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Kritik: Aus nächster Nähe (1996)


Michelle Pfeiffer startet als naives Medienmädel Sallyanne Atwater bei einem Lokalsender im Süden der USA. Ihr reifer, renommierter Mentor Warren Justice (Robert Redford) schickt sie zuerst zum Kaffeekochen, dann macht er sie zum Nachrichtenstar und zur Geliebten. Mit neuer Frisur, dünnerem Make-up und kürzerem Namen kommt die neue Tally sogar landesweit auf die Bildschirme. Als der aufsteigende Stern allein zu den großen Sendern geht, folgt die private Tragödie. Bei Klaus Theweleit lernte man, daß meistens jemand auf der Strecke bleibt, wenn der/die andere Karriere macht. Diesmal trifft es Justice - ist das gerecht? Da hat dieser Mann Watergate aufgedeckt ("Die Unbestechlichen"), war in "Havanna" und auch sonst überall in der US-Geschichte. Jetzt auf die alten Tage gibt er noch mal den lahmen, tragischen Liebhaber. Er ähnelt darin der Story, die ohne Geistesblitz oder Drama linear daherdümpelt. Das größte Moment medialer Liebe ist auch schon eine Abschiedsszene: Tally weiß, welche Frage sie stellen muß, bevor ihr Regisseur Justice diese Frage aufschreibt. Dieses Medienhistörchen wäre an sich ganz schön brav, auch wenn nicht Gus van Sants "2 Die 4" bereits heftig in diesem Thema rumgewildert hätte. Da sieht Michelle im Vergleich zu Nicole Kidman ziemlich alt aus, am Ende kann sie nur kunstvoll Tränchen zerdrücken und verlogen irgendeinen journalistischen Ethos beweihräuchern. Gut, aber nicht revolutionär, höchstens der Moment des Todes: Die Distanz des Paares wurde über eine Reise aufgebaut, der Kontakt hält noch per Satellitenübertragung, bricht aber dann technisch ab.Nach "Grüne Tomaten" inszenierte Jon Avnet "Das Baumhaus" mit viel zu viel Pathos und ebenfalls im Süden der USA. Schon auf den ersten Blick wirkt "Aus nächster Nähe" verlogen und wie von vorgestern. Statt bissig-böser Medienschelte wie in "Network" oder "2 Die 4" geht jetzt die Romantik zwischen zwei Stars auf Sendung.





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