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Kritik: Donnie Brasco (1997)


Hollywoods Jungstar Johnny Depp wird immer mehr zu einem außerordentlich bereichernden Bindeglied zwischen den Veteranen der amerikanischen Filmgeschichte und einer neuen kreativen Filmgeneration seines Alters, zwischen angeblich unkommerziellen Filmstoffen und überraschenden Erfolgen. So wurde zum Beispiel im Jahr 1995 nicht zuletzt aufgrund seiner Zugkraft die Verfilmung eines semiprofessionellen Skripts möglich, die vollendet in dem märchenhaften Werk "Don Juan de Marco" Filmlegende Marlon Brando zurück auf die Leinwand führte. Johnny Depp spielte neben einem Urgestein wie Martin Landau ("Ed Wood") und sorgte mit seinem Namen in der Independent-Produktion "Dead Man" von Jim Jarmush für ein gesteigertes Medieninteresse.
Der charismatische Querkopf trifft auch in seinem neuesten Werk "Donnie Brasco" auf eine heute schon fast legendäre Gestalt: Al Pacino. Im unter der Regie des Engländers Mike Newell ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall") entstandenen "Mafia-Thriller" (Verleih-Info!) wird Johnny Depp als Undercover-Agent Donnie Brasco in die Kreise des alternden Mafiosos Lefty Ruggiero (Al Pacino) eingeschleust. Donnies taktisches Vorgehen ist äußerst geschickt und zielorientiert, und schon bald genießt er fast uneingeschränktes Vertrauen auf Seiten einer Mafiagröße, die ihn zum Protegé und Ziehsohn auserkoren hat. Doch was als berufliche Zweckfreundschaft beginnt, entwickelt sich mehr und mehr zu einer gefährlichen Gratwanderung zwischen vorgetäuschten Gefühlen und aufkeimendem Respekt, gar beiderseitig wachsendem Vertrauen. Auf der einen Seite weiß sich der ehrgeizige Polizist in existentieller Sicherheit, in familiärer Geborgenheit, auf der anderen Seite verführt eine Welt, die plötzlich menschlicher und verlockender ist, als die unmenschlichen, abschreckenden Verbrechen zu verheißen schienen. Ein emotionaler Kampf zwischen den Stühlen beginnt.
"Donnie Brasco" setzt sich in jeglicher Hinsicht zwischen die Fronten. Was für viele als epischer Mafiastoff à la "Der Pate" anmutet, verdichtet der Regisseur zu einer intensiven Charakterstudie. Die Geschichte brennt ständig auf bewußt dosierter Sparflamme, doch je weniger blutige Ausseinandersetzungen und offensichtliche Actionelemente den Film begleiten, desto eindringlicher und beklemmender heizt uns der äußere Konflikt zwischen zwei Personen und vor allem der innere Konflikt in den Köpfen der Hauptfiguren ein.
Mike Newell hat erfolgreich der Versuchung widerstanden, großes, bildgewaltiges Kino dirigieren zu wollen und dabei den Taktstock für die Charaktere seiner künstlerischen Vorgabe zu verlieren. "Donnie Brasco" ist nicht zuletzt aufgrund des harmonischen Zusammenspiels von Johnny Depp und Al Pacino ein sehenswerter Film, der zwar die Bezeichnung "Epos" nicht verdient, aus dieser scheinbaren Not aber eine Tugend macht. Es wäre vielleicht schön gewesen, als Mafiaepos in die Filmgeschichte einzugehen, doch weitaus schöner ist es, jetzt und heute dicht durchdachtes und einfühlsam inszeniertes Kino zu genießen, das durch Charakterstärke und minutiöse Trittsicherheit besticht. Denn zwischen den großen Welten liegen viele Kleinigkeiten, in denen ungeahnte Kräfte schlummern.




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