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Fräulein Smillas Gespür für Schnee
Fräulein Smillas Gespür für Schnee
© Constantin Film

Kritik: Fräulein Smillas Gespür für Schnee (1996)


Kaum hat dieser Film die Berlinale 1997 eröffnet, da läuft er auch schon in allen Kinos. Oder noch krasser: Er läuft seit Donnerstag in den deutschen Kinos, nur Berlin hinkt mit einem Sonderstatus hinterher, damit der große gefeierte "Eröffnungsfilm" nicht schon nachmittags in den Großstadtkinos für das einfache Publikum läuft. Klingt nach Klüngel? Klingt nach Eichinger, aber dazu später mehr.
Die Krimigeschichte hat ihre Wurzeln oben im nordischen Eis, dessen eindrucksvolles Panorama den Film eröffnet. Ein Robbenfischer erlebt, wie ein Feuerball vom Himmel stürzt, flieht vor der gigantischen Flutwelle, bis die Leinwand im ursprünglichen Weiß versinkt. Weiter geht es im klimatechnisch wärmeren, aber menschlich frostigeren Kopenhagen. Die Eisforscherin Smilla Jasperson (Julia Ormond) wird vom Tod ihres kleinen Nachbarn Isaiah (Clipper Miano) geschockt. Er stammte aus Grönland und war Inuit (früher durfte man noch "Eskimo" sagen). Da sie - als Tochter einer Grönländerin - eine enge Freundschaft zum Jungen entwickelte, kann sie nicht an Selbstmord glauben und setzt die ermittelnden Behörden beharrlich klug unter Druck. Schnell wird klar: Es ist etwas faul im staatlichen dänischen Krankenhaus - was übrigens auch schon Lars von Trier in "Geister" bemerkte. Der Druck kommt von zweifelhaften Gestalten auf mörderische Weise zurück. Hilfreich ist nur Smillas einflußreicher und voller Schuldgefühle steckender Vater (Robert Loggia) sowie ein geheimnisvoller Nachbar (Gabriel Byrne). Die generell gegenüber Männern verschlossene
Smilla wird ausgerechnet bei letzterem weich, der in dieser brenzligen Situation genau der Falsche sein könnte...

Der dänische Regisseur Bille August galt nach seinem Jugendfilm "Twist and Shout", nach der mit Palme und Oscar preisgekrönten, wunderbaren skandinavischen Kindergeschichte "Pelle, der Eroberer" und der bedrückenden Ingmar-Bergman-Story "Die besten Absichten" als großes Regietalent. Seine Figuren atmeten Leben und hatten weite Seelenlandschaften. Dann kam die Zusammenarbeit mit Eichinger. Schon einmal machte sich das Team August/Eichinger an einen weltweit geliebten Bestseller heran. Auch "Das Geisterhaus" trumpfte mit internationalen Stars auf, enttäuschte aber die Leser durch eine extreme Banalisierung und den Verlust von ganz spezieller Poesie. Die erste Hälfte von "
Fräulein Smilla" vermittelt noch ein Gespür für das, was den Roman von Peter Hoeg zum "Weltbestseller" machte. Smilla darf kurz einige Arten von Schnee aufzählen (ähnlich wie auch "Der englische Patient" in Buch und Wettbewerbsfilm über die eigentümlichsten Winde der Welt fabulieren kann). Man fragt sich neugierig, wie denn das Verhältnis der Festlands-Dänen zu "ihren" Grönländern ist. Vom Leben eines jungen Inuit in unserer westlichen "Zivilisation" erzählt übrigens auch sehr schön Vincent Wards " Flucht aus dem Eis" (GB/Kanada/Australien/Frankr. 1992).

Von Anfang an bestimmt den Film eine düstere Stimmung und anhaltende Spannung. Doch die Lösung ergibt sich bald, am Ende driftet die Story - wie übrigens auch im Buch - mächtig in die Action- und Verfolgungskiste ab, mit reichlich Blut und Verletzungen. Julia Ormond (u.a. "Das Wunder von Macon", "Der erste Ritter", "Sabrina") macht Smillas Heimatlosigkeit im kühlen Kopenhagen spürbar. Unter dunklen Haaren läßt ihr Blick besondere Tiefen erahnen. Auch Gabriel Byrne, Richard Harris, Robert Loggia, Mario Adorf oder Vanessa Redgrave können sicherlich Schauspielern, doch sie wirken zwischen einfachen dänischen Mietshäusern und schmierigen Häfen deplaziert. Insgesamt ist "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" ganz guter Durchschnitt, den sich viele aufgrund des Romans ansehen werden.





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