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Kritik: Der Hochzeitstag (1995)


Versicherungsbetrug oder Verzweiflungstat?
Ob mit einem Gesetz gegen "24jährige Blondinen mit großen Titten und namens Debby" unzufriedenen Ehemännern vor
dem Seitensprung beizukommen ist? Auf diese Idee kann wohl nur kommen, wer tagaus tagein in einer übergroßen Villa hockt, Zeit zum Grübeln hat und nur noch aus purer Gewohnheit verheiratet ist. Der 20.Hochzeitstag der upper-class-Eheleute O'Donnel (Cher und Ryan O'Neil) ist so etwas wie ein Tag der Abrechnung. Wer mit wem, warum und wie - davon erzählt diese Theateradaption. Autor Chazz Palminteri spielt darin eine Schlüsselrolle.

Geld und Luxus allein sind nicht des Lebens Glück. Keine neue Erkenntnis, fürwahr. Regisseur Paul Mazursky, bissiger
Kritiker neureicher Erdenbürger, hat die darauf ausgerichteten menschlichen Verhaltensweisen mit einfachen Mitteln transparent gemacht. Margret O'Donnel (Cher, nach fünf Jahren wieder back in cinema) verzweifelt nach zwanzig Jahren Ehe an der Abwesenheit von Liebe und Zuneigung. Ihre heilige Treue und das Wissen um die Unverbesserlichkeit ihres Mannes helfen ihr dabei nicht. Sie will sich mit Tabletten töten. Wovon sie ein Einbrecher, der sich als Auftragskiller entpuppt, abhält. Sozusagen unverhofft zum Lebensretter geworden, sieht der von Ehemann Jack (Ryan O'Neil, auch er nach langen Jahren wieder vor der Kamera) angeheuerte Hitman sich plötzlich mit philosophischen Diskursen konfrontiert, ist damit aber sichtlich überfordert. Ist ja auch eine groteske Situation für einen Profikiller. Noch dazu, wo er nun nicht mehr klar weiß, wo nun das grundsätzliche Motiv seines Auftraggebers lag: Untreuevergeltung oder Versicherungsbetrug?

Jene in der Villa spielenden Szenen, die spitzpointierten und bösen Dialoge, die überraschenden Wendungen (manchmal etwas unglaubhaft) - das alles ist amüsant, intelligent und herrlich absurd. Wie sich Tony (Chazz Palminteri, ähnlich cholerisch wie zuletzt in "Diabolique") über "Erdnußbutter mit ganzen Nüssen" aufregen kann, wie er telefonischen Rat bei seinem Psychiater sucht - das hat schon was an Komik. Vielfach erinnert das Stück natürlich an Woody Allen, an dessen Witz und Sarkasmus. Das Schauspielertrio (plus Regisseur Mazursky in der Rolle des Psychiaters) aber spielt die verworrene, äußerst kurzweilige Situation um ein ungewöhnliche Hochzeitsgeschenk souverän und glaubhaft durch.





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