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Kritik: Kansas City (1996)


Alles andere als schnell vorwärtskommend läßt sich Robert Altmann's "Kansas City" am besten durch die Handlungen der beiden Hauptpersonen charakterisieren: Der Film kommt ebenso schnell voran wie ein Opiumrausch vergeht und der Handlungsstrang ist genauso dünn wie eine Telegraphenleitung. Doch, obwohl der Zuschauer geschlagene 45 Minuten warten muß bevor alle Schlüsselelemente der Handlung enthüllt werden, mutet der Film keinesfalls lethargisch an. "Kansas City" offenbart die ruhige und sichere Hand eines großen Filmemachers, der seine Geschichte gleichsam fließend und großartig erzählt wie der mächtige Missouri River, der sich durch die Stadt zieht. Leider nicht mit der gleichen Tiefgründigkeit!

Altmann's Sicht auf das Kansas City von 1934 trifft leider nicht die damalige Realität. Die große Depression regierte Amerika - einzig und allein Kansas City, kontrolliert durch korrupte Politiker, italienische Mafia, Alkohol und nicht zuletzt den Jazz, blieb davon ungerührt. Diese Gegebenheiten kommen in "Kansas City" (leider) weder konzeptionell noch emotional rüber.

Provokative Elemente sind vorhanden - politische Auseinandersetzungen, sich durch Klassen-und Rassenunterschiede entwickelnde Konflikte und persönliche Probleme wie der Verlust eines ungeborenen Kindes - leider sind sie nicht mehr als plakative, altbekannte Bausteine aus Altmann's Repertoire. Auch ist Jennifer Jason Leigh in der Hauptrolle keine große Hilfe. Obwohl sie seit langer Zeit, vielleicht unberechtigterweise, bezichtigt wird sich für ihren Typ permanent unangemessene
Rollen auszusuchen so kann man der Schauspielerin zum ersten Mal wirklich vorwerfen, daß sie "einfach nur schlecht" ist. Ihre "Blondie" wird durch ihren fürchterlichen Manierismus und die Missinterpretation der Rolle in den Abgrund gezogen. Es scheint fast so als wäre mehr als nur das übertriebene MakeUp aus ihrer Rolle in "Georgia" übriggeblieben.

Miranda Richardson kommt besser mit ihrer Rolle zurecht. Sie hat bereits Erfahrung mit einer komatösen Rolle gesammelt ("Tom & Viv") aber dennoch ist ihre "Carolyn" eine frische Kreation. Wie dem auch sei, "Kansas City" erlaubt es ihrer Carolyn nie sich aus ihrer Lethargie zu lösen - nicht einmal bei einer wilden Schießerei, einem Höhepunkt des Films.

Der Film aber lebt nicht zuletzt vom Jazz und dem eindrücklichen Monolog den der offensichtlich mit Genuß spielenede Harry Belafonte in der Rolle des Seldom Seen vor Jonny zum Besten gibt. Als er Jonny erklärt warum er noch am Leben ist richtet er dessen Aufmerksamkeit auf das im Nebenzimmer spielende Klavier.

"Hörst Du das?" - "Das ist Bill Basie".

Musik ist eben auch ein Grund - genau so legitim wie alles andere.





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