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Kritik: Anaconda (1997)


Schon in der Bibel trieb sie ihr Unwesen, die Schlange, die böse und gemeine. Und da man im Filmland Amerika derzeit höchstes Interesse an Katastrophen biblischen Ausmaß es hat, fügte man Wirbelstürmen, Vulkanausbrüchen, Sturmfluten und Dinosaurierplagen ein weiteres Exemplar aus der Abteilung Naturschrecken hinzu. Anaconda heißt die Spezies, die uns mit Hollywood-Horror die Nackenhaare in die Höhe treiben soll.
Inmitten des brasilianischen Dschungels befindet sich ein "ausgewogenes" Forscherteam, "Quotenneger" inklusive, auf den Spuren eines unbekannten Indianerstamms. Doch die tropische Bootsfahrt auf schlängelnden Wasserwegen sieht sich bald einer schlängelnden Bedrohung gegenüber. Eine Würgeschlange treibt zwischen Lianen und undurchdringbarem Dickicht ihr Unwesen, denn sie versucht sich die Langeweile mit dem Quetschen und Catchen von unbedarften Regenwaldtouristen zu vertreiben. Zu guter Letzt nimmt unsere naturwissenschaftliche Nußschale auch noch einen höchst suspekten "Anhalter" mit an Bord, der sich als Schlangenexperte ausgibt und später selbst "Gift spritzen" wird.
"Anaconda" präsentiert eine Grundkonstellation, wie sie schon oft und bestens funktionierte, doch in diesem Fall funktioniert fast gar nichts. Auch wenn billige Schockeffekte einen kurzzeitig zusammenzucken lassen, die "Haut", das Muster der Story, wirkt über weite Strecken porös und lächerlich. Wenn man schon die legendäre, vom weißen Hai bekannte Unterwasserperspektive bemühen muß, dann sollte man sich auch an eine gute alte Spielbergsche Weisheit halten und die Auftritte eines gefährlichen Monsters rar und kurz halten. Doch die unersättliche Anaconda entfesselt schon ab der Mitte des Films ein pausenloses Inferno. Die Macher scheinen so in ihre digitalen Schlangenspielereien verliebt, daß sie den Zuschauer mit unendlichen Anacondawindungen zu umwickeln versuchen - und ihn letztendlich dabei erdrosseln.
"Anaconda" ist ein weiterer mißglückter Versuch, durch die Kombination einzelner erfolgreicher Komponenten ein noch erfolgversprechenderes Produkt zu schaffen. Eine "Häutung", das Abstreifen von übertriebenem Ballast, hätte der mutierten Raupe Nimmersatt auf jeden Fall gut getan. Und selbst wenn man bei solchen Effektfilmen realistische Maßstäbe sicherlich nicht anlegen darf, hätte ein wenig Biologieunterricht für Forscherteam und Produktionsstab viele Peinlichkeiten erspart. Denn auch Otto Normalverbraucher merkt, wenn man den genetischen Bogen von Schlangenkrümmungen überspannt. Bleibt nur zu hoffen, daß nicht allzu viele Kinogänger auf den Spuren von Adam und Eva wandeln und sich von der Schlange in Versuchung führen lassen.




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