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Poster - Jenseits der Stille
Poster - Jenseits der Stille
© Buena Vista

Kritik: Jenseits der Stille (1996)


Der Unterschied zwischen Hören und Verstehen
Reichlich frech, wenn der taubstumme Vater seiner Tochter das Radiohören verbietet. Und irgendwie doch verständlich: denn Musik beschreibt das Unsagbare. “Jenseits der Stille”, der erste Kinofilm der Münchnerin Caroline Link, erzählt vom Erwachsenwerden des Mädchens Lara, die über die
Musik auch ihren gehörlosen Vater wieder erreicht. Mit großem Respekt vor der Taubheit ist dieses melodramatische Märchen ein wunderschönes und tiefgehendes Gedicht in starken Bildern und ohne nachteilige Zwischentöne.

Mit unpathetischer Leichtigkeit beschreibt Caroline Link zunächst die Kindheit der kleinen Lara (Tatjana Trieb), die sich im stillen Kämmerlein und mit ihren gehörlosen Eltern wohler fühlt als in der Schule. Unkompliziert und lebensfroh ist dieses Leben, von Behinderung keine Spur. Getrübt wird es durch einen Unfall
und den jährlich wiederkehrenden Weihnachtsstreß. Denn das Fest unterm Tannenbaum ruft vor allem bei Laras Vater Martin (Howie Seago) traumatische Erinnerungen wach. Die Rückblenden verdeutlichen, weshalb Martin eine Aversion gegen Musik hat. Diese entzweit ihn später auch mit seiner flügge werdenden
Tochter (jetzt dargestellt von Sylvie Testud). Der Abnabelungsprozeß
vom Elternhaus, die Zeit bei Onkel und Tante (Matthias Habich, Sibylle Canonica) ist nicht nur für Lara eine entdeckungsreiche Phase. Auch Martin findet Zeit, sein und anderer Verhalten zu verstehen. Schließlich ist es die Musik, die zur Versöhnung beiträgt.

Assoziationsreich in Wort und Bild, gelingt es Caroline Link und Kameramann Gernot Roll (filmte u.a. auch “Kaspar Hauser” und “Der bewegte Mann”), die Taubheit ohne große Effekte verständlich und sichtbar zu machen. Wie eng Tragödie und Triumph beisammenliegen, verdeutlicht jene Szene, in der ein
hupender Traktor die sichtlich Spaß am Fahrradfahren habende Mutter (Emmanuelle Laborit) überholen möchte. Die Zerrissenheit dieses aufregend lautlosen Lebens findet schließlich auch im Soundtrack von Niki Reiser und den von Giora Feidman beigesteuerten Titeln Ausdruck. Brilliant auch die tatsächlich gehörlosen
Schauspieler Emmanuelle Laborit (“Gottes vergessene Kinder”) und Howie Seago. Ein richtig schöner Film, passend zur Weihnachtszeit.

Bewertung: 5 / 5 Punkte




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