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Kritik: Blues Brothers (1980)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Blues Brothers avancierten Anfang der 80-er (vor allem in Europa) zum Kultphänomen, wozu das ikonische Outfit der beiden (schwarzer Anzug, schwarze Krawatte, schwarze Sonnenbrille) und vor allem der mit unzähligen Blues-Klassikern bestückte Soundtrack maßgeblich beitrugen. Dazu kommt die John Landis-typische Botschaft, die dem Film Herz und Seele verleiht, was gar dazu führte, dass "Blues Brothers" in der amtlichen Zeitung des Heiligen Stuhls, L’Osservatore Romano, 2010 als "katholischer Klassiker" bezeichnet wurde.

Wobei: Katholisch ist an "Blues Brothers", abgesehen von der "göttlichen Mission", eigentlich recht wenig. Der Film lebt vielmehr von seiner archaischen Ausgelassenheit und einer manchmal bis an die Grenze der Erträglichen gesteigerten Action-Lust, die nur knapp nicht in komplette Anarchie kippt. Und fromm stellen sich die beiden Brüder bei der Erfüllung des "Auftrags von oben" auch beileibe nicht an, sie schlagen Finten und Haken - sind aber trotzdem stets versucht, den Wunsch ihrer Mutter Oberin zu erfüllen.

Natürlich sind die kleinen Schwächen des Films auch nach 40 Jahren nicht verschwunden: Einen Tick zu lang, ein paar dramaturgische Leerläufe, und nicht jede musikalische Einlage ist gleich gut gelungen. Von denen gibt es allerdings genügend: Das who is who der US-amerikanischen Blues- und Soul-Szene gibt sich in "Blues Brothers" ein Stelldichein, von James Brown, dem "godfather of soul", als manischer Prediger über Ray Charles als blinder Klavierverkäufer bis hin zu Aretha Franklin als unglückliche Ehegattin, der die Blues-Brüder ihren Ehemann stibitzen, um gemeinsam in ihre "mission from God" zu ziehen. Im Grunde ist "Blues Brothers" eine wilde Mischung aus Komödie und Musikfilm, denn nicht nur die prominent platzierten Musikklassiker dienen der auditiven Stimulation: Insbesondere die diversen Konzertaufnahmen erhöhen den musikalischen Gehalt und Inhalt auf deutlich über das genreübliche Ausmaß.

Schließlich ist es dann das kongeniale Duo Aykroyd-Belushi, das den Film auf seinen ordentlich gepolsterten Schultern trägt. Ihr lakonisches Auftreten verlieh dem Begriff "cool" schon in den 80-ern eine neue Dimension, und noch heute versteht man, warum die beiden zum Kult wurden. Am Set der "Blues Brothers" soll es ganz ordentlich zugegangen sein, Legenden berichten davon, dass es eine eigene Bar für die Crew gab, dass ein Teil des ohnehin exorbitanten Produktionsbudgets für die Beschaffung von Kokain und anderer Drogen drauf ging, die am Set ungezügelt konsumiert wurden - und dass John Belushi seine schwarze Sonnenbrille nur deswegen immer tragen wollte, damit die Spuren seiner nächtlichen Eskapaden nicht allzu sichtbar wären. Und trotzdem legt gerade er einen über alle Maßen überzeugenden Auftritt hin, der einmal mehr schmerzlich bewusst macht, welch komödiantisches Talent hier 2 Jahre nach dem Dreh im Alter von nur 33 Jahren viel zu früh von uns gegangen ist.

Fazit: Ein trotz einiger Schwächen höchst charmanter und kultiger Streifen, der sich vor allem durch seine pulsierende Energie und die großteils überzeugenden musikalischen Einlagen auszeichnet. Auch nach 40 Jahren einen Blick Wert.




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