sie im Bett, treiben sado-masochistische Spielchen und Lou verliebt sich in sie. Gemeinsam kommen sie auf die Idee, Elmer (Jay Ferguson) zu erpressen, den Sohn des örtlichen Baulöwen Chester Conway (Ned Beatty), der vielleicht einst den Tod von Lous Bruder verschuldet hat. Aber erst in dieser Situation enthüllt Lou sein wahres Gesicht: Er bringt nicht nur Elmer, sondern auch Joyce mit einer Serie brutaler Faustschläge ins Gesichts um. Nahezu genüsslich zeigt die Kamera diesen Ausbruch an Gewalt, der Zuschauer sieht, wie mit jedem Hieb Joyce‘ Gesicht mehr zertrümmert wird. Es war diese Darstellung von Gewalt, die darin gipfelt, dass die zerschlagene Joyce zu Lou sagt, sie liebe ihn, die „The Killer Inside Me“ in Sundance zu einem Skandalfilm machte.

Tatsächlich ist Michael Winterbottoms Film in der Darstellung von Gewalt gegen Frauen auffällig explizit, zumal die Frauen ohnehin in seinem Film keinen guten Stand haben und sich allzu gerne verprügeln lassen. Dieser Ausdrücklichkeit in der Gewalt steht eine auffällige Zurückhaltung in den Sex-Szenen gegenüber, in denen peinlich darauf geachtet wird, dass bei den Sado-Maso-Spielchen von Joyce und Lou nicht zu viel Nacktheit von Jessica Alba zu sehen ist. Diese Szenen sind nahezu liebevoll inszeniert, in warmen Farmen gehalten und zusammen mit dem Liebesgeständnis in der Mordszene und Lous Trauer um Joyce entsteht eine Schieflage, die zu allerhand Fehlinterpretationen führen kann. Zumal Michael Winterbottom als Erklärung für Lous Verhalten sehr einfach und küchenpsychologisch seine Kindheit anführt – damit wird er weder der literarischen Vorlage von Jim Thompson noch dem Anspruch gerecht, Einblicke in die Psyche eines Serienkillers zu geben. Wie man es besser macht, hat Mary Harron in „American Psycho“ gezeigt. Dort überzeugt gerade die Losgelösheit des von Christian Bale toll gespielten Psychopathen von seiner Umwelt, während in „The Killer Inside Me“ höchstens die Kaltblütigkeit der Tat überrascht.

Aber auch „The Killer Inside Me“ hat einen guten Hauptdarsteller. Casey Affleck spielt den biederen Deputy mit den dunklen Abgründen sehr reduziert und gelassen, allerdings lässt ihm das Drehbuch zu wenig Raum, um sein ganzes Talent zu entfalten. Dagegen bleiben die anderen Darsteller eher blass, vor allem die Ermittler, die Lou von Anfang an argwöhnisch beäugen, bleiben farblos. Kate Hudson wirkt als Südstaatenschönheit nahezu verkleidet. Eine der wenigen Ausnahmen ist Bill Pullman, der in einem kurzen Auftritt dem Zuschauer allzu deutlich macht, was er den Film über vermisst hat.

„The Killer Inside Me“ basiert auf dem gleichnamigen Pulp-Roman von Jim Thompson – und Pulp bedeutet immerhin Schund, Psychopathen, korrupte Polizisten und Gewalt. Doch Michael Winterbottom inszeniert seinen Film nicht sonderlich rasant, sondern eher behäbig. Insgesamt hätte der Film deutlich mehr Tempo vertragen, darüber kann auch die verschachtelte Erzählweise nicht hinwegtäuschen. Gerade durch die langsame Inszenierung wirkt der Film über weite Strecken wie eine ästhetische Stilübung. Schon der Anfang ist in wunderbarem Retro-Stil gehalten, als sich verschiedene Farbfilter über körnige Fotos der Darsteller legen. Im Film wird die Welt der Prostituierten, die letztendlich sogar zur wahren Liebe des Killers stilisiert wird, in warmen Farben gezeigt, schon ihr Haus strahlt im verheißend-heimeligen Gelb. Diesem steht die verwaschene Realität gegenüber, in der sich Lou bewegt, die in trübem grau-blau gehalten ist. Einzig der Schluss ist Michael Winterbottom richtig gut gelungen. Aber dieses furiose Finale lässt die Schwächen des Films nicht vergessen.

Fazit: „The Killer Inside Me“ ist ein solider Noir-Film, der bis zu seinem gelungenen Finale Geduld vom Zuschauer verlangt – und mit Casey Affleck in der Hauptrolle gut besetzt ist. Für Einblicke in die Psyche eines Serienkillers bleibt aber weiterhin „American Psycho“ die bessere Wahl.





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