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2001- Odyssee im Weltraum
2001- Odyssee im Weltraum
© Warner Bros.

Kritik: 2001- Odyssee im Weltraum (1968)


Was soll man über einen Film schreiben der nicht nur Kultstatus genießt, sondern darüber hinaus Filmgeschichte geschrieben hat? 1968 uraufgeführt, hat er bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Zum einen liegt das an den atemberaubenden Weltraumszenen. Diese wirken fast dokumentarisch und verzichten auf Geräusche, die es im Vakuum des Alls nicht geben kann. Die Bilder der Erde wurden kreiert noch bevor der erste Mensch ins All flog. Das ist nur ein Beispiel für das visionäre Potential des Filmes. Ein anderes ist die gemeinsame Raumstation von Russen und Amerikanern. Zum anderen hat der Film nichts von seiner Aktualität verloren. Hier sei nur die Auseinander-setzung zwischen Mensch und Computer genannt. (Der Name des Supercomputers HAL 9000 ist übrigens ein Wortspiel, nimmt man den jeweils folgenden Buchstaben im Alphabet ergibt sich IBM!) Zur Handlung: 2001 beginnt mit der Sequenz "Dawn of men". Ein Rudel von Affen erlebt einen Evolutionssprung, ausgelöst durch das Auftauchen eines Monoliten. 2001 visualisiert hier die fiktive Geburtsstunde der Menschheit, zugleich bildet er die reale Geburtsstunde eines neuen Filmgenres. Die Sequenz endet mit dem gewagtesten Schnitt der Filmgeschichte: Das erste Werkzeug, ein Tierknochen, "verwandelt sich" in einem harten Schnitt in ein Werkzeug der Zukunft, ein Raumschiff. Kubrick schafft es 4 Millionen Jahre zwischen zwei Filmbildern darzustellen. Es ist das Jahr 2001, der selbe (?) Monolit wird auf dem Mond entdeckt. Ein neuer Evoluti-onssprung deutet sich an. Wieder stehen Menschen dem Stein gegenüber und berühren ihn. In beiden Szenen findet sich eine fast identische Einstellung. Die Kamera blickt subjektiv zum Monoliten hoch, hinter welchem beide Male die Sonne aufgeht. Beim ersten Mal, auf der Erde, steht die Mondsichel über der Sonne. Auf dem Mond steht jedoch an gleicher Stelle die Erdsichel vor dem Sternenhintergrund. Kubrick schafft durch diese Bilder die perfekte Verbindung beider Szenen. 18 Monate später startet ein Raumschiff zum Jupiter um das Rätsel des Monoliten zu lösen. An Bord sind 5 Menschen und ein Computer ... Die oscargekrönte Tricktechnik überzeugt noch heute. Der Film zieht den Betrachter magisch in seinen Bann. Er wirft Fragen auf und lässt der Phantasie des Zuschauers genügend Spielraum diese individuell zu beantworten. "2001" hat beinah jeden SF Film seither inspiriert, von "Star Wars" bis zu "Matrix". Er wurde aber auch, wie in "Mission to Mars", hemmungslos kopiert. Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte diese Bildungslücke jetzt schließen. Frank Mählen So geht es vielen Filmklassikern: zu ihrem Erscheinen von den Kritikern verrissen, Jahrzehnte später zum Mythos glorifiziert und in den Feuilletons zum kulturellen Fluchtpunkt gekrönt. Im Falle von Stanley Kubricks Meilenstein erlaubt die große Distanz von 33 Jahren und unzähligen Science-Fiction-Ramsch erst die präzise Würdigung. Wenn filmische Zukunft und reale Gegenwart in eins fallen, klärt sich die Zeitlosigkeit von Kubricks Vision - mit leichten Abstrichen, wie vielleicht der Krankenschwester-Look der Pan-Am-Stewardess. Aber so sahen sie halt damals aus. Als der Weltraum noch lautlos war und infantile "Star Wars"-Phantastereien nicht die Vorstellung einer ganzen Generation formten, musste eben Strauss her, um der Geräuschlosigkeit majestätische Würde zu verleihen. Undenkbar, wenn Kubrick und Co-Autor Arthur C. Clarke eine andere Wahl getroffen hätten: von der Wiege der Menschheit bis jenseits der Unendlichkeit erschüttern die Kompositionen des klassischen Musikers. Drei Minuten Schwarzbild mit Präludium, noch mal in der Intermission. Wer sich so den Mustern des Erzählens widersetzt erntet Unverständnis - aber nur so entstehen außergewöhnliche Werke: Nüchternheit und Statik, über weite Strecken keine musikalische Begleitung, teilweise nur minutenlange Atemgeräusche irritieren und faszinieren zugleich. Kubrick treibt seinen Realismus auf die Spitze und nimmt dafür zermürbend lange Vorgänge in Kauf. Diese Kompromisslosigkeit wäre im heutigen Event-Kino-Zeitalter, das gewöhnlich mit Explosionen beginnt und sich dann langsam steigert, einfach undenkbar. Die dokumentarischen Details der Jupiter-Reise werden von der Symphonie der Evolution umklammert. Clark und Kubrick sind schlau genug, im psychedelischen Finale nicht Antworten zu geben, sondern mit der Abstraktion nur Fragen zu suggerieren. Genau dort scheitert auch ein Brian de Palma, wenn er in "Mission to Mars" seine blamable Vorstellung von Evolution Bild für Bild erklärt. "2001 - Odyssee im Weltraum" bleibt nachhaltig, sowohl im Sterbesatz "Ich habe Angst" des HAL 9000, als auch im elektrisierenden Schlussbild: wer einmal in das Auge Gottes schaut, vergisst es sein Leben nicht.




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